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Eine Frage ist auch: Wie lange hält sich das Virus in der Luft? 

Partikel

Covid-19: Kann das Coronavirus durch die Luft verbreitet werden? 

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Dass sich Covid-19 durch Tröpfcheninfektion verbreitet, ist gesichert. Nun untersuchen Forscher, ob auch feinere Partikel das Virus übertragen können.

  • Das Coronavirus wird vor allem durch die Tröpfcheninfektion übertragen. 
  • Die Zahl der Infizierten weltweit steigt weiter an. 
  • Forscher untersuchen nun, ob das Virus auch durch feinere Partikel übertragen werden kann. 

Wie ansteckend ist das neue Coronavirus? Ist es wirklich nur über Tröpfcheninfektion und somit den direkten Kontakt zu Infizierten übertragbar? Oder verbreitet es sich auch über die Luft? Diese Fragen treiben viele Menschen um und beschäftigen intensiv auch die Wissenschaft. So haben sich mehrere Studien konkret der Übertragbarkeit durch Aerosole – feinste flüssige Teilchen in der Luft – gewidmet. Bislang gilt als einzig gesicherter Übertragungsweg die Tröpfcheninfektion. Dabei gelangen Erreger beim Niesen, Husten oder Sprechen in die Luft und zu den Schleimhäuten anderer Menschen in unmittelbarer Nähe. 

Coronavirus: Größere Tröpfchen als Überträger 

Auf diesem Weg scheint Sars-CoV-2 sehr ansteckend zu sein. Solche größeren Tröpfchen halten sich jedoch nur kurz in der Luft, weil sie schnell nach unten sinken. Winzige feuchte Partikel, die beim Ausatmen freigesetzt werden, können hingegen länger schweben und auch größere Distanzen zurücklegen. Man könnte sie auch dann noch einatmen, wenn sich der Mensch, der sie abgesondert hat, nicht mehr in der Nähe befindet. Beispiele für Infektionskrankheiten, die auf diese Weise übertragen werden, sind die Masern und die Windpocken.

Auch für Sars-CoV-2 haben mittlerweile Studien Viruserbgut in Aerosolen nachgewiesen. Es bleibt allerdings unklar, ob die von einem Infizierten ausgeatmete Luft lebensfähige Viren in einer Menge enthält, die ausreicht, damit sich andere anstecken können. Wissenschaftler der „National Academics of Science, Engineering and Medicine“ in den USA warnen in einem öffentlichen Brief gleichwohl davor, dass von solchen ausgeatmeten Aerosolen in der Luft eine Gefährdung ausgehen könnte. Auch wenn derzeit nur „begrenzte Aussagen“ möglich seien, weise das Vorhandensein von viraler RNA – RNA ist die Trägerin des Viruserbguts – in Lufttropfen und Aerosolen „zumindest auf die theoretische Möglichkeit einer Virusübertragung auf solchen Wegen hin“.

Covid-19: Wie wird das Coronavirus noch übertragen? 

Südkoreanische Forscher haben versucht, dieser Frage mithilfe von Tiermodellen nachzugehen. Sie nutzten dafür Frettchen, die ebenfalls an Covid-19 erkranken können, allerdings keine schweren Symptome bekommen. Die Wissenschaftler setzten infizierte und nicht infizierte Tiere in gesonderte Käfige und leiteten die Umgebungsluft der infizierten Frettchen über einen Luftstrom in den Käfig der nicht infizierten Artgenossen. Das Ergebnis: Keines der gesunden Frettchen entwickelte durch den indirekten Kontakt eine erhöhte Körpertemperatur oder andere klinische Symptome. Allerdings ließ sich in Proben ihrer Nasenschleimhäute und in ihrem Kot Viruserbgut nachweisen, bei einem der vorher nicht infizierten Frettchen fanden die Forscher sogar Antikörper gegen Sars-CoV-2.

Coronavirus: Es bedarf „direkten anhaltenden Kontakts“

Die Forscher interpretieren ihre Studie so, dass eine „effiziente Ansteckung“, die zu Krankheitssymptomen führt, bei Frettchen eines „direkten anhaltenden Kontakts“ bedarf – dass gleichwohl eine Übertragung über die Luft nicht auszuschließen sei.

Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin sowie Leiter der dortigen Spezialeinheit für hochansteckende lebensbedrohliche Infektionen an der München Klinik Schwabing, teilt die Vorsicht seiner US-Kollegen von der „National Academics of Science, Engineering and Medicine“, auch wenn bislang noch keine vermehrungsfähigen Viren in ausgeatmeter Luft direkt nachgewiesen werden konnten. „Aus klinischer Sicht wird auch bereits auf den Verdacht hin, dass infektionsfähige Aerosole in der Raumluft eines Patienten mit Covid-19 vorhanden sein könnten, gehandelt, ohne dass man den noch ausstehenden wissenschaftlichen Beweis der Infektiosität abwartet.“ Das gelte insbesondere für Intensivstationen, wo Patienten auf nicht-invasive Weise mit Sauerstoff beatmet würden, da dabei hohe Aerosolkonzentrationen in der Raumluft entstehen.

Coronavirus: Wege, um sich vor einer Übertragung zu schützen

Auch invasive diagnostische Verfahren wie eine Bronchoskopie besitzen nach Einschätzung des Mediziners ein „nicht zu unterschätzendes Gefährdungspotenzial für Ärzte und Pfleger durch Aerosolkontaminationen, sodass hier besondere Schutzmaßnahmen wie Vollschutzanzug mit Face Shield und FFP-3-Masken zum Einsatz kommen sollten.“ Ein „bewährtes Motto“ in der Medizin sei es, dass „proaktives Handeln oft besser ist als ein zu zögerliches Abwarten auf eine konklusive wissenschaftliche Beweisführung“.

Im öffentlichen Raum sieht Wendtner einen Mund-Nasen-Schutz als empfehlenswert an. Zwar schütze dieser eher andere vor einer Ansteckung, „aber bei konsequenter Anwendung könnte daraus in der Summe auch ein Eigenschutz entstehen“.

Von Pamela Dörhöfer 

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