Frankfurt am Main: Kinder werden vor einer Schule von ihrer Lehrerin begrüßt, die einen Mundschutz trägt. (Symbolfoto)
+
Kinder bilden oftmals bereits vor einer Corona-Infektion Antikörper im Blut. (Symbolfoto)

Corona-Studie

Corona-Studie: Kinder bilden Antikörper bei Erkältungen - Schutz vor Covid-19-Infektion?

  • Tanja Banner
    vonTanja Banner
    schließen

Forschende finden im Blut von Kindern schon vor einer Infektion mit Corona-Antikörper. Schützen Kinder Erkältungen somit vor einer Covid-19-Infektion?

  • Forschende finden vor allem im Blut von Kindern Antikörper, die das Coronavirus Sars-CoV-2 erkennen - obwohl die Kinder nicht infiziert gewesen sein können.
  • Die Erkenntnisse britischer Forscher:innen könnten auch erklären, warum ältere Menschen anfälliger für eine Covid-19-Infektion sind.
  • Die Studienergebnisse könnten bei der weiteren Erforschung von Corona-Impfstoffen helfen.

Das Coronavirus Sars-CoV-2 grassiert seit Anfang 2020, doch es ist nicht das erste Coronavirus, das Menschen infizieren kann. Die meisten anderen Coronaviren verursachen eine leichte Erkältung und hinterlassen Antikörper. Diese Antikörper reagieren offenbar teilweise auch auf das Coronavirus Sars-CoV-2, wie britische Forschende herausgefunden haben, als sie an einem Antikörper-Test arbeiteten.

Die Forschenden um Kevin Ng vom Francis Crick Institute und dem University College London wollten eigentlich einen hochsensiblen Antikörper-Test für Covid-19 erproben, den sie zuvor entwickelt hatten. Dazu testeten sie das Blut von bestätigten Covid-19-Patienten und von Personen, die nicht infiziert waren. Dabei stellte sich heraus, dass einige der nie infizierten Personen Antikörper im Blut hatten, die das Coronavirus erkannten.

Antikörper gegen Erkältungs-Coronaviren reagiert auf den neuen Coronavirus Sars-CoV-2

Diesen überraschenden Fund nahmen die Forschenden zum Anlass, um mehr als 300 Blutproben aus den Jahren 2011 bis 2018 zu untersuchen. Keine der Personen, die damals Blut abgegeben hatten, dürfte mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 in Berührung gekommen sein, so die Theorie der Forschenden. Dagegen erwartete das Team um Kevin Ng, Antikörper zu finden, die auf Erkältungs-Coronaviren reagieren.

Tatsächlich fanden die Forschenden die erwarteten Antikörper - schließlich dürften die meisten Personen irgendwann einmal eine Erkältung gehabt haben, die durch ein Coronavirus entstanden ist. Doch in einigen der Blutproben fanden die Forschenden auch Antikörper, die eine Kreuzreaktion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 zeigten. Besonders häufig fanden die Forschenden diese Kreuzreaktion von Antikörpern in den Blutproben von Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren (43,8 Prozent) - bei Erwachsenen waren sie nur in 5,3 Prozent der untersuchten Proben vorhanden.

Erkältungs-Coronaviren könnten Kinder vor Coronavirus Sars-CoV-2 schützen

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Kinder sehr wahrscheinlicher diese kreuzreaktiven Antikörper haben als Erwachsene“, erklärt der Hauptautor der Studie, Kevin Ng in einer Mitteilung des Crick Institute. Man müsse mehr forschen, um herauszufinden, woran das liegt, stellt Ng fest, äußert aber bereits eine Vermutung: „Es könnte damit zu tun haben, dass Kinder häufiger anderen Coronaviren ausgesetzt sind.“ Die Studie wurde im Fachjournal „Science“ veröffentlicht (DOI: 10.1126/science.abe1107).

Die Antikörper, die im Blut vieler Kinder gefunden wurden, könnten dabei helfen, zu erklären, warum Kinder seltener schwer an Covid-19 erkranken, vermutet Ng. „Es gibt aber noch keinen Beweis, dass diese Antikörper eine Infektion mit oder die Ausbreitung von Sars-CoV-2 verhindern“, betont der Forscher. Auch die Frage, warum ältere Menschen eine höhere Anfälligkeit für das Coronavirus Sars-CoV-2 haben, könnte durch die Kreuzreaktion der Antikörper geklärt werden: Ältere Menschen sind Coronaviren einfach seltener ausgesetzt als Kinder - und damit ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie Antikörper in sich tragen, so die Vermutung der Forschenden.

Studie: Coronavirus-Antikörper greifen Spike-Protein an

Im Labor hat das Team um Ng die Antikörper, die sie im Blut der nicht infizierten Personen gefunden hatten, weiter getestet und sie mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 zusammengebracht. Dabei fanden die Forschenden heraus, dass die Antikörper einen Teil des Spike-Proteins auf der Oberfläche des Coronavirus angreifen. Das Spike-Protein besteht aus zwei Teilen:

  • Der S1-Anteil des Spike-Proteins des Coronavirus bindet sich an menschliche Zellen.
  • Der S2-Anteil des Spike-Proteins des Coronavirus ermöglicht das Eindringen in die Zelle.

Coronavirus-Studie kann bei Covid-19-Impfstoff helfen

Während der S1-Anteil bei den verschiedenen Coronaviren unterschiedlich ausgeprägt ist, ähnelt sich der S2-Anteil bei den unterschiedlichen Coronaviren offenbar. „Unsere Arbeit zeigt, dass der S2-Anteil der Erkältungs-Coronaviren und Sars-CoV-2 sich genug ähnelt, so dass manche Antikörper gegen beide wirken“, erläutert George Kassiotis, der das Retroviral Immunity Laboratory des Crick Institute leitet und an der Studie beteiligt war. Dieser Ansatz könnte auch für die weitere Forschung nach Imfpstoffen gegen das Coronavirus genutzt werden.

Das Coronavirus Sars-CoV-2 wird intensiv erforscht. Unter anderem haben Forschende kürzlich die verschiedenen Symptome einer Corona-Infektion in sieben Gruppen eingeteilt. Eine App soll unterdessen genau erkennen können, ob ein Husten zu einem Covid-19-Patienten gehört. Außerdem haben Forschende eine andere Studie veröffentlicht, in der sie zwei Corona-Symptome als „sehr zuverlässige Indikatoren“ für Covid-19 benennen. (Tanja Banner)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare