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Corona Pandemie

Gefährdet die Delta-Variante das Ziel der Herdenimmunität?

  • VonJan Lucas Frenger
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Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich weiter aus. Doch was heißt das für die angestrebte Herdenimmunität in Deutschland?

Berlin – In Großbritannien ist sie bereits auf dem Vormarsch, sorgte jüngst für die Verschiebung der endgültigen Lockerung der Corona-Regeln* und auch in Deutschland kommt sie mittlerweile immer häufiger vor: die Delta-Variante. Die zuerst in Indien entdeckte Mutation des Coronavirus* gilt derzeit auch hierzulande als größte Bedrohung für den Pandemie-Fortschritt.

Experten sprachen jüngst von einer Art Impf-Wettlauf gegen die Variante*. Doch wie wirkt sich die rasche Verbreitung der Mutante auf die in Deutschland angestrebte Herdenimmunität aus – und stellt Delta sogar eine Gefährdung für die ambitionierten Pläne dar? Verschiedene Experten warnen nun davor, dass die Ziele womöglich nicht mehr ganz so einfach zu erreichen sind.

Doch was bedeutet der Begriff Herdenimmunität überhaupt? In der Regel ist damit gemeint, dass in Deutschland genug Menschen gegen das Coronavirus geimpft und damit immun sind – dadurch soll künftig auch die weitere Verbreitung des Virus verringert werden. Die allgemeine Vorstellung ist, dass die restlichen Menschen, die aus bestimmten Gründen noch keine Impfung erhalten haben, durch die hohe Immunisierung der Bevölkerung dann ein niedrigeres Risiko haben, sich mit dem Coronavirus zu infizieren.

Herdenimmunität für Corona in Deutschland: Vollständige Ausrottung unwahrscheinlich

Doch wie realistisch ist diese Wunschvorstellung wirklich? Das mit Einsetzen der Herdenimmunität plötzlich auch die Corona-Pandemie endet, ist Experten nach sehr unwahrscheinlich. Dem Schweizer Online-Magazin „Republik“ sagte der Charité-Virologe Christian Drosten* Anfang Juni: „Das war von Anfang an ein Missverständnis, wenn man das so aufgefasst hat, dass Herdenimmunität bedeutet: 70 Prozent werden immun - egal jetzt, ob durch Impfung oder Infektion -, und die restlichen 30 Prozent werden ab dann keinen Kontakt mehr mit dem Virus haben.“ Eine vollständige Ausrottung des Coronavirus gilt daher als äußerst unwahrscheinlich.

Corona-Experten bezifferten die Anzahl der für eine Herdenimmunität benötigten durchgeimpften Personen seit Frühjahr 2020 auf knapp zwei Drittel der gesamten deutschen Bevölkerung. Dieser Rechnung lag demnach die Annahme zugrunde, dass ein Infizierter im Schnitt drei Menschen ansteckt, bevor weitere Maßnahmen ergriffen werden.

Corona in Deutschland: Delta-Variante erhöht benötigte Anzahl an Geimpften für Herdenimmunität

Doch dann kamen die Virusvarianten: Infizierte mit der hierzulande vorherrschenden Alpha-Variante des Coronavirus stecken im Schnitt mehr Menschen an als Infizierte mit Vorgängervarianten. Daher spricht der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, mittlerweile von einem Ziel von über 80 Prozent Geimpften und Genesenen, um künftig auf Maßnahmen und Corona-Regeln verzichten zu können.

Die Delta-Variante des Coronavirus ist in Großbritannien auf dem Vormarsch: Das RKI hat nun einen aktuellen Bericht zu der Mutante veröffentlicht und ein Experte zeichnet ein düsteres Bild für Deutschland.

Jetzt steht mit der Delta-Variante in Deutschland eine wohl noch ansteckendere Mutante des Coronavirus* vor der Tür. Damit dürfte sich das Bild noch mal ordentlich ändern. „Delta ist noch ein Stück ansteckender als die derzeit vorherrschende Virusvariante Alpha. Anhand der bisherigen, noch unsicheren Daten bräuchte man wohl rund 85 Prozent immune Menschen in der Bevölkerung, um die Ungeimpften indirekt zu schützen. Es kann sein, dass Herdenimmunität nur für einzelne Einrichtungen wie Pflegeheime erreicht werden kann, aber nicht für das Gros der Bevölkerung“, erklärt Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie.

Nach Einschätzung des Immunologen wäre aber auch das Erreichen einer Impfquote von 60 bis 70 Prozent in der Bevölkerung schon eine große Hilfe für die Pandemiebekämpfung.

Herdenimmunität in Deutschland: „Auch dann wird es noch Corona-Infektionen geben“

Auch wenn die angestrebte Immunisierung der breiten Masse gelinge, wäre die Pandemie laut den Experten wohl noch lange nicht vorbei. „Auch dann wird es noch Infektionen geben, auch dann wird es Ausbrüche geben, aber es ist davon auszugehen, dass bei einer Immunität von weit über 80 Prozent schwere Verläufe und Todesfälle zum großen Teil verhindert werden“, erklärte eine RKI-Sprecherin. Lothar Wieler mahnte: Wer sich gegen eine Impfung entscheide, der werde sich früher oder später anstecken.

Zumindest die Ausbreitung des Coronavirus ließe sich laut Experten mit einer hohen Impfquote künftig besser einschränken und auch Lockdown-Maßnahmen seien dann aller Voraussicht nach, nicht mehr notwendig. Wie aus einem WHO-Papier hervorgeht, wird bereits ab einer Impfquote von 50 Prozent damit gerechnet, dass bis zu 40 Prozent der Ansteckungen sowie 60 bis 70 Prozent der Krankenhaus- und Todesfälle reduziert werden können.

Delta-Variante als Gefahr für Herdenimmunität: „Jeder vollständig Geimpfte ist auch vor Delta geschützt“

Stellt die Delta-Variante des Coronavirus nun also wirklich eine Gefahr für die erhoffte Herdenimmunität dar? „Die gute Nachricht ist: Jeder, der vollständig geimpft ist, ist auch vor Delta geschützt“, erklärt Immunologe Carsten Watzl. Und auch andere Experten sind sich sicher: Der Weg zum Sieg gegen die Virusvariante führt über die Impfungen. „Je höher die Impfquote ist, desto langsamer zirkuliert das Virus - und desto weniger Mutationen kann es bilden“, sagte die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Christine Falk, gegenüber der Zeitung Die Welt.

Weitere gute Nachrichten: Bisher sind keine Corona-Varianten bekannt, die die vorhandenen Impfstoffe nutzlos machen. Beobachtet wird allerdings eine Abschwächung des Schutzes. An Auffrischungsimpfungen, die auch die unterschiedlichen Mutationen besser abdecken, wird schon gearbeitet.

Ein Katz- und Maus-Spiel mit immer neuen, stark veränderten Varianten wird derzeit eher nicht erwartet. Bisher scheinen sich international oft dieselben Veränderungen auszubilden. "Also eine Mutante, die auf einmal wieder eine schwere Krankheit macht bei der Mehrheit der Geimpften, das kann ich mir nicht vorstellen", sagte Drosten im Republik-Interview.

Corona-Pandemie in Deutschland: Wohl kein Dauerzustand

Die Corona-Pandemie in ihrer jetzigen Form wird den Prognosen nach wohl kein Dauerzustand bleiben. In den kommenden zwei bis vier Jahren seien laut Virologe Drosten zwar noch Übergangszustände zu erwarten – danach werde sich die Situation mit dem Coronavirus ähnlich wie mit den bekannten Erkältungsviren verhalten. (Jan Lucas Frenger mit dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Fotomontage: Christian Ohde/Imago

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