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Forschung

Bluthochdruck als Corona-Risikofaktor: Dieses Medikament könnte einen schweren Krankheitsverlauf verhindern

  • Tobias Utz
    vonTobias Utz
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Viele Menschen in Deutschland leiden an Bluthochdruck - und sind damit dem Risiko eines schweren Covid-19-Verlaufs ausgesetzt.

  • Bluthochdruck kann den Krankheitsverlauf von Covid-19 erheblich beeinflussen.
  • In einer Corona-Studie haben Forschende die Ursachen untersucht.
  • Ein Mittel könnte das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs senken.

Frankfurt – Wer einen hohen Blutdruck hat, erkrankt häufiger schwer an Covid-19. Hinzu kommt ein erhöhtes Risiko zu sterben. Das geht aus einer Studie hervor, an der unter anderem der Virologe Christian Drosten beteiligt war.

In der im Fachmagazin „Nature Biotechnology“ veröffentlichten Untersuchung wurden Zellproben von betroffenen Patient:innen analysiert. Spezieller Fokus lag dabei auf der Frage, ob weit verbreitete, blutdrucksenkende Medikamente bei einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 einen positiven Effekt haben. Insgesamt wurden 114.761 Zellen untersucht, die von 48 Patient:innen stammen – davon 32 Covid-19-Erkrankte und 16 Gesunde.

Corona-Studie: Bluthochdruck als Risikofaktor

Die Studie ergab, dass Menschen mit hohem Blutdruck bereits vor einer Corona-Infektion viele entzündete Zellen aufwiesen. Kam es zu einer Infektion, entwickelten die Patient:innen häufig eine extreme Immunreaktion, die sich in einem schweren Covid-19-Verlauf niederschlug – beispielsweise durch Organschäden oder schwere Lungenentzündungen. Laut Angaben der Forschenden sei die sogenannte Immunaktivierung der entscheidende Risikofaktor für einen schweren Krankheitsverlauf. „Erhöhte Entzündungswerte sind unabhängig vom Herz-Kreislauf-Status immer ein Warnsignal, dass die Covid-19-Erkrankung schwer verlaufen wird“, ordnet Ulf Landmesser, ärztlicher Leiter an der Charité in Berlin, die Ergebnisse ein.

Bluthochdruck als Risikofaktor: Betroffene leiden häufig an schwerem Covid-19-Verlauf. (Archivfoto)

„Unsere Ergebnisse zeigen aber auch, dass eine Behandlung mit ACE-Hemmern, nicht aber mit Angiotensin-Rezeptorblockern, diese überschießende Immunantwort nach Infektion mit dem Coronavirus verhindern könnte. ACE-Hemmer könnten damit das Risiko von Patienten mit Bluthochdruck für einen schweren Krankheitsverlauf verringern“, erklärt Irina Lehmann, eine der Studienautorinnen. Denn: Bei Patient:innen mit Bluthochdruck verlief die Krankheit vierfach so oft lebensbedrohlich* wie bei Menschen ohne erhöhte Werte.

Dies war hingegen nicht der Fall, als ACE-Hemmer zur Behandlung eingesetzt wurden. Sie senkten das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs auf „Normalniveau“. Das bestätigt eine Studie der Universität Mannheim. „Die Ergebnisse unserer Studie deuten darauf hin, dass die blutdrucksenkenden Medikamente das Risiko, an einer Lungenentzündung zu erkranken, nicht erhöhen. Sie scheinen vielmehr einen gewissen Vorteil für den Patienten zu haben: Sie reduzieren das Infektionsrisiko und das Risiko schwerer Verläufe“, erklärt Berthold Hocher.

Bluthochdruck als Corona-Risiko: So dringt Sars-CoV-2 in Zellen ein

ACE-Hemmer könnten zur Risikosenkung beitragen, da durch sie die Viruslast schneller eingedämmt und die Wirtszellen deutlich resistenter wurden. Das legt die Studie nahe. Konkret geht es um ACE2-Rezeptoren, welche das Coronavirus nutzt, um in Wirtszellen einzudringen. An dieser Stelle zeigten ACE-Hemmer Wirkung. Die Forschenden betonen jedoch, dass weitere Studien notwendig seien, um Rückschlüsse auf Corona-Medikamente ziehen zu können.

Bluthochdruck kann ein Risikofaktor für einen schweren Covid-19-Verlauf sein. (Archivfoto)

Die Erkenntnisse aus der Studie sind allerdings von großer Bedeutung. In Deutschland leiden sehr viele Menschen unter Bluthochdruck: Jeder zweite Mann und mehr als jede dritte Frau, wie eine Studie mit mehr als 100.000 Erwachsenen ergab. Mediziner:innen warnen jedoch davor, zu früh zu Medikamenten zu greifen. Es können neue Probleme entstehen.

Derweil wird über ein neues Corona-Medikament diskutiert. Es wird aktuell in einer Phase-3-Studie untersucht und könnte als Sofort-Schutz gegen das Virus dienen. (Tobias Utz) *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Maurizio Gambarini

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