Corona

Neue Corona-Studie: Grippe erhöht das Risiko der Übertragung

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
    schließen

Eine neue Studie vermutet, dass während der Influenzawelle auch Corona stärker übertragen wird. Eine Schnupfen-Erkrankung weist außerdem einen überraschenden Zusammenhang auf.

  • Eine neue Corona-Studie macht eine besorgniserregende Entdeckung.
  • Während der Grippe-Welle könnte auch das Coronavirus stärker übertragen werden.
  • Der Schnupfen könnte allerdigs einen ganz anderen Einfluss auf die Verbreitung von Corona haben.

Die kommende Grippewelle könnte die Gefahr, sich mit Covid-19 zu infizieren, wieder deutlich erhöhen. Diese Vermutung äußern Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin und des Institut Pasteur in Paris. Das Forscherteam hatte mit Hilfe eines mathematischen Modells die ersten Monate der Corona-Pandemie in Europa untersucht und dabei festgestellt, dass Grippe-Erkrankungen die Übertragungsrate des Coronavirus im Durchschnitt um das 2,5-Fache erhöht haben.

Eine Infektion mit Rhinoviren kann einen Schutz vor Grippeviren bieten – und vielleicht auch vor Sars-CoV-2.

Corona-Studie: Grippe erhöht Risiko – Erste Influenza-Viren tauchen schon im Oktober auf

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler folgern daraus, dass die gesunkenen Corona-Infektionszahlen ab dem späten Frühjahr nicht nur auf das Konto von Lockdown, Masken, Abstands- und Hygieneregeln gehen, sondern wesentlich auch mit dem Ende der Grippesaison zu tun haben. Die Studie ist auf der Wissenschaftsplattform „medRxiv“ vorveröffentlicht worden und muss vor der Publikation in einem Fachmagazin noch von anderen Kolleginnen und Kollegen begutachtet werden.

Studienautor Matthieu Domenech de Cellès ist am Max-Planck-Institut Leiter der Forschungsgruppe „Epidemiologie der Infektionskrankheiten“. Saisonalität ist ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist. Die ersten Influenza-Viren tauchen alljährlich zwar schon im Oktober in unseren Breiten auf, die Zahl der Infizierten steigt aber in der Regel erst nach dem Jahreswechsel kräftig an. Ihren Höhepunkt erreicht die Grippesaison meist im Februar, Ende März flaut sie allmählich ab. Erkältungsviren sind schon früher geballt da, der erste dicke Schnupfen sucht viele Menschen bereits im September heim. Grundsätzlich gelten niedrige Temperaturen als förderlich für Atemwegsinfekte aller Art, während Sonnenlicht das Immunsystem stimulieren und zumindest das Coronavirus – für das es nachgewiesen ist – inaktivieren kann.

Studie: Grippe erhöht Übertragungsrate von Corona – „Die Ergebnisse waren eindeutig“

Um herauszufinden, inwieweit die Grippe auf Covid-19 Einfluss genommen hat, rekonstruierte das deutsch-französische Forscherteam den Verlauf der Pandemie in Belgien, Norwegen, Italien und Spanien – vier europäischen Ländern, in denen das Corona-Infektionsgeschehen in der ersten Jahreshälfte unterschiedlich stark ausgeprägt war. Dabei wurden auch die jeweiligen Gegenmaßnahmen wie Ausgangssperren und Social Distancing berücksichtigt.

„Die Ergebnisse waren eindeutig“, heißt es in der Studie. Demnach soll die Grippe die Übertragungsrate des Coronavirus in der Bevölkerung im Durchschnitt um das 2,5-Fache erhöht haben. Über die Gründe dafür lassen sich bislang nur Vermutungen anstellen. So wäre es möglich, dass Menschen mit einer Doppelinfektion von Grippe und Covid-19 das Coronavirus besonders leicht weitergeben. Als wahrscheinlicher sehen es die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jedoch an, dass Grippeviren die Anfälligkeit für eine Infektion mit dem Coronavirus erhöhen.

Corona-Studie: Schnupfen könnte überraschenden Effekt auf das Virus haben

Dieser Verdacht wird auch von anderen Corona-Studien untermauert. So zeigte sich in Laborexperimenten, dass Grippe-Viren die vermehrte Herstellung von bestimmten Rezeptoren auf der Zelloberfläche anstoßen. Es handelt sich dabei ausgerechnet um Rezeptoren, an die auch das Coronavirus andockt, um ins Innere zu gelangen und die Zelle zu „kapern“. Das Forscherteam sieht es deshalb als wichtig an, sich dieses Jahr gegen die Grippe impfen zu lassen; eine Empfehlung, die von vielen Expertinnen und Experten geteilt wird.

Während die Grippe als Corona-Verstärker zu wirken scheint, könnte ein harmloserer Verwandter das Gegenteil bewirken. Gemeint ist der Schnupfen. Unangenehm und lästig, hat er offenbar doch auch seine guten Seiten. So vermutet ein amerikanisches Forscherteam der Yale University, dass Rhinoviren – die Verursacher triefender Nasen – ein Grund dafür sind, dass die Grippesaison nicht bereits im Herbst, sondern erst im Winter beginnt. Im Labor analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rund 13 000 Proben aus drei Grippesaisons ab 2016 und stellten fest, dass Influenzaviren zu 84 Prozent seltener nachgewiesen wurde, wenn gleichzeitig der Schnupfen grassierte. Das könnte laut einem Bericht im Ärzteblatt in diesem Herbst „auch die Erkrankungszahlen an Covid-19 beeinflussen“. So könnte die in den nächsten Monaten zu erwartete Schnupfen-Epidemie „im Prinzip dabei helfen, das Sars-CoV-2-Virus zurückzudrängen“.

Corona und die Grippe: Schnupfen könnte sich auf Verbreitung der Schweinegrippe ausgewirkt haben

Ob der von den Kolleginnen und Kollegen vermutete negative Effekt der Grippe auf die Corona-Pandemie damit ausgeglichen werden kann?

Hintergrund für die Annahme der segensreichen Wirkung des Schnupfens: In Laborexperimenten stellte das US-Forscherteam fest, dass Atemwegszellen die Bildung von Interferon aktivieren, wenn sie mit Rhinoviren infiziert wurden. Interferone sind Proteine, die in Zellen als Reaktion auf eine Virusinfektion oder eine Tumorerkrankung gebildet werden können und Abwehraktionen auslösen. Einige Forscher vermuten, dass eine durch den Schnupfen hervorgerufene Interferonbildung 2009 dafür sorgte, dass die Schweinegrippe in Europa relativ mild verlief. (Von Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © PantherMedia / macniak

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare