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Schützen Grippe-Viren vor Corona-Infektion? Neue Studie gibt Hinweise

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Von: Karolin Schäfer

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Eine Intensiv-Pflegerin versorgt einen schwer an Covid-19 erkrankten Patienten auf der Intensivstation. Eine Studie aus den USA hat die Co-Infektion mit Grippe und Corona untersucht.
Eine Intensiv-Pflegerin versorgt einen schwer an Covid-19 erkrankten Patienten auf der Intensivstation. Eine Studie aus den USA hat die Co-Infektion mit Grippe und Corona untersucht. © Boris Roessler/dpa

Eine Studie aus den USA deutet an, dass eine Grippe-Infektion die Ausbreitung von Corona-Viren ausbremst. Forschende zweifeln allerdings.

New York – Sowohl Sars-CoV-2 als auch das Influenza-A-Virus (IAV) sind ansteckende und über die Luft übertragbare Krankheitserreger. Da beide Viren die Atemwege befallen, haben Forschende des Department of Microbiology an der New York University (USA) die Ähnlichkeit der Erreger erkannt und Co-Infektionen an Hamstern untersucht.

Besonders zu Beginn der Pandemie traten Infektionen mit dem Corona-Virus bei einigen Menschen in zeitlichem Zusammenhang mit einer Grippe-Infektion auf. Den Forschenden zufolge wurden dabei Fälle von Doppelinfektionen dokumentiert, die zu einer „erheblichen“ Häufung und Sterblichkeit führten.

Infektion mit Corona und Grippe: Studie aus den USA liefert neue Erkenntnisse

Um die Auswirkungen der zeitgleichen Infektionen zu untersuchen, wurden Zellen „mit jedem Virus einzeln oder mit beiden gleichzeitig infiziert“, schrieben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrem Forschungsbericht im Journal of Virology. Das Ergebnis: Die Infektion vom Lungengewebe bei Hamstern verlangsamte die Ausbreitung der Corona-Viren. Die Ausbreitung wurde auch dann noch ausgebremst, als die Ansteckung mit Corona drei Tage nach der Infektion mit Grippe-Viren erfolgte.

Kann eine Grippe-Infektion also vor Corona schützen? Ob dieser Effekt auch eine Rolle bei der Schwere der Erkrankung spielt, konnten die Forschenden nicht herausfinden. Zudem wiesen sie darauf hin, dass eine Co-Infektion bei Mäusen zu einem schwereren Verlauf sowie zu einer höheren Corona-Viruslast in der Lunge und Nasenmuschel führte.

Darin ähneln sich Sars-CoV-2- und Influenza-A-Viren:

Infektion mit Corona und Grippe: Höhere Sterblichkeit

Eine andere Studie aus dem Vereinigten Königreich zeigte, dass eine Co-Infektion mit Corona und Grippe eher zu einer höheren Sterblichkeitsrate führte. Zudem erhöhte eine Doppelinfektion im Vergleich zu einer Einzelinfektion die Wahrscheinlichkeit beatmet zu werden.

„Menschen sind keine Hamster“, erklärte Stephan Becker, Leiter der Virologie an der Marburger Uniklinik, gegenüber mdr.de. Zumal in der US-Studie einerseits nicht die derzeit dominierende Omikron-Variante und andererseits ein Grippevirus aus dem Jahr 2009 verwendet wurden. Dennoch liefere die Untersuchung „gute Daten“, so Becker. „Die Grippe versetzt den Organismus des Hamsters quasi in einen antiviralen Status, bei dem nach der Infektion Interferon-stimulierte Gene hochreguliert werden. Für diesen antiviralen Status braucht es noch keine Antikörper“, informierte der Virologe.

Allerdings hätten die Hamster keine Immunität gegen Corona oder Grippe während der Versuche. Bei Menschen sei das mittlerweile anders. „Der erwachsene Mensch hat aber bereits jahrzehntelange Erfahrung mit Influenzaviren“, erklärte Ortwin Adams, Leiter der Virusdiagnostik an der Düsseldorfer Uniklinik, dem mdr.de. Gegen Covid-19 ist ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland inzwischen geimpft, derzeit wird sogar über den zweiten Corona-Booster diskutiert. (kas)

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