Immer mehr Hessen werden positiv auf das Coronavirus getestet (Symbolbild).
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Laut Forschern kann die Corona-Infektion auch gefährliche Spätfolgen auslösen. (Symbolbild).

Coronavirus

Psychische Probleme durch Corona - Jede:r Fünfte ist laut Oxford-Studie betroffen

  • Luisa Ebbrecht
    vonLuisa Ebbrecht
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Laut einer Studie der Oxford University treten nach einer Corona-Infektion vermehrt physische Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen und Schlaflosigkeit auf. 

  • Eine neue Studie von Forschenden der Oxford University zeigt, dass jede/r fünfte Covid-19-Patient:in nach der Diagnose an psychischen Problemen leidet.
  • Allerdings wurden einzelne Risikofaktoren in der Corona-Studie nicht betrachtet.
  • Nur 5,8 Prozent leiden zum ersten Mal nach der Corona-Diagnose an psychischen Problemen.

Oxford - Seit dem Beginn der Corona-Pandemie Anfang des Jahres sind nun schon einige Monate vergangen. Die Forschung, die im März noch ganz am Anfang stand, ist jetzt schon viel weiter. Das Coronavirus wird erforscht, die Symptome analysiert und ein Impfstoff entwickelt.

Auch über gesundheitliche Spätfolgen der Corona-Infektion wissen Expert:innen nun mehr als noch Anfang des Jahres. Demnach greift der aggressive Covid-19-Erreger nicht nur Atemwege und die Lunge, sondern auch viele andere Bereiche des Körpers an. Unter anderem fanden Forschende heraus, dass auch das Herz, die Gefäße, die Nieren und die Haut schwer in Mitleidenschaft gezogen werden können.

Spätfolgen der Corona-Infektion: Schäden am Hirn und Nervensystem

Britische Neurolog:innen fanden außerdem heraus, dass ebenfalls schwerwiegende Schäden am Hirn und am Zentralen Nervensystem möglich sind. Dadurch können Psychosen, Lähmungen und Schlaganfälle ausgelöst werden. Aber damit nicht genug - eine Studie von Wissenschaftler:innen des Oxford Health Biomedical Research Centre belegt nun den Zusammenhang zwischen Corona und psychischen Problemen.

Nach Angaben der britischen Forscher und Forscherinnen ist jede:r fünfte Patient:in gefährdet, psychisch zu erkranken. Grund ist dabei oft die Isolation während der Corona-Quarantäne. Laut der Fachzeitschrift „Lancet Psychiatry“ sind Angststörungen, Schlaflosigkeit und Depressionen möglich.

Psychische Probleme durch Corona-Infektion

Im Rahmen der Studie werteten die Forscher und Forscherinnen mit dem Gesundheitsnetzwerk TriNetX ca. 70 Millionen anonymisierte elektronische Patientenakten aus den USA aus. Unter den Teilnehmenden befanden sich über 62.000 Patient:innen mit einem schwachen Krankheitsverlauf.

Um den Zusammenhang zwischen psychischen Problemen und Corona zu erforschen, wurde der Zeitraum von zwei Wochen bis drei Monaten nach der Corona-Diagnose untersucht. Analysiert wurde, ob infolge der Diagnose psychische Probleme bei den Patient:innen auftraten.

Nur 5,8 Prozent leiden zum ersten Mal nach der Corona-Diagnose an psychischen Problemen

Bei 18,1 Prozent der Corona-Patient:innen, also rund jedem Fünften war dies der Fall. Jedoch bleibt dabei anzumerken, dass lediglich bei 5,8 Prozenten der Teilnehmenden zum ersten Mal eine psychische Erkrankung festgestellt wurde. Ebenfalls wurde ausgeschlossen, dass die psychischen Probleme aufgrund einer anderen Krankheit ausgelöst wurden. Untersucht wurden die Daten der Patienten und Patientinnen, die Grippe, Atemwegs-Infektionen, Hautinfektionen, Gallen- und Harnsteinen sowie Knochenbrüchen aufwiesen. Dabei wurden lediglich 2,5 bis 3,4 Prozent psychische Probleme diagnostiziert.

Max Taquet, Forscher vom National Institute for Health Research und Studienautor zeigt sich besorgt: „Dieser Befund war unerwartet und muss untersucht werden. In der Zwischenzeit sollte das Vorliegen einer psychiatrischen Störung in die Liste der Risikofaktoren für Covid-19 aufgenommen werden“.

Experten relativieren Corona-Studie

Einige Expert:innen relativieren die Ergebnisse allerdings. Man solle die elektronischen Gesundheitsakten nicht überbewerten und weitere Forschung abwarten, bis man zu einem Ergebnis käme. Man könne außerdem nicht unbedingt immer auf einen Zusammenhang zwischen einer Krankheit und Corona schließen.

Beispielsweise wurde Demenz bei Covid-19-Patient:innen innerhalb von drei Monaten doppelt so häufig diagnostiziert. Ein Zusammenhang wurde jedoch bisher noch nicht festgestellt. Ein Grund für die häufige Demenz-Diagnose könnte laut Paul Harrison, Professor für Psychiatrie an der University of Oxford, die häufigere Untersuchung der Betroffenen sein.

Kritiker der Corona-Studie: Fehlender Ausschluss von Risikofaktoren

Kritiker:innen halten auch den fehlenden Ausschluss von Risikofaktoren in der Studie für schwierig. So wurden in der Oxford-Studie persönliche Faktoren wie Alter, Geschlecht und persönliche Vorlieben wie Rauchen, Alkohol oder Drogen nicht betrachtet. Auch Stress oder andere sozioökonomische Bedingungen (Job, Gehalt etc.) blieben unberücksichtigt. Dabei haben all diese Faktoren einen großen Einfluss auf die psychische Verfassung eines Menschen.

Dank vieler Studien wissen wir schon sehr viel mehr über das Virus als noch zu Beginn der Corona-Pandemie. Trotzdem sind nach wie vor viele Symptome, Nebenwirkungen und Folgen der Erkrankung nicht erforscht. Es bleibt also abzuwarten, wie Spät- und Langzeitfolgen unsere psychische Verfassung beeinflussen werden. (Luisa Ebbrecht)

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