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Maßnahmen in der Corona-Pandemie

Schulschließungen sinnvoll? Gespaltene Forschung befeuert politische Debatte neu

  • Tobias Utz
    vonTobias Utz
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Sollten Schulen in der Pandemie geschlossen werden? Die politische Diskussion wird durch eine gespaltene Wissenschaft befeuert.

  • Erneut wird über Schulschließungen als Corona-Maßnahme diskutiert. Die hohen Infektionszahlen entfachen die Debatte neu.
  • Kanzlerin Angela Merkel bat die Länderchefs um einen vorgezogenen Beginn der Weihnachtsferien.
  • Die Forschung ist gespalten, wie infektiös Kinder sind. Verschiedene Studien kommen zu extrem unterschiedlichen Ergebnissen.

Frankfurt - Sollten die Schulen als Maßnahme gegen das kursierende Coronavirus geschlossen werden? Diese Frage begleitet Deutschland seit Beginn der Pandemie im März 2020. Angekommen im Dezember 2020, fordert die nationale Akademie der Wissenschaften „Leopoldina“ flächendeckende Schulschließungen und verweist auf die anhaltend hohen Infektionszahlen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahm dies auf und bat die Ministerpräsident:innen der Länder darum, die Weihnachtsferien vorzuziehen. Sachsen folgte Merkels Bitte: Ab Montag (14.12.2020) sind die Schulen dort geschlossen. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) kommentierte den Schritt wie folgt: „Wir haben es versucht mit milderen Mitteln und sehen, dass diese Instrumente nicht greifen.“

Sachsens Vorpreschen entfacht die Diskussion um Wechsel- und Präsenzunterricht neu. Seit geraumer Zeit üben Lehrergewerkschaften Druck auf die Kultuspolitik aus und fordern, vom Festhalten am Präsenzunterricht abzurücken. In Hotspots ist das längst der Fall, der Wechselunterricht wurde dort eingeführt. Eine flächendeckende Lösung wird jedoch kritisch beäugt, die Teilhabe an Bildung sei gefährdet, heißt es. Die Aussage: „Die Schulen sind nicht die Treiber der Corona-Pandemie“ ist regelmäßig zu vernehmen. Das entspricht der Haltung der Weltgesundheitsorganisation „WHO“. In einem Statement betont die Organisation: Schulschließungen sollten „das letzte Mittel“ sein.

Schulschließungen als Corona-Maßnahme: Die Wissenschaft ist gespalten

Mitten in die Diskussion platzt eine Studie des „Instituts für Technologie“, die behauptet: Schulschließungen haben einen „signifikanten Effekt“ auf die Corona-Fallzahlen. „Hätten wir im Frühjahr in Deutschland einen Tag länger gewartet, bis wir die Schulen schließen, hätte dies laut unseren Analysen 125.000 zusätzliche Infektionen bedeutet, die Schließung sieben Tage später sogar 400.000 zusätzliche Fälle“, betont Niklas Kühl, einer der Studienautoren.

Die Schließungen der Schulen hätten eine Trendwende herbeigeführt, so die Forschenden. „Unsere Analyse zeigt, wie wichtig eine rechtzeitige Reaktion auf die Ausbreitung der Pandemie ist, um die aktiven Fälle auf einem überschaubaren Niveau zu halten“, betonen sie und verweisen darauf, dass es im Durchschnitt zwei Wochen dauere, bis Maßnahmen ihre Wirkung entfalten.

Coronavirus-Infektionen: Wie gefährdet sind Kinder?

Welche Rolle Kinder im Infektionsgeschehen spielen, beschäftigt Wissenschaftler:innen weltweit. Die Studien zeigen teils extrem unterschiedliche Ergebnisse. Beispielsweise ergab eine große Auswertung von Datensätzen der Princeton University, dass Kinder sehr ansteckend sind. Dabei auffällig: Offenbar gilt das vor allem für die eigene Altersgruppe - sprich: Kinder infizieren Kinder. Eine Studie britischer Forscher:innen kommt jedoch zu einem gegenteiligen Ergebnis. Demnach infizieren sich Kinder eher selten.

Eine Untersuchung des „Helmholtz-Zentrums“ wirft hingegen den Aspekt von Antikörpern im Blut der Kinder auf, um sich dem Thema Infektiösität zu nähern. Die Studie zeigt, dass die analysierten Kinder deutlich häufiger Antikörper im Blut aufwiesen, als zuvor durch die Anzahl der registrierten Corona-Infektionen angenommen. Die Wissenschaftler:innen lassen offen, woran das liegt: Einerseits ist eine hohe Dunkelziffer möglich, andererseits können auch sich kreuzende Reaktionen verschiedener Coronaviren dafür verantwortlich sein.

Ein britisches Forscherteam liefert eine Erklärung dafür, die sie aus einer Untersuchung gewannen. Demnach könnten Kinder durch früheren Kontakt mit harmloseren Coronaviren als Sars-CoV-2 bereits Antikörper gebildet haben. Auf diese Weise könnte erklärt werden, weshalb das Eindringen der aggressiveren Coronaviren verhindert werden konnte.

Bezüglich ihrer Einschätzung, dass Schulen keine Treiber der Corona-Pandemie seien, ergänzt die „WHO“, dass weitere Analysen zur Infektiösität von Kindern nötig seien, um abschließende Aussagen zu formulieren. In einer Zusammenfassung heißt es, dass die Rolle der Kinder im Infektionsgeschehen von Bedeutung sei, insbesondere, weil die Infektion oftmals ohne Corona-Symptome verlaufe.

Die Debatte um Schließungen der Schulen in der Corona-Pandemie ist neu entfacht. (Symbolfoto)

Das „Robert Koch-Institut“ legt sich auf diesem Gebiet fest. In den Empfehlungen des „RKI“ heißt es, dass Kinder seltener als Erwachsene von Corona-Infektionen betroffen seien. Bezüglich der politischen Debatte um Schulschließungen betont „RKI“-Chef Lothar Wieler jedoch, dass es in Schulen „selbstverständlich“ zu Infektionen käme. Schließlich seien Schulen momentan der einzige Ort in Deutschland, wo viele Menschen Zeit auf engem Raum miteinander verbringen würden, so Wieler. Allerdings sei die Infektionsquelle oft unklar, betonte er. (Tobias Utz)

Rubriklistenbild: © Fred Scheiber/AFP

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