Wirkung von ASS

Aspirin-Wirkstoff ASS kann Verlauf einer Corona-Infektion offenbar positiv beeinflussen

  • vonMirko Schmid
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Der in Aspirin enthaltene Wirkstoff ASS kann offenbar den Verlauf einer Corona-Infektion positiv beeinflussen. Das zeigt eine neue Studie aus den USA.

  • Eine aktuelle Studie der Universität Maryland in Baltimore stellt einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von ASS und einer besseren Erholung von einer Corona-Infektion her.
  • Der Wirkstoff Acatylsalicylsäure (ASS) ist unter anderem in Aspirin enthalten.
  • Die mit ASS behandelte Testgruppe wies ein deutlich geringeres Sterblichkeitsrisiko auf.

USA - Forscher der Universität Maryland in Baltimore sind einem Durchbruch in der Behandlung von Corona-Infektionen nahe. Jonathan Chow, Leiter der Studie, und sein Team kommen zu dem Schluss, dass die Einnahme des in Aspirin enthaltenen Wirkstoffs Acatylsalicylsäure (ASS) den Verlauf einer schweren Covid-19-Erkrankung lindern kann.

Eine Studie aus den USA stellt einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von ASS (enthalten z.B. in Aspirin) und einer Behandlung von Corona-Infektionen her (Symbolbild)

Studie aus USA untersucht Zusammenhang von ASS (Aspirin) und Corona-Infektionen

412 Probanden im Durchschnittsalter von 55 Jahren, die zwischen März und Juli 2020 in den USA bedingt durch eine Infektion mit Corona in Krankenhäuser eingeliefert werden mussten, wurde im Rahmen der Studie zum Teil Aspirin und somit ASS verabreicht. Diese Patienten erhielten den Wirkstoff in den sieben Tagen vor der Einlieferung ins Krankenhaus oder 24 Stunden im Anschluss an die Einlieferung. Diese Patienten erhielten ASS bereits im Vorfeld der Studie, da sie an Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck leiden.

Was ist ASS?

Acetylsalicylsäure (kurz ASS) ist ein weit verbreiteter schmerzstillender, entzündungshemmender, fiebersenkender und thrombozytenaggregationshemmender (TAH) Arzneistoff aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). ASS wird seit 1977 auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der WHO aufgeführt. Der Stoff wird seit Anfang des 20. Jahrhunderts in diversen Produkten von Pharmaherstellern vertrieben.

Die Bezeichnung Aspirin, die zunächst im englischsprachigen Raum und später teilweise auch international zum Synonym für ASS wurde, ist ein Markenname der Bayer AG für Medikamente mit diesem Wirkstoff.

Quelle: Wikipedia

In der 98 Personen umfassenden Gruppe, welche während der stationären Behandlung mit Aspirin bzw. ASS behandelt wurde, zeigte sich ein milderer Verlauf der Corona-Erkrankung. Im Gegensatz zu den 344 Patient:innen, welche nicht mit ASS behandelt wurden, mussten Probanden der Testgruppe in statistisch relevanter Menge seltener intensivbehandelt werden. Während nur 35,7 Prozent der Patient:innen der Testgruppe beatmet werden mussten, mussten knapp die Hälfte (48,4 Prozent) der Erkrankten, welche kein ASS einnahmen, ans Beatmungsgerät. Eine Intensivbehandlung war bei 38,8 Prozent der Patient:innen der Testgruppe notwendig, dem standen 51 Prozent der nicht mit ASS behandelten Erkrankten gegenüber.

Aspirin-Wirkstoff ASS bei Corona senkt laut Studie Sterblichkeitsrisiko

Auch die Sterblichkeitsrate war in der Testgruppe signifikant niedriger. Das Sterberisiko der mit ASS behandelten Patient:innen lag 47 Prozent unter dem der Corona-Infizierten, welche keine Acatylsalicylsäure einnahmen. Jonathan Chows Schlussfolgerung: „Der Einsatz von Aspirin ist mit einer verminderten mechanischen Beatmung, Aufnahme auf der Intensivstation und Mortalität verbunden.“ Der Wirkstoff ASS ist in Deutschland in vielen rezeptfreien Medikamenten enthalten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt Aspirin (ASS) zu den sogenannten „unentbehrlichen Arzneimitteln“.

Das Ärzteblatt sekundiert der Studie aus den USA. Laut dem Fachmagazin hätten Patient:innen, welche wegen „kardiometabolischer Erkrankungen bereits vor ihrer Infektion mit Sars-CoV-2 mit Acetylsalicylsäure in einer niedrigen Dosis (‚Low dose‘-ASS) behandelt wurden“, einen deutlich milderen Verlauf ihrer Corona-Erkrankung. Grund dafür sei, dass es bei schweren Verläufen von Corona-Erkrankungen häufig zu thrombotischen Komplika­tionen komme, die oftmals für den Tod in Folge einer Corona-Infektion verantwortlich gemacht würden. Viele Zentren würden Corona-Patient:innen inzwischen mit Heparin behandeln, um eine erhöhte Gerinnbarkeit des Blutes (Hyperkoagulabilität) zu ver­­meiden.

Aspirin-Wirkstoff ASS gegen Corona: Kontrollstudie steht noch aus

Erstaunlich sei, dass die medizinische Ausgangslage der Patient:innen, welche „Low dose“-ASS einnahmen, ungünstiger gewesen sei. Es wäre anzunehmen, dass diese einem höheren Sterblichkeitsrisiko ausgesetzt seien, da sie häufiger einen erhöhten Blutdruck hatten und öfter an Diabetes und/oder Herz- oder Nierenkrankheiten, „deretwegen sie vielfach mit ‚Low dose‘-ASS behandelt wurden“, litten. Das Ärzteblatt schlussfolgert daraus, dass die Ergebnisse der Studie für die weitere Behandlung von Corona-Infektionen relevant seien. Es sei jedoch zwingend notwendig, die Ergebnisse in einer weiteren Kontrollstudie zu bestätigen. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Db Bayer Ag/dpa

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