Influenza

Grippeimpfung für alle Kinder? Widersprüchliche Empfehlungen machen Eltern ratlos

  • Sabine Hamacher
    vonSabine Hamacher
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Die Empfehlungen zur Grippeimpfung während der Corona-Pandemie widersprechen sich: Brauchen alle Kinder dieses Jahr einen Influenza-Schutz?

  • Herbstzeit bedeutet auch Grippe-Zeit.
  • Ist es nötig, dieses Jahr auch Kinder gegen Influenza zu impfen?
  • Die Meinungen zur Grippeimpfung während der Corona-Pandemie gehen auseinander.

Frankfurt – Widersprüchliche Aussagen gehören seit Beginn der Corona-Krise zum Alltag: Wer einer Handlungsempfehlung guten Glaubens folgen will, sieht diese nicht selten von anderer Seite infrage gestellt. In einer solch irritierenden Situation finden sich nun Mütter und Väter wieder, die ihre Kinder gegen Grippe impfen lassen wollen und meinen, damit auch der Allgemeinheit einen Dienst zu leisten. Ihnen kann es passieren, dass Ärztin oder Arzt sich weigern, die Kinder zu impfen. Denn: Der Impfstoff reiche sonst womöglich nicht für alle, die ihn dringend benötigten.

Experte rät zur Grippeimpfung bei Kindern während Corona

Woher die Verwirrung? Ende August hatte Johannes Hübner in einem viel beachteten Interview mit der „Welt am Sonntag“ dafür geworben, in diesem Jahr möglichst viele Kinder gegen das Influenza-Virus zu impfen. Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädriatische Infektiologie (DGPI) sagte: „Wir wissen, dass Kinder den Influenza-Virus maßgeblich übertragen.“ Jedes Jahr müssten im Winter an Grippe erkrankte Kinder in Kliniken versorgt werden, teils mit Sauerstoff. Deshalb gebe es, abgesehen von den Risiken für die Gesundheit der Kinder, in Zeiten von Corona eine gesellschaftliche Verpflichtung zum Schutz anderer.

Ist in der Corona-Pandemie wirklich genug Grippeimpfstoff für alle da?

Seine Auffassung teilen zahlreiche Kinderärzte- und ärztinnen, wie eine Zufallsrecherche im Netz ergibt. So schreibt etwa eine Praxis in Kelheim auf ihrer Webseite, über die Impfung von Kindern mit Vorerkrankungen und deren Angehörigen hinaus „sollten alle Eltern/Kinder in diesem Jahr eine Grippeimpfung erwägen, da es im Rahmen der Coronapandemie besonders wichtig ist, schwerere Atemwegserkrankungen/ Krankenhausaufenthalte zu vermeiden“. Das geht konform mit der Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Berlin habe dieses Jahr zusätzlichen Grippeimpfstoff besorgt: „Jeder, der sich und seine Kinder impfen lassen will, sollte und kann das tun.“

Grippeimpfung während Corona: RKI empfiehlt Schutz nur chronisch Kranken und Älteren

Doch die Linie des Robert-Koch-Instituts hat sich auch angesichts von Covid-19 nicht geändert. So empfiehlt die Ständige Impfkommission die Grippe-Impfung weiterhin grundsätzlich nur Menschen ab 60 Jahren oder chronisch kranken Patientinnen und Patienten. Demnach sollten nur Kinder mit Vorerkrankungen gegen Influenza geimpft werden.

Ein Großteil der Mediziner:innen teilt diese Position. Auf dem Ärzte-Informationsportal DocCheck schreibt ein Pädiater: „Klar wäre es schön, wenn alle Kinder gegen Influenza geimpft werden. Sie sind Hauptvektoren und geben das Virus gerne an Risikogruppen wie Großeltern weiter.“ Er schränkt aber ein: „Bleiben wir realistisch: Wollten wir alle Kinder impfen, bliebe eventuell kein Impfstoff für die chronisch Kranken übrig.“

Dieselbe Haltung vertritt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Die Forderung von DGPI-Chef Hübner, alle Kinder zu impfen, nennt er auf Twitter „schwer umsetzbar, denn es mangelt an Impfstoffen für alle“. Es sollten bevorzugt Kinder geimpft werden, die aufgrund von Vorerkrankungen ein höheres Risiko für Komplikationen haben. Gemeint sind chronische Erkrankungen der Atmungsorgane wie Asthma, Erkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems und von Leber oder Niere, Diabetes, neurologische Krankheiten wie multiple Sklerose, HIV oder ein geschwächtes Immunsystem.

Letztlich sind also die Argumente für und wider Grippeimpfung im Fall von Kindern dieselben wie bei Erwachsenen, die Empfehlungen bleiben widersprüchlich. Es gilt, auf der Basis der Positionen und Fakten eine eigene Entscheidung zu treffen. (Sabine Hamacher)

Die von Corona ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 und die Grippe (Influenza) ähneln sich. Ein Überblick über Gemeinsamkeiten und Unterschiede. 

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