Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Makrophagen (große Zelle links), T-Zellen (rechts) und Zytokine sind Bestandteile des Immunsystems. Bei Covid-19 kann es aus dem Ruder laufen.
+
Makrophagen (große Zelle links), T-Zellen (rechts) und Zytokine sind Bestandteile des Immunsystems. Bei Covid-19 kann es aus dem Ruder laufen.

Coronavirus

Corona: Neue Entzündungshemmer sollen gegen Covid-19 helfen

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
    schließen

Ein Medikament, das zur Therapie von chronisch-entzündlichen Erkrankungen entwickelt wird, wirkt antiviral. Es könnte gegen Covid-19 eingesetzt werden.

  • Corona ist immer noch ein Thema und es werden Medikamente gesucht.
  • Ein Antikörper-Cocktail wurde in den USA zugelassen - auch Donald Trump bekam ihn.
  • Auch ein deutscher Entzündungshemmer könnte gegen Covid-19 helfen.

Frankfurt - Alle Welt verfolgt derzeit die Nachrichten zur Entwicklung von Impfstoffen gegen Sars-CoV-2. Bei der Suche nach einer Therapie der durch das Virus ausgelösten Erkrankung gab es hingegen noch keinen durchschlagenden Erfolg. Fast alle derzeit verfügbaren Medikamente wurden ursprünglich zur Behandlung anderer Krankheiten entwickelt. Eine Ausnahme sind Antikörper, die nach dem Vorbild natürlicher Antikörper aus dem Blut genesener Covid-19-Patient:innen hergestellt werden. Sie sollen das Virus gezielt binden und daran hindern, weitere Zellen zu befallen.

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat zwei solcher Antikörper-Präparate nun per Notfallverordnung zugelassen: Bamlanivimab (US-Pharmakonzern Lilly) und vor wenigen Tagen einen Cocktail der beiden Antikörper Casirivimab und Imdevimab (US-Hersteller Regeneron). Das Produkt von Lilly soll für Patient:innen mit leichten und mittelschweren Verläufen geeignet sein, für die es bislang nur wenige Behandlungsmöglichkeiten gab.

Corona: Neue Entzündungshemmer sollen Covid-19 bekämpfen

Der Antikörper-Cocktail von Regeneron hat Bekanntheit erlangt, weil US-Präsident Donald Trump damit behandelt wurde und später das Produkt angepriesen hatte. Das Präparat soll – zu einem möglichst frühen Zeitpunkt – vor allem zur Behandlung von Patient:innen eingesetzt werden, bei denen das Risiko besteht, dass sie im weiteren Verlauf schwer erkranken. Wer allerdings wegen Covid-19 bereits im Krankenhaus behandelt wird oder Sauerstoff benötigt, darf das Mittel nicht bekommen.

Der Antikörper-Cocktail richtet sich gegen zwei Regionen des Spike-Proteins auf der Oberfläche des Virus und soll es auf diese Weise am Eintritt in die Zelle hindern. Laut Mitteilung von Regeneron reduziert das Präparat die Virenmenge im Körper und führt dadurch zu einem schnelleren Abklingen der Beschwerden. Am stärksten soll die Wirkung in den klinischen Studien bei jenen Teilnehmer:innen ausgefallen sein, deren Immunsystem selbst noch keine Antikörper gegen das Coronavirus gebildet hatte.

Antikörper-Cocktail namens Aprotinin könnte gegen Corona und Sars-CoV-2 helfen

Wie der Antikörper-Cocktail soll auch eine Substanz namens Aprotinin das Kapern der Zelle durch Sars-CoV-2 verhindern. An diesem Wirkstoff forscht ein Team der Goethe-Universität Frankfurt, der Medizinischen Hochschule Hannover und der University of Kent. Auch Aprotinin richtet sich gegen das Spike-Protein – allerdings auf andere Weise als die Antikörper. Es hemmt Proteasen, zelleigene Enzyme, die es dem Spike-Protein erst ermöglichen, sich an Zellen zu heften. Das britisch-deutsche Forschungsteam unter der Leitung von Jindrich Cinatl vom Institut für Medizinische Virologie der Uniklinik Frankfurt berichtet, dass Aprotinin in Experimenten im Labor die Vermehrung der Viren in verschiedenen Zelltypen stoppen konnte.

Aprotinin-Sprays sind in Russland zur Behandlung von Grippe zugelassen, da auch Influenzaviren diese speziellen Enzyme benötigen, um in Wirtszellen einzudringen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Aprotinin in Konzentrationen gegen Sars-CoV-2 wirkt, die wir auch in Patienten erreichen können“, erklärt Jindrich Cinatl. Weil der Wirkstoff bei einer anderen Infektionskrankheit bereits eingesetzt werde, könne es als Covid-19-Behandlung „schnell an Patienten getestet werden“.

Ein 3D-Druck eines Corona-Spike-Proteins.

MP1032 von MetrioPharm wird aktuell getestet

Noch nicht zugelassen, aber ebenfalls zur Therapie anderer Krankheiten entwickelt wurde ein weiterer Wirkstoff-Kandidat. Es geht um eine Substanz mit dem etwas sperrigen Namen MP1032 des deutschen Pharmaunternehmens MetrioPharm, das sich auf Medikamente gegen chronische Entzündungskrankheiten wie Schuppenflechte oder Arthritis spezialisiert hat. Dort hat man diesen Wirkstoff entwickelt, um solche entzündlichen Krankheiten zu behandeln, und hat ihn mit dieser Indikation – nicht für Covid-19 – bereits in einer klinischen Phase-2-Studie getestet. In dieser Phase wird ein Wirkstoff erstmals an Patient:innen, die an der „Zielkrankheit“ leiden, erprobt.

Wie das Unternehmen mitteilt, soll MP1032 aber auch „herausragendes Potenzial“ als Therapeutikum gegen Covid-19 besitzen, weil es sowohl die Virusausbreitung stark hemmen als auch die Entzündungsreaktion im Verlauf einer Erkrankung abschwächen könne. Das wäre außergewöhnlich: Bislang zielen Medikamente gegen Covid-19 entweder vor allem darauf, die Vermehrung der Viren zu verhindern oder darauf, die überschießende Immunreaktion einzudämmen, zu der es bei schweren Verläufen kommen kann.

Schwere Covid-19-Verläufe werden bislang mit Dexamethason behandelt

In diesen Fällen bildet sich ein Zytokinsturm (Zytokine sind regulatorische Proteine, die Signale zwischen Zellen übertragen), die Abwehr entgleist und richtet sich gegen eigenes Gewebe. Die Folge sind schwere Entzündungsprozesse, die bis zum Organsversagen führen können. Bislang werden solche Krankheitsbilder bei Covid-19 mit dem stark entzündungshemmenden Kortikoid Dexamethason behandelt.

Wissenschaftler:innen von MetrioPharm und Virolog:innen der Universität Erlangen haben die Wirksamkeit von MP1032 bei Covid-19 im Labor getestet und ihre Erkenntnisse im Fachmagazin „International Journal of Molecular Medicine“ veröffentlicht. Demnach könne die Substanz die Dauer und Schwere der Erkrankung „frühzeitig verringern“.

Mß1032 von MetrioPharm soll direkt gegen den Corona-Erreger wirken

Bei MP1032 handelt es sich um einen sogenannten „Ros-Scavenger“, einen Ros-Jäger. Ros ist die Abkürzung für reaktive Sauerstoffspezies. In hohen Konzentrationen sind sie die Ursache für oxidativen Stress, den Schlüsselmechanismus hinter entzündlichen Prozessen. „Es wird zunehmend deutlich, dass reaktive Sauerstoffspezies ausschlaggebend sind für den fortschreitenden Verlauf von Covid-19“, betont MetrioPharm-Gründer Wolfgang Brysch. MP1032 unterbreche diese Prozesse und wirke gleichzeitig antiviral, also direkt gegen den Erreger. Schädliche Effekte auf nicht-infizierte Zellen habe es bei den In-vitro-Versuchen nicht gegeben. (Pamela Dörhöfer)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare