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Stecken sich die meisten Menschen auf einer Party mit dem Coronavirus an?
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Stecken sich die meisten Menschen auf einer Party mit dem Coronavirus an?

Studie

Digitale Corona-Forschung zum Mitmachen - Wo stecken sich die meisten Menschen an?

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Eine digitale Studie widmet sich unterbelichteten Aspekten durch eine breite Beteiligung aus der Bevölkerung.

Frankfurt – Wo stecken sich Menschen am häufigsten mit dem Coronavirus an? Ist es das private Umfeld, der eigene Haushalt, die Fahrt zur Arbeit in öffentlichen Verkehrsmitteln, die Party, der Konzertbesuch oder doch eher das Essen im Restaurant? Infizieren sich Ungeimpfte tatsächlich viel häufiger als Geimpfte? Wie oft kommt es zu Impfdurchbrüchen und unter welchen Umständen? Bietet 2G Sicherheit? Ab wann nimmt die Wirksamkeit der Impfung ab? Welche Gruppen haben das höchste Risiko, sich zu infizieren und zu erkranken? Verläuft eine Infektion bei Geimpften milder, wie es die Hersteller der Vakzine versprechen? Als wie verträglich empfinden Menschen die Impfstoffe, von welchen Reaktionen und Nebenwirkungen berichten sie? Wie hält es die Bevölkerung mit Abstandhalten und Maske-Tragen, wie oft wird im Durchschnitt eigentlich der Mund-Nasen-Schutz gewechselt? Und wie häufig lassen sich die Menschen testen oder testen sich selbst?

All diese Fragen sind zwei Jahre nach Beginn der Pandemie und knapp ein Jahr nach Start der weltweiten Impfkampagne nicht abschließend geklärt. Die im Sommer gestartete digitale Studie „eCOV“ der gemeinnützigen Organisation „Data4Life“ soll helfen, sie besser zu beantworten. Der Ansatz unterscheidet sich von dem vieler anderer Studien zum gleichen Thema: So wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Erkenntnisse durch „partizipative Forschung“ gewinnen. Denn teilnehmen an dieser Studie kann jede Frau und jeder Mann ab einem Alter von 16 Jahren.

Corona-Virus: Neue Studie untersucht 24 Monate lang alle Altersgruppen

Ziel ist eine möglichst breite Beteiligung vieler Menschen, quer durch alle Altersgruppen und unabhängig davon, ob jemand geimpft, genesen oder ungeimpft ist, wie Studienleiter Cornelius Remschmidt sagt. Der Epidemiologe und Internist ist der leitende Mediziner bei Data4Life, er hat vorher im Krankenhaus gearbeitet, unter anderem an der Charité, war am Robert-Koch-Institut und dort fünf Jahre lang für die Ständige Impfkommission tätig. Geplant ist es, für „eCOV“ 24 Monate lang Daten zu sammeln und die Ergebnisse dann in einem Fachmagazin zu veröffentlichen.

Remschmidt erhofft sich von der Studie Erkenntnisse, die über das hinausgehen, was man durch andere Studien oder mit Blick auf die Impfstoffe auch durch Studien der Hersteller weiß. Denn Studien beleuchten oft nicht alle Aspekte einer Forschungsfrage. „Bei den für die Impfstoffe notwendigen und nach strengen Kriterien durchgeführte Zulassungsstudien können nicht immer alle Personengruppen in ausreichender Zahl eingeschlossen werden, wie zum Beispiel ältere Menschen, Schwangere oder Menschen mit bestimmten chronischen Vorerkrankungen. Und auch die Studiendauer ist in der Regel limitiert“, erläutert Cornelius Remschmidt. Hier könnten epidemiologische Studien helfen, um beispielsweise besser zu verstehen, wie Impfstoffe tatsächlich im echten Leben wirken, „im Alltag, wo sich die Menschen anders verhalten als wenn sie wissen, dass sie Probandinnen und Probanden einer klinischen Studie sind“.

Studie will möglichst viele Menschen einschließen, um: „einen Beitrag zur Ergebnisgewinnung leisten“

Wie funktioniert die Teilnahme? Wer mitmachen will, sollte regelmäßig am PC, Handy oder Laptop – also auf jeden Fall digital – Fragebögen beantworten. Die Daten werden pseudonymisiert gespeichert und übermittelt, Rückschlüsse auf die konkrete Person dahinter seien nicht möglich, versichert Remschmidt.

Bis jetzt machen mehr als 6000 Menschen mit, 3000 sei die Mindestzahl gewesen, die Wunschzahl sind 10 000: „Aber wenn wir auf 7000 kommen, wäre das für eine solche Studie schon toll “, sagt der Studienleiter. „Es ist ein altruistischer Ansatz. Jeder und jede Einzelne kann auf diese Weise einen Beitrag zum Erkenntnisgewinn leisten.“

78 Prozent der Studien-Teilnehmer sind gegen Corona geimpft – Ungeimpfte werden gesucht

Die Haupthürde sei es, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über einen gewissen Zeitraum bei der Stange bleiben und regelmäßig einmal in der Woche Auskunft geben. Auch sei es generell schwierig, Menschen über 70 mit einer digitalen Studie anzusprechen, erklärt Remschmidt – der deshalb auch noch einmal an diese Altersgruppe appelliert, mitzumachen.

Aktuell seien 78 Prozent der Teilnehmenden geimpft, das liegt über der derzeitigen Impfquote in Deutschland. Remschmidt wirbt aber auch bei Ungeimpften darum, sich zu beteiligen. „Durch den Vergleich der Infektionsrate bei Geimpften und Ungeimpften kann letztlich die Wirksamkeit der Impfung abgeleitet und die Akzeptanz in der Bevölkerung verbessert werden.“

Corona-Studie – Epidemiologe zuversichtlich: „Das hat dort sehr gut funktioniert“

Wie belastbar sind die bei einer solchen digitalen Befragung erhobenen Daten? Besteht nicht die Gefahr, dass unter dem Schutz der Anonymität jemand mit einer bestimmten Einstellung – beispielsweise zum Impfen – seine Antworten so darauf abstimmt, dass es „passt“? „Das ist bei der Selbstrekrutierung von Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die wir nicht persönlich sehen, natürlich eine Herausforderung“, räumt Remschmidt ein. „Jedoch können wir durch die Konzeption unserer Fragen unplausible Antworten reduzieren.“ Zudem gleiche man später bei der Auswertung ab, ob der Tenor in etwa mit dem übereinstimmt, was sich auf Basis anderer Studien erwarten ließe; auch das liefere einen Anhaltspunkt.

Der Epidemiologe ist auch wegen seiner früheren Erfahrungen mit einem digitalen Projekt zur Grippe optimistisch, an dessen Aufbau er am Robert Koch-Institut beteiligt war: „Das hat dort sehr gut funktioniert.“

Unterstudie zu 2G-plus Veranstaltungen – Forscher berichten von wenigen Corona-Infektionen

Ein Teil der Studie, eine Art Unterstudie, beschäftigt sich mit den mehr als 2000 Besucherinnen und Besuchern einer Veranstaltung, die im September unter freiem Himmel unter 2G-plus-Bedingungen stattfand. Hierzu liegen bereits erste Ergebnisse vor: „Von diesem Sportfestival wurden uns nur wenige Infektionen berichtet. Nach Abschluss der Analyse erhoffen wir uns Aussagen darüber, wie groß das Infektionsrisiko bei diesem Freiluftfestival war und ob die Ergebnisse auf andere Großveranstaltungen übertragen werden können, wenn alle geimpft, genesen und zusätzlich noch getestet sind.“ (Pamela Dörhöfer)

Weitere Informationen zur Studie: data4life.care/de/was-wir-machen/individuen-und-familien/studien/ecov

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