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Corona-Infektion bei Diabetikern: Schwerwiegende Folgen möglich

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Eine Infektion mit Corona ist für Diabetes-Erkrankte besonders gefährlich. Vor allem vor einem Typ der Zuckerkrankheit warnt die Forschung.

  • Diabetiker:innen sind einem erhöhten Risiko, einen schweren Covid-19-Verlauf zu haben, ausgesetzt.
  • Viele Betroffene leben im Unklaren: Damit wird Corona zur Gefahr.
  • Wissenschaftler:innen warnen nun vor den Folgen und fordern geeignete Maßnahmen.

Frankfurt - Für Diabetiker:innen kann eine Corona-Infektion schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Insbesondere eine Gruppe an Patient:innen steht dabei im Fokus: Diabetiker:innen mit Vorerkrankungen sind einem höheren Risiko eines schweren Verlaufes von Covid-19 ausgesetzt. Forschende nennen Herz-Kreislauf und Gefäßerkrankungen als Faktoren.

„Bei einer Covid-Infektion kommt es zu einer Entzündungsreaktion im ganzen Körper. Dadurch können noch zusätzliche Gefäßschäden entstehen. Auch das Risiko für Gefäßverschlüsse und Gerinnselbildung wird erhöht“, erklärt Baptist Gallwitz, Sprecher der „Deutschen Diabetes Gesellschaft“ gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Vor allem Menschen, die an Diabetes Typ 2 leiden, können von Gefäßreaktionen betroffen sein. „Typ-2-Diabetes trifft viele Menschen oft wie aus dem Nichts. Neben Übergewicht, Bewegungsmangel und ungesunder Ernährung als Risikofaktoren kann Typ-2-Diabetes auch eine genetische Komponente haben“, sagt Heidrun Thais, Leiterin der „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“.

Corona-Risiko für Diabetiker:innen: Forschende warnen vor Vorerkrankungen

Allerdings seien nicht alle Diabetiker:innen automatisch Corona-Risikopatienten, betont Gallwitz: „Man kann nicht alle Diabetes-Patienten über einen Kamm scheren. Vor allem bei jungen Menschen mit Typ-1-Diabetes, die mit ihrer Insulintherapie eine normnahe Einstellung erreichen und die noch keine Folgeerkrankungen haben, ist kein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Corona-Infektion gegeben.“ Die „DDG“ geht gegenwärtig von rund sieben Millionen Diabetiker:innen in Deutschland aus - Tendenz steigend. Bis zum Jahr 2040 rechnen die Gesundheitsexperten mit zwölf Millionen Patienten.

Eine Corona-Infektion kann schwerwiegende gesundheitliche Probleme für Diabetes-Erkrankte mit sich bringen. (Symbolfoto)

Als problematisch stufen die Diabetes-Forschende den Fakt ein, dass ein nicht geringer Prozentsatz der Diabetiker:innen in Deutschland im Unklaren bezüglich ihrer Erkrankung leben - sprich: meist ohne Symptome. Von rund zwei Millionen Patienten:innen sprechen die Expert:innen. Infizieren sie sich mit dem Coronavirus, kann die Ansteckung zur immensen Gefahr werden. „Wenn der Stoffwechsel nicht gut unter Kontrolle ist und die Blutzuckerwerte deutlich über der Norm liegen, ist das Immunsystem geschwächt“, so Gallwitz weiter. Lungenentzündungen oder zusätzliche bakterielle Infektionen können die Folge sein. Für die Risikogruppen hat die „Deutsche Diabetes Gesellschaft“ mittlerweile Handlungsempfehlungen veröffentlicht: Insbesondere älteren Patienten wird demnach nahegelegt, sich neben einem Corona- aus einem Diabetes-Test zu unterziehen.

Insbesondere der Blutzuckerwert sollte dabei beobachtet werden. Fällt dieser, kann das Immunsystem anfälliger für Viren sein. Eine entsprechende Diabetes-Therapie müsse im Fall einer Corona-Infektion angepasst werden, betont Gallwitz. In der Regel müsse über Tabletten als medikamentöse Behandlung gesprochen und gegebenenfalls auf eine andere Form der Therapie gewechselt werden, erklärt er der dpa weiter. Eine Diabetes-Studie hat untersucht, welche Frucht sinkenden Blutzuckerwerten am besten entgegenwirken kann*.

Corona-Pandemie: Expert:innen warnen davor, nicht zum Arzt zu gehen

Die „DDG“ schließt sich zahlreichen Expert:innen aus anderen Bereichen der Wissenschaft an und appelliert an Betroffene ihre Arzttermine wahrzunehmen - trotz der Corona-Pandemie. „Viele Patienten haben ihre normalen Kontrolltermine bei Hausärzten, Diabetologen oder in den Diabetesambulanzen nicht wahrgenommen, aus Sorge, sich anzustecken“, betont Gallwitz.

Ähnlich schätzt das „Deutsche Krebsforschungszentrum“ die Lage ein. „Aus Furcht vor einer Ansteckung zu Hause zu bleiben und im Falle einer ernsthaften Erkrankung dadurch eventuell wertvolle Zeit zu verlieren – davon ist dringend abzuraten“, betont Susanne Weg-Remers, Leiterin des Forschungszentrums.

„Niemand sollte im Notfall aus Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus auf die dringend notwendige medizinische Hilfe in einem Krankenhaus verzichten“, warnte Claudia Schmidtke, Patientenbeauftragte der Bundesregierung, bereits zu Beginn der Pandemie im April 2020. (Tobias Utz) *merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Jana Bauch/dpa

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