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US-Präsident Joe Biden
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Dringt auf eine schnelle Aufklärung offener Fragen nach dem Ursprung des Coronavirus: US-Präsident Joe Biden.

Ursache der Corona-Pandemie

Ursprung des Coronavirus: Laborthese sorgt wieder für Wirbel – Joe Biden fordert Aufklärung

  • Anna Charlotte Groos
    VonAnna Charlotte Groos
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Die Frage nach dem Ursprung des Coronavirus gibt Fachleuten weiterhin Rätsel auf. Für die Laborthese gibt es einem Bericht zufolge plötzlich neue Anhaltspunkte.

Update vom Mittwoch, 26.05.2021, 20.35 Uhr: US-Präsident Joe Biden fordert die Geheimdienste des Landes dazu auf, ihre Anstrengungen bei der Erforschung des Ursprungs des Coronavirus zu verdoppeln. Er wolle eine „definitive conclusion“, also eine „endgültige Schlussfolgerung“ binnen 90 Tagen, sagte er am Donnerstag (26.05.2021) in einem Statement, berichtet die Washington Post.

Coronavirus: US-Geheimdienste haben Hinweise, welche die Laborthese stützen

Ein Geheimdienstbericht, der Biden vergangenen Monat vorgelegt worden sei, kreise um zwei Annahmen zum Ursprung des Virus: Entweder handelt es sich bei Sars-CoV-2 um eine Zoonose, also eine Krankheit, die in diesem Fall von Tieren auf den Menschen übertragen worden ist. Oder das Virus stammt aus einem Labor in China, dessen Innenräume es durch einen Unfall verlassen haben könnte. Bisher seien die Geheimdienste in den USA noch nicht zu einer überzeugenden Antwort auf die Frage gekommen, sagte Biden.

Er rief außerdem China an, bei der Untersuchung des Ursprungs zu kooperieren. Bereits Ende März hatte der Generalsekretär der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, China vorgeworfen, die WHO-Untersuchung im Land nicht ausreichend untersucht zu haben.

Ausbruch der Corona-Pandemie: Theorie über Leck in chinesischem Labor wird erneut befeuert

Erstmeldung vom Dienstag, 25.05.2021, 15.20 Uhr: Washington/Wuhan – Informationen über erkrankte Mitarbeiter:innen in einem Labor in Wuhan, in dem Coronaviren und andere Krankheitserreger untersucht werden, sorgen für neuen Diskussionsstoff in der Debatte über den Covid-19-Ursprung.

Laut der US-amerikanischen Zeitung The Wall Street Journal sollen drei Wissenschaftler:innen des chinesischen Instituts für Virologie in Wuhan (WIV) Covid-19-ähnliche Symptome gezeigt haben und so krank gewesen sein, dass sie im November 2019 in einem Krankenhaus aufgenommen worden seien. Als Quelle nennt die Zeitung einen zuvor nicht veröffentlichten US-Geheimdienstbericht.

Das Virologische Institut in Wuhan.

Diese Informationen könnten eine bereits gängige Theorie stärken, laut der das Coronavirus an dem Institut in Wuhan durch ein Leck versehentlich nach außen gedrungen sei, so The Wall Street Journal. Der bisher angenommene Start des Ausbruchs wird auf Dezember 2019 terminiert. Ein Ausbruch im November 2019 würde also einen deutlich früheren Start und damit die ersten beobachteten Covid-19-Fälle beim Menschen bedeuten.

Freisetzung des Coronavirus durch Laborleck in Wuhan: China weist Vorwürfe zurück

China indes weist die Vorwürfe über den Covid-19-Ursprung aus dem Labor zurück. Es handele sich um eine „komplette Lüge“, zitierte die chinesische Staatszeitung Global Times den Chef des Wuhaner Instituts, Yuan Zhiming. Die USA machten bloß weiter damit, „die Laborlecktheorie hochzuspielen“, heißt es aus dem chinesischen Außenministerium.

Peking habe zudem behauptet, dass das Virus außerhalb Chinas entstanden sein könnte, unter anderem in einem Labor auf der Militärbasis Fort Detrick in Maryland in den USA, so The Wall Street Journal. Laut Forschenden in den USA sollen jedoch keine Erkenntnisse darüber bestehen, dass das Virus aus einem US-Militärlabor stamme.

US-Chef-Immunologie Dr. Anthony Fauci schließt Theorie zum „Laborleck“ nicht aus

Das US-Außenministerium verfolgt die Theorie des „Laborlecks“ in Wuhan schon länger und gab im Januar 2021, in den letzten Tagen der Präsidentschaft von Donald Trump, ein Informationsblatt über den Fall heraus. Demnach sollen mehrere Forscher:innen des Labors Symptome, die sowohl mit Covid-19 als auch mit häufigen saisonalen Erkrankungen übereinstimmen, gezeigt haben. Die US-Behörden gehen zudem davon aus, dass es schon früher Virusausbrüche durch versehentliche Infektionen gegeben habe. Darunter 2004 ein Sars-Ausbruch in Peking, bei dem neun Menschen infiziert und ein Mensch an den Folgen der Krankheit verstorben ist. Seit 2016 führt das Wuhan-Labor Experimente und Forschungen an Mäusen, Fledermäusen und Pangolinen (Schuppentieren) durch.

Laut CNN äußerte auch Anthony Fauci, der Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten in Maryland, Anfang Mai, dass er nicht mehr davon überzeugt sei, dass die Covid-19-Pandemie auf natürliche Weise entstanden sei: „Wir sollten weiter untersuchen, was in China vor sich ging und nach besten Kräften herausfinden, was passiert ist“, so Fauci. Auch Donald Trump, der die Theorie des Laborlecks schon länger vertritt, äußerte in einem Interview mit Fox Nation am Montag (24.05.2021) erneut, dass er keinen Zweifel daran habe, dass das Virus aus dem chinesischen Labor ausgetreten sei.

Erkranktes Labor-Team in China: „Saisonale Krankheiten“ statt Coronavirus

Laut Shi Zhengli, einer Mitarbeiterin des Instituts für Virologie in Euhan (WIV) und Expertin für die Übertragung des Coronavirus durch Fledermäuse, soll das Virus nicht aus ihren Laboren ausgetreten sein. Sie sagte dem von der WHO geleiteten Team, das Anfang des Jahres nach Wuhan reiste, um die Herkunft des Virus zu untersuchen, dass alle Mitarbeiter:innen negativ auf Covid-19-Antikörper getestet worden seien und dass es keine Fluktuation im Coronavirus-Team gegeben habe.

Informationen über erkrankte Mitarbeiter:innen in einem Labor in Wuhan sorgen für neuen Diskussionsstoff in der Debatte über den Covid-19-Ursprung. (Symbolbild)

Marion Koopmans, eine holländische Virologin in diesem Team, sagte gegenüber NBC News im März, dass einige WIV-Mitarbeiter:innen im Herbst 2019 krank wurden. Dies führte sie jedoch auf regelmäßige, saisonale Krankheiten zurück. „Es gab gelegentliche Krankheiten, weil das normal ist. Es gab nichts, was auffiel“, so Koopmans laut The Wall Street Journal.

Theorie über Laborleck in Wuhan: Grippesymptome oder Covid-19?

Demnach könnten die Wissenschaftler:innen auch Grippesymptome gezeigt haben, welche den typischen Covid-19-Symptomen sehr ähnlich sind. Es sei zudem nicht ungewöhnlich, dass Menschen in China direkt ins Krankenhaus gingen, wenn sie krank werden, entweder weil sie dort eine bessere Versorgung bekämen oder keinen Zugang zu einem Hausarzt hätten, so The Wall Street Journal.

Laut David Asher, einem ehemaligen US-Beamten, der eine Arbeitsgruppe des Außenministeriums über die Ursprünge des Virus für den damaligen Außenminister Mike Pompeo führte, soll es jedoch extrem unwahrscheinlich sein, dass die Labormitarbeiter:innen in Wuhan an der Grippe erkrankten: „Ich bin sehr skeptisch, dass drei Menschen in sehr geschützten Umständen in einem Labor der Stufe drei, die an Coronaviren arbeiten, alle in der gleichen Woche an einer Grippe erkranken, die sie ins Krankenhaus oder in einen schlimmen Gesundheitszustand bringt, ohne dass dies etwas mit dem Coronavirus zu tun hat“, so Asher im Wall Street Journal.

WHO stuft Corona-Freisetzung im Labor in China als „extrem unwahrscheinlich“ ein

Das Weiße Haus erklärte, es könne den Bericht der Zeitung The Wall Street Journal zum Ursprung des Virus im Wuhaner Institut nicht bestätigen und verwies auf die Bemühungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), den Ursprung des Virus zu ermitteln. Fachleute stuften die versehentliche Freisetzung des Virus aus einem Labor als „extrem unwahrscheinlich“ ein, wie aus einem im März veröffentlichten Bericht der WHO hervorgeht.

Die gängigste Theorie der WHO geht bisher von einer Übertragung von Tieren auf den Menschen aus. Demnach soll wohl die Fledermaus Trägerin des Coronavirus gewesen sein. Diese These kursiert bereits seit Beginn der Pandemie. Die Erkenntnisse der WHO-Studie lassen aber gleichzeitig viele Fragen offen, die weiterhin untersucht werden müssen.

WHO-Bericht zum Ursprung des Coronavirus lässt Fragen offen

Nicht nur unter dem ehemaligen Präsidenten Donald Trump, auch unter dem neuen Präsidenten Joe Biden haben die USA wiederholt die Sorge geäußert, der WHO-Bericht könne nicht alle Erkenntnisse und Hinweise offenlegen. „Wir haben weiterhin ernste Fragen über die Anfänge der Covid-19-Pandemie, einschließlich ihrer Ursprünge innerhalb der Volksrepublik China“, sagte eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates dem Wall Street Journal zufolge.

Nach der Veröffentlichung des WHO-Berichts im März äußerte der WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus zudem, dass das Team die Hypothese des Laborlecks nicht ausreichend untersucht habe und forderte eine umfassendere Analyse. Die USA, die Europäische Union und zahlreiche Fachleute haben ebenfalls eine transparentere Untersuchung der Herkunft von Covid-19 verlangt. Insbesondere wird ein besserer Zugang zu Daten und Proben von möglichen frühen Covid-19-Fällen gefordert. Bisher habe China diese Daten unter Verschluss gehalten, so The Wall Street Journal. (Anna Charlotte Groos)

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