Nach Kritik

Rolle rückwärts: Krankschreibung via Telefon jetzt doch weiter erlaubt?

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Nach viel Kritik: Wegen der Coronavirus-Pandemie dürfen auch weiterhin bei leichten Atemwegserkrankungen Krankschreibungen per Telefon ausstellen. 

  • Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) lockerte vorübergehend die Vorschriften für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen
  • In Zeiten des Coronavirus Sars-CoV-2 reichte in bestimmten Fällen ein Telefonanruf für die Krankschreibung bis zu 14 Tage
  • Ab 20. April ist diese Regelung nicht mehr gültig, Patienten müssen wieder die Arztpraxis besuchen

Update vom 20.02.2020, 16.26 Uhr: Nachdem die Sonderregelung zur telefonischen Krankschreibung vergangene Woche nicht verlängert wurde, hat es viel Kritik gegeben. Nun gab es eine überraschende Wende. Wie der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses im Gesundheitswesen (G-BA), Josef Hecken, mitteilt werde die Sonderregelung in der Corona-Krise nun doch verlängert. 

Ärzte könnten „im Vorgriff auf diese Entscheidung“ mithilfe telefonischer Anamnese Krankschreibungen ausstellen. Allerdings sei die Dauer einer telefonischen Krankschreibung auf eine Woche begrenzt. 

Krankschreibung per Telefon: Soll Praxen während Corona-Krise entlasten

Aktualisierung vom 17. April 2020: Wer sich mit leichten Atemwegserkrankungen krankschreiben lassen möchte, muss ab 20. April wieder eine Arztpraxis aufsuchen. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) entschieden. Die Ausnahmeregelung in der Corona-Krise wird damit nicht verlängert. Der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken erläuterte, die befristete Ausnahme diente angesichts der dynamischen Corona-Entwicklungen dazu, Praxen zu entlasten und die Virus-Ausbreitung zu verringern.

Corona-Krise: Patienten müssen für Krankschreibung wieder in die Praxis kommen

Diese Dynamik habe zwischenzeitlich aber durch strikte Abstands- und Hygieneregeln, die ebenfalls in Praxen beachtet werden, deutlich verlangsamt werden können. Die Behelfsregelung könne daher zum vorgesehenen Termin auslaufen. Dies entspreche auch den behutsamen Lockerungsschritten, die Bund und Länder beschlossen haben.

Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, ist die Entscheidung des G-BA gegen die Stimmen der Ärzteschaft gefallen. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht nach Angaben des „Tagesspiegel“ darin eine Gefährdung der Patienten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) äußerte demnach ebenfalls „Erstaunen und Unverständnis“. Offenbar habe „der große Druck der Arbeitgeberseite eine entscheidende Rolle gespielt“, mutmaßte KBV-Vize Stephan Hofmeister.

Für Patienten mit typischen Covid-19-Symptomen oder unklaren Symptomen der oberen Atemwege gilt jedoch auch weiterhin: Sie sollen sich vor einem Besuch in der Arztpraxis telefonisch melden und das weitere Vorgehen besprechen.

Coronavirus-Ausnahmeregelung: Ärzte dürfen telefonisch krankschreiben

Aktualisierung vom 25. März 2020: In der Coronakrise lockert die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) die Vorgaben für eine Krankschreibung weiter. Ärzte dürfen Patienten mit leichten Atemwegserkrankungen ab sofort telefonisch für bis zu 14 Tage krankschreiben. Das gilt auch dann, wenn der Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 besteht. Die Regelung gilt befristet bis zum 23. Juni. Neu ist neben der 14-tägigen Dauer der Krankschreibung auch, dass nun Patienten mit Infektionsverdacht telefonisch krankgeschrieben werden können.

Neue Regelung wegen Coronavirus: Ärzte können per Telefon krankschreiben

Erstmeldung vom 10. März 2020: Das Coronavirus Sars-CoV-2 breitet sich weiter aus in Deutschland. Wer es nicht muss, sollte größere Menschenansammlungen meiden, lautet eine Empfehlung von Experten. Die raten auch, dass man wegen des Coronavirus Sars-CoV-2 im Home Office arbeiten sollte, wenn es möglich ist.

Ein weiterer Ratschlag ist, sich bei Krankheitssymptomen krank zu melden - so steckt man Kollegen nicht an und belastet die Ressourcen des Gesundheitssystems nicht unnötig. Denn die werden für Wichtigeres gebraucht - beispielsweise für mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 Infizierte, aber auch für andere Krankheitsfälle.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung: „Gelber Zettel“ in Zeiten des Coronavirus Sars-CoV-2

Doch es gibt ein Problem: Bei vielen Arbeitgebern muss man spätestens am dritten - manchmal gar schon ab dem ersten Tag - eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt vorlegen. Dieser Umstand sorgt dafür, dass manch einer krank zur Arbeit geht, während diejenigen, die zum Arzt gehen, Gefahr laufen, sich dort mit weiteren Krankheiten anzustecken.

Ärzte durften in Zeiten des Coronavirus Sars-CoV-2 vorübergehend Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen per Telefon ausstellen. Diese Regelung ist ab 20. April nicht mehr gültig.

Nun gibt es eine Antwort von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Sie ermöglicht es Ärzten vorübergehend, Patienten mit „leichten Erkrankungen der oberen Atemwege“ krank zu schreiben, ohne sie vorher persönlich zu untersuchen. Diese Regelung gilt für folgende Personen:

Coronavirus Sars-CoV-2: Nur wer kein Verdachtsfall ist, kann die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung telefonisch bekommen

Patienten, die diesen Kriterien entsprechen, können nach telefonischer Rücksprache mit ihrem Arzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt bekommen. Sie gilt für maximal sieben Tage. Die Regelung der KBV gilt zunächst für vier Wochen. „Mit diesem Schritt unterstützt die gemeinsame Selbstverwaltung Patienten und Ärzte gleichermaßen“, heißt es in einer Mitteilung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Auf Twitter erklärt die KBV weiter: Die elektronische Gesundheitskarte müsse beim Ausstellen der „telefonischen AU-Bescheinigung“ nicht zwingend eingelesen werden. Praxen könnten bei bekannten Versicherten die Daten aus der Patientenkartei übernehmen. Patienten müssen sich jedoch nach wie vor selbst darum kümmern, dass die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung den Arbeitgeber und die Krankenkasse erreicht, stellt die KBV klar.

Von Tanja Banner

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand / dpa

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