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Vakzin

Blutungen durch Corona-Impfstoff? Bedenkliche Berichte über Astrazeneca

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Der Astrazeneca-Impfstoff gegen Corona wird wieder eingesetzt. Die Berichte über teils schwere Nebenwirkungen häuften sich zuvor.

  • Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca wurde teils scharf kritisiert. Es häuften sich Berichte über schwere Nebenwirkungen des Vakzins.
  • Deutschland hatte die Impfungen mit dem schwedisch-britischen Impfstoff zunächst ausgesetzt. Doch Gesundheitsminister Jens Spahn kündigt an, das Mittel wieder zu verwenden.
  • Das Vakzin von Astrazeneca soll mit einem Warnhinweis versehen werden.

Frankfurt – Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca ist aufgrund der Berichte über Nebenwirkungen nach wie vor umstritten. Viele Länder stoppten vorübergehend sogar die Corona-Impfungen mit Astrazeneca. Am Montag (15.03.2021) gaben auch Deutschland und Frankreich bekannt, das Vektorvakzin des schwedisch-britischen Pharmaherstellers vorerst nicht mehr einzusetzen.

In der Woche zuvor hatten das bereits Dänemark, Norwegen, Island, Irland, Bulgarien und die Niederlande angekündigt; in Thailand wurde der Beginn der Impfungen mit Astrazeneca vorläufig ausgesetzt. In anderen Ländern, darunter Österreich und Italien, waren vorher zudem bestimmte Chargen des Impfstoffs gesperrt worden.

Nach einer positiven Einschätzung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA entschied sich die Bundesregierung unter Angela Merkel dazu, den Impfstoff von Astrazeneca in Deutschland wiederzuverwenden. Das teilte Gesundheitsminister Jens Spahn am Donnerstagabend (18.03.2021) mit. Das Präparat solle aber mit einem Warnhinweis versehen werden. Dänemark und Norwegen impfen trotzdem nicht mit Astrazeneca weiter. Frankreich verabreicht das Vakzin jetzt erst ab 55 Jahren.

Eine Thrombose entsteht, wenn Blutzellen verklumpen. Der Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca steht unter Verdacht, diese auszulösen.

Kontroverse um Astrazeneca: Corona-Impfstoff in der Kritik

Die jeweiligen Regierungen hatten betont, es habe sich beim vorübergehenden Astrazeneca-Impfstopp um eine Vorsichtsmaßnahme gehandelt. In Deutschland hatte das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut zu diesem Schritt geraten. Hintergrund sind Berichte über schwerwiegende Vorfälle, die im nahen zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung aufgetreten sind. Dazu zählen Blutgerinnsel und Blutungen. So soll es in Norwegen bei drei jungen Menschen zu Blutgerinnseln und Hirnblutungen gekommen sein. Wie die norwegische Gesundheitsbehörde Folkehelseinstituttet mitteilt, arbeiten alle im Gesundheitswesen.

Corona-Impfstoff von Astrazeneca: Geimpfte sollen auf Nebenwirkungen achten

„So etwas ist sehr selten, aber sehr ernst“, erklärte Steinar Masen von der norwegischen Arzneimittelbehörde im Gespräch mit dem Norwegischen Rundfunk. Zudem sollen dem Folkehelseinstituttet mehrere Fälle gemeldet worden sein, bei denen junge Menschen nach Corona-Impfungen Hautblutungen oder blaue Flecken bekommen haben. Das kann laut Sigurd Hortemo von der Gesundheitsbehörde Hinweis auf eine zu geringe Anzahl an Thrombozyten (Blutplättchen) sein. Ein solcher Mangel kann innere Blutungen auslösen. In Norwegen sind nun alle unter 50-Jährigen, die sich in den vergangenen zwei Wochen mit Astrazeneca impfen ließen, aufgefordert, auf mögliche Nebenwirkungen zu achten und bei Blutungen oder blauen Flecken medizinischen Rat einzuholen.

In Dänemark und Österreich sind zwei Frauen nach der Corona-Impfung an Thrombosen gestorben; bei einer 60 Jahre alten Dänin sollen nach Angaben der dänischen Arzneimittelbehörde „höchst ungewöhnliche Symptome“ aufgetreten sein. Bei ihr habe man neben einer niedrigen Anzahl an Blutplättchen auch Blutgerinnsel in kleinen und großen Gefäßen sowie Blutungen festgestellt. Die dänische Gesundheitsbehörde hat laut heute.at andere europäische Länder darauf hingewiesen, dass es zwei weitere „potenzielle Impfopfer“ in Dänemark geben soll. Eine dänische Krankenschwester erlitt demnach nach einer Astrazeneca-Impfung eine Hirnvenenthrombose und starb. Eine weitere Krankenschwester aus Dänemark liegt nach der Impfung mit Blutgerinnungsstörungen im Krankenhaus.

Corona-impfung mit Astrazeneca: Schwere Nebenwirkungen in Österreich aufgetreten

Eine 49 Jahre alte Krankenschwester aus Österreich war an multiplen Thrombosen gestorben. Wie die Obduktion der MedUni Wien ergab, dass die Frau an einer Impfreaktion starb. Die Plattform heute.at berichtete auch von weiteren schweren Nebenwirkungen nach einer Impfung mit Astrazeneca in Österreich. Eine 60 Jahre alte Frau hat demnach einen Schlaganfall erlitten, eine 22-jährige Krankenschwester aus Tirol eine beidseitige Lungenembolie. Zudem musste eine Linzerin (50) mit schweren Gerinnungsstörungen ins Spital.

In Italien, wo auf Sizilien drei Militärs gestorben sind, wurde zumindest für einen Fall ein Zusammenhang ausgeschlossen. Auch in Marbella ist eine Lehrerin zwölf Tage nach der Impfung mit Astrazeneca gestorben*. Die Behörden in Spanien untersuchen nun, ob ein Zusammenhang besteht.

Astrazeneca-Impfstoff: Frauen häufiger von Nebenwirkungen betroffen als Männer

Nach bisherigen Erkenntnissen sind Frauen offenbar häufiger betroffen als Männer. Es wird deshalb vermutet, dass das weibliche Geschlechtshormon Östrogen eine Rolle spielen könnte. Das muss aber erst noch untersucht werden. In einer Pressemitteilung der Uniklinik Greifswald werden die schweren Komplikationen auf immunologische Ursachen zurückgeführt. Nach der Impfung mit Astrazeneca hätten bei den Betroffenen die vom Körper gebildeten Antikörper an die Thrombozyten (Blutplättchen) gebunden und diese aktiviert. Die Thrombozyten sind dafür da, zum Beispiel bei einer Verletzung Wunden abzudichten. Bei den Impfkomplikationen hat die Aktivierung der Thrombozyten dazu geführt, dass sich Blutgerinnsel bilden und das Gefäß verstoßen. Gleichzeitig ist die Zahl der freien Thrombozyten im Blut gesunken.

Die Wissenschaflter:innen schreiben auch, dass sie eine Therapie gefunden haben: Bei Verdacht solle intravenöses Immunglobulin verabreicht werden. Das empfiehlt auch die Deutsche Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung. Sie rät auch, dass man sich beim Auftreten von starken Kopfschmerzen vier Tage oder später nach der Impfung einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen sollte. Die Therapie kann in jedem mittelgroßen Krankenhaus verabreicht werden, erklärt die Uni Greifswald.

Astrazeneca weist Bedenken gegenüber Corona-Impfstoff zurück

Ein Sprecher Astrazenecas hatte am Freitag (12.03.2021) Bedenken gegenüber dem Corona-Impfstoff zurückgewiesen: Eine Analyse der Sicherheitsdaten von mehr als zehn Millionen Daten hätten „keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Lungenembolien oder tiefe Venenthrombosen gezeigt“. Gleiches ließ die Europäische Arzneimittelagentur EMA verlauten. Der Pharmakovigilanz-Ausschuss (Prac) – das Komitee für Risikobewertung – vertrete die Position, dass der Nutzen des Vakzins die Risiken überwiege. Der Impfstoff könne weiter gegeben werden, während die Fälle von thromboembolischen Ereignissen untersucht würden.

Die Corona-Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca werden in Deutschland wieder aufgenommen. (Symbolbild)

Insgesamt sollen bis zum 10. März bei knapp fünf Millionen Geimpften in der EU 30 Fälle von Thrombosen gemeldet worden sein. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht derzeit keinen Anlass, nicht mehr mit dem Vakzin von Astrazeneca zu impfen, hat aber ebenfalls eine Untersuchung eingeleitet. „Ja, wir sollten den Astrazeneca-Impfstoff weiter verwenden“, erklärte Sprecherin Margaret Harris.

Liste mit Nebenwirkungen:

Den aktuell besten Überblick über gemeldete Nebenwirkungen bietet der Gelbe-Karten-Report der britischen Gesundheitsbehörde. Im Vereinigten Königreich wird sowohl mit dem mRNA-Vakzin von Biontech/Pfizer als auch mit dem Vektorvakzin von Astrazeneca geimpft. Bis zum 28. Februar wurden 10,7 Millionen erste und 800 000 zweite Dosen von Biontech/Pfizer sowie 9,7 Millionen Dosen Astrazeneca verimpft.

Als Gelbe Karten werden Meldungen von adversen Ereignissen nach der Impfung bezeichnet. Sie müssen allerdings nicht durch die Impfung verursacht worden sein, sondern können auch zufällig zeitnah aufgetreten sein. Insgesamt wurden bis zum 28. Februar in Großbritannien 33 207 Gelbe Karten für Biontech/Pfizer und 54 180 für Astrazeneca gemeldet. Relativierend ist zu ergänzen, dass die höhere Anzahl bei Astrazeneca auch damit zu erklären ist, dass hier die Nebenwirkungen häufiger nach der ersten und bei den mRNA-Impfstoffen häufiger nach der zweiten Dosis auftreten. Für beide Vakzine gibt die britische Gesundheitsbehörde eine Nebenwirkungsrate von drei bis sechs Gelben Karten pro tausend Dosen an.

Am häufigsten gemeldet wurden bei beiden Impfstoffen die auch aus den Studien bekannten Impfreaktionen wie Kopf- und Gliederschmerzen, die bei Astrazeneca teilweise sehr schwer ausfielen, Schüttelfrost, Fieber, Durchfall, Übelkeit, Schwindel und Abgeschlagenheit. Nicht ganz selten wurden auch Herzrasen und Herzrhythmusstörungen gemeldet.

Auch schwerwiegende Ereignisse wurden gemeldet: Gesichtslähmungen (Biontech/Pfizer 193, Astrazeneca 88), Gesichtsschwellungen (Biontech 230), Thrombosen (Biontech 10), Thrombozytopenie (Astrazeneca 35, Biontech 13), Blutbbildstörungen (Astrazeneca 1098), zerebravaskuläre (die Gefäße des Gehirns betreffende) Ereignisse (Astrazeneca 41), Hirnblutungen (Astrazeneca 7), Schlaganfälle (Astrazeneca 9), Erblindung (Biontech 15, Astrazeneca 28).

Coronavirus – Ist der Astrazeneca-Impfstoff für die Nebenwirkungen verantwortlich?

In Deutschland ist das Paul-Ehrlich-Institut in Langen für die Beobachtung möglicher Nebenwirkungen von Impfstoffen zuständig. Nach dessen Angaben gab es in Deutschland bis zum 11. März elf Meldungen über „unterschiedliche thromboembolische Ereignisse“, vier Menschen sollen daran gestorben sein. Es gebe derzeit aber keinen Hinweis, dass die Corona-Impfung diese Erkrankungen verursacht habe. Die aufgetretenen Fälle würden aber weiterhin intensiv untersucht.

Der Pharmakovigilanz-Ausschuss der EMA prüft laut einem Bericht in der Pharmazeutischen Zeitung neben den Thrombosen auch Fälle von Immunthrombozytopenie nach der Astrazeneca-Impfung sowie Gesichtsschwellungen, die bei Frauen und Männern aufgetreten waren, die früher Gel-Injektionen gegen Falten erhalten hatten.

Bei einer Immunthrombozytopenie kommt es zu einem Mangel an Blutplättchen, der zu Blutungen führt, wie sie etwa beim Todesfall in Dänemark beobachtet wurden. Diese Autoimmunerkrankung entsteht, wenn sich Antikörper gegen Blutplättchen richten und diese schädigen oder zerstören. Diese seltene Ereignis kann auch als Folge einer Virusinfektion auftreten. Das Fachgremium der EMA soll laut „Pharmazeutischer Zeitung“ erklärt haben, die Berichte deuteten darauf hin, dass es sich um ein „Sicherheitssignal“ handele. Darunter seien Informationen zu verstehen, die auf „eine neue unerwünschte Wirkung hindeuten“.

Nicht nur beim Corona-Impfstoff von Astrazeneca trat ein Blutplättchenmangel auf

Blutplättchenmangel wurde allerdings nicht nur nach Corona-Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca, sondern auch nach solchen mit mRNA-Vakzinen (Biontech/Pfizer und Moderna) beobachtet. Es handelt sich aber jeweils nur um einzelne Fälle. So hatte gleich zu Beginn der Impfkampagne in den USA der Tod eines 56 Jahre alten Arztes in Miami Schlagzeilen gemacht, der an einer solchen Immunthrombozytopenie gestorben war.

Wie wahrscheinlich es ist, dass die – wenigen – gemeldeten Fälle von Thrombosen, aber auch die Abnahme von Blutplättchen und Blutungen auf die Corona-Impfungen zurückzuführen sind, ist schwer einzuschätzen. Das österreichische Medienportal heute.at zitiert den Infektiologen Clemens Wendter von der München Klinik Schwabing mit der Aussage, dass statt von einer Kausalität eher von einer „Koinzidenz“ auszugehen sei, „also mehr Zufall als Ursache“.

Nebenwirkungen von Corona-Impfstoffen: Gewarnt hatte ein umstrittener Forscher

Gewarnt vor solchen Nebenwirkungen hatte indes ausgerechnet ein Wissenschaftler, der früher als renommiert galt, sich zu Beginn der Pandemie dann aber von der „Querdenker“-Szene instrumentalisieren ließ und sich damit im Kreis der meisten Expertinnen und Experten ins Abseits geschossen hat: Sucharit Bhakdi, Mikrobiologe und Infektionsepidemiologe und vor seinem Ruhestand langjähriger Leiter des Mainzer Instituts für Mikrobiologie und Hygiene sowie Professor an der Johannes Gutenberg-Universität, erörterte seine Bedenken auch in einem Brief an die EMA.

Darin schrieb er, dass die Impfstoffe nach der Injektion in den Muskel in die Blutbahn gelangen und sich im Körper verbreiten könnten. So könnte das vom Körper produzierte Spike-Protein des Virus auch in kleine Gefäße und Kapillare gelangen. Dort wiederum könne es dann zu einer Schädigung der Gefäßinnenwände mit anschließender Auslösung der Blutgerinnung durch Thrombozytenaktivierung kommen. Auch ein Abfall der Thrombozytenzahl und Schlaganfälle könnten die Folge sein.

Was man bisher sicher weiß, ist, dass eine Coronainfektion selbst das Risiko von Thrombosen und Schlaganfällen bei schweren Verläufen von Covid-19 erhöht. (Pamela Dörhöfer) *costanachrichten.com ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Science Photo Library/imago-images

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