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Corona: Was Endemie bedeutet – und wie sie entstehen kann

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Von: Lukas Rogalla

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Forschende streiten darüber, ob die Omikron-Welle für das Ende der Corona-Pandemie und den Eintritt der Endemie sorgen wird. Doch was bedeutet das genau?

Frankfurt – Viele Virologinnen und Virologen gehen davon aus, dass das Coronavirus bald endemisch wird. Spätestens mit der rasanten Ausbreitung der hochansteckenden Omikron-Variante ist das Wort Endemie zunehmend präsent geworden, wenn es um neue Einschätzungen und Prognosen in der Corona-Krise geht.

Die Einstufung Pandemie oder Endemie entscheidet auch darüber, wie strikt die Corona-Maßnahmen in Deutschland ausfallen. Doch eine Endemie würde vor allem bedeuten, dass man mit Corona leben muss.

Corona: Unterschied zwischen Endemie und Pandemie

Von einer Pandemie spricht man, wenn eine Krankheit nicht nur in einer Region in einem begrenzten Zeitraum ungewöhnlich häufig vorkommt, sondern sich über Grenzen eines bestimmten Landes hinaus oder weltweit ausbreitet. Ob eine Pandemie auch als solche eingestuft wird, entscheidet die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Von Endemie spricht man in der Medizin hingegen, wenn die Krankheit fortwährend auftritt. Die Krankheit, in diesem Fall Covid-19, verschwindet also nicht mehr. Sie kann immer wieder kommen, wie zum Beispiel auch die Influenza (auch echte Grippe genannt). Eine Endemie beschreibt das zeitlich und örtlich begrenzte Auftreten der Erkrankung – meist innerhalb einer bestimmten Region oder Personengruppe. Dass die Krankheit dort dauerhaft in erhöhtem Maße auftritt, ist entscheidend.

Ein 3D-Modell des Coronavirus
Virologinnen und Virologen gehen davon aus, dass das Coronavirus bald endemisch wird. Doch wird uns die Omikron-Welle in die Endemie führen? (Symbolbild) © YAY IMages/Imago

Corona: Wie wird die Pandemie zur Endemie?

Da Corona-Impfstoffe vielerorts verfügbar sind und sich immer mehr Menschen impfen lassen, doch auch weil sich viele bereits mit dem Coronavirus infiziert haben, könnte die Pandemie bald zu einer Endemie heruntergestuft werden, glauben viele Forschende. Menschen würden sich in einer Endemie weiterhin mit dem Coronavirus infizieren, doch die allermeisten werden einen Schutz durch die Impfung haben oder bereits mit dem Virus in Kontakt gekommen sein. Zudem würden Ausbrüche vor allem lokal stattfinden. Die Zahl der Infektionen beziehungsweise Krankheitsfälle in einer bestimmten Region ist dann ungefähr gleichbleibend.

Ganz harmlos wäre das Coronavirus in der endemischen Phase nicht, aber für die Bevölkerung weniger gefährlich, erklärt die Virologin Isabella Eckerle von der Uniklinik Genf im ZDF. Als endemisch gilt heute beispielsweise die Krankheit Malaria – die 2020 etwa 600.000 Todesopfer gefordert hat.

Wann die Endemie eintreten wird, ist ungewiss. Doch „ganz ausrotten werden wir das Coronavirus auch mit sehr hohen Impfquoten nicht mehr“, sagte Impfstoffforscher Leif Erik Sander von der Charité in Berlin dem Tagesspiegel. Denn eine sterile Immunität, nach der bei Geimpften kein Risiko mehr besteht, jemanden mit dem Erreger anzustecken, ist durch die Corona-Impfung nicht zu erreichen, denn: Die Krankheitserreger vermehren sich fast ausschließlich in den Atemwegen. Im Gegensatz zu Corona habe man die Masern oder Pocken durch flächendeckende Impfungen ausrotten können.

Corona: Endemie durch Omikron-Variante? Fachleute zweifeln

Einige Fachleute äußern allerdings Zweifel daran, ob die Omikron-Variante des Coronavirus das Ende der Pandemie und den Beginn der Endemie einläutet. Man wisse nicht, was für Varianten noch kommen, die die Immunität möglicherweise umgehen und darüber hinaus zu schweren Verläufen führen könnten, sagte der Epidemiologe Gérard Krause den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die „Teilimmunität“, die viele Menschen durch eine Corona-Impfung oder -Infektion aufgebaut haben, schütze nicht gleich gut vor jeder Variante.

Auch eine Art „Super-Mutation“, zum Beispiel aus Omikron sowie der Delta-Variante, sei denkbar, sagte Virologe Christian Drosten. Und der Epidemiologe Hajo Zeeb erklärte im Gespräch mit dem Kurier: „Neue Varianten können leider immer wieder zu einer neuen pandemischen Welle führen.“ Eine Immunität in der Bevölkerung sei umso wichtiger, damit solche stark mutierten Varianten nicht erst entstehen. (lrg)

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