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Coronavirus

Corona-Antikörper verschwinden wieder – Wie lange bleibt die Immunität?

  • Sonja Thomaser
    VonSonja Thomaser
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Die Frage, inwiefern nach überstandener Corona-Infektion der Schutz vor einer Neuinfektion besteht, ist ungeklärt. Jetzt gibt es eine neue Studie zu Antikörpern.

Bonn – Forscher:innen haben im Rahmen einer Studie das Blut von Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert waren, untersucht und dabei festgestellt, dass sich ein halbes Jahr nach der Genesung bei jedem Fünften keine Antikörper mehr nachweisen lassen. Vom Immunsystem gebildete Antikörper helfen Infizierten, die Erreger - auch bei einem erneuten Angriff - in Schach zu halten. Doch im Fall des Coronavirus Sars-CoV-2 verschwinden diese nach einer gewissen Zeit wieder vollständig. Unklar ist, ob damit auch die Immunität gegen Corona aufgehoben wird.

Zwischen April und Juni 2020 wurden im Rahmen der Rheinland Studie rund 5.100 erwachsene Bonner:innen auf Antikörper gegen das Coronavirus untersucht. Dafür wurden Blutproben entnommen und analysiert. Bei positivem Erstbefund in einem sogenannten Immunoassay durchliefen diese Proben zusätzlich einen „Plaque-Reduktions-Neutralisationstest“, um sicherzustellen, dass sich die nachgewiesenen Antikörper spezifisch gegen SARS-CoV-2 richteten – und nicht gegen andere Coronaviren, die beispielsweise normale Erkältungen auslösen können.

Ein funktionierendes Immunsystem in Aktion: Antikörper attackieren Sars-CoV-2.

Corona: Antikörper-Spiegel sinkt nach mehreren Monaten wieder

Bei 22 Studienteilnehmenden konnten „neutralisierende“ und somit besonders wirksame Antikörper, die das Eindringen von SARS-CoV-2 in Zellen unmittelbar verhindern, nachgewiesen werden – was auf einen früheren Kontakt mit dem Virus hindeutete. 

Die Mehrheit dieser Personen berichtete nur von einem milden oder gar asymptomatischen Krankheitsverlauf. Sie wurden im September 2020 – also ungefähr vier bis fünf Monate nach der ersten Blutprobe - erneut getestet. Bei den meisten war der Antikörper-Spiegel gesunken, bei vier Personen konnten gar keine Corona-Antikörper mehr nachgewiesen werden. Die Befunde der Studie scheinen also darauf hinzudeuten, dass es nur eine begrenzte Dauer von Immunität nach leichten oder asymptomatischen Infektionen mit dem Coronavirus gibt.

Corona-Studie zu Antikörpern: Mehrstufiges Testverfahren wird empfohlen

„Unsere Ergebnisse lassen dennoch den Schluss zu, dass das weit verbreitete, nur einstufige Verfahren zum Nachweis von SARS-CoV-2-Antikörpern mittels Immunoassay unzureichend ist, um eine überstandene Infektion zuverlässig nachzuweisen. In unserer Stichprobe hatte jedenfalls nur etwa ein Drittel der Personen, die beim Immunoassay positiv waren, tatsächlich spezifische Antikörper gegen SARS-CoV-2. Das sollte bei Studien zur Immunität berücksichtigt werden. Aus meiner Sicht ist ein mehrstufiges Testverfahren, wie wir es angewandt haben, dringend zu empfehlen“, erklärt die Leiterin der Rheinland Studie Prof. Monique Breteler in einer Pressemitteilung des DZNE (Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen).

Aus diesen Studiendaten lässt sich allerdings nicht direkt ableiten, inwieweit das Schwinden der Corona-Antikörper die Immunantwort beeinflusst, so Dr. Ahmad Aziz, DZNE-Wissenschaftler und Erstautor der aktuellen Veröffentlichung. „Der Rückgang an Antikörpern scheint relativ schnell zu gehen. Das Immunsystem hat allerdings weitere Instrumente, um Krankheitserreger abzuwehren. Antikörper sind zweifellos bedeutsam, aber nur Teil eines größeren Arsenals. Andere Studien deuten darauf hin, dass eine andere Komponente, die wir die zelluläre Immunantwort nennen, trotz fallender Antikörper-Spiegel weiterhin Bestand haben kann.“

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Coronavirus: Umfangreiche Daten wichtig

Tatsächlich weiß man noch wenig über die Dauer der Immunität gegenüber Sars-CoV-2 nach einer Infektion. Das könnte auch von der jeweiligen Virusvariante abhängen. „Seitens der Rheinland Studie wollen wir die Entwicklung der Pandemie weiterverfolgen und ihre Auswirkungen auf die geistige und körperliche Gesundheit der Bevölkerung erfassen. Unsere Untersuchung ist die Grundlage dafür“, sagt Studienleiterin Breteler. „Letztlich wollen wir helfen, besser zu verstehen, warum manche Menschen eine Infektion gar nicht bemerken und andere schwer erkranken.“

Coronavirus unter dem Mikroskop

Dafür setzen die Forschenden auf den Datenbestand der Studie. Von allen Teilnehmenden werden umfangreiche Daten zu Gesundheit und Lebensstil erfasst, etwa zum Blutbild, Körperzusammensetzung, Herz-Kreislauf-Funktion sowie zu Schlaf, Ernährung und körperlicher Aktivität. „Über alle Studienteilnehmer haben wir Hintergrundinformationen, die für die Gesundheit relevant sind. Diese könnten ein Schlüssel sein, um die Auswirkungen einer Infektion mit Sars-CoV-2 zu verstehen und Risikofaktoren zu identifizieren“, so Breteler. (Sonja Thomaser)

Rubriklistenbild: © Niaid/Niaid via www.imago-images.de

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