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Corona: Was bewirkt ein angepasster Omikron-Impfstoff?

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Von: Pamela Dörhöfer

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Der Hersteller Moderna hat zwei neue Booster-Impfstoffe in der Pipeline.
Der Hersteller Moderna hat zwei neue Booster-Impfstoffe gegen Corona in der Pipeline. © dpa

Die Pharmaunternehmen Moderna und Sanofi haben erste Ergebnisse für neue Vakzine und Booster präsentiert, Biontech will demnächst folgen.

Cambridge – Er erwarte einen „dauerhafteren Schutz vor Varianten“, lässt sich Moderna-Chef Stéphane Bancel in einer Pressemitteilung des Pharmaunternehmens zitieren. Seine Aussage bezieht sich auf den angepassten Omikron-Impfstoff mRNA-1273.214, für den der Hersteller aus den USA erste Ergebnisse vorgelegt hat. Demnach soll das Vakzin 1,75-mal so viele neutralisierende Antikörper gegen die Omikron-Variante erzielen wie der seit eineinhalb Jahren eingesetzte Moderna-Impfstoff erster Generation. Anders als bei diesem handelt es sich bei mRNA-1273.214 um einen „bivalenten“ Impfstoff, was heißt: Er enthält sowohl den genetischen Bauplan für das Spike-Protein des Wuhan-„Wildtyps“ von Sars-CoV-2 als auch den für das Spike-Protein der Omikron-Variante BA.1. Daneben entwickelt Moderna noch einen „monovalenten“ Impfstoff, der exklusiv auf Omikron zugeschnitten ist.

Auch das Mainzer Unternehmen Biontech arbeitet seit Ende November 2021 an zwei aktualisierten Corona-Vakzinen. Wie bei Moderna soll eines die Erbinformation für die Spikes von Wuhan und Omikron enthalten und das andere ausschließlich an Omikron angepasst sein. Bei der Hauptversammlung Ende Mai kündigte Biontech-Chef Ugur Sahin Ergebnisse aus den klinischen Studien für die kommenden Wochen an.

Neue Impfstoffe gegen Corona-Variante Omikron

Am Montag haben zudem die Pharmakonzerne Sanofi (Frankreich) und GSK (Großbritannien) mitgeteilt, dass ein von ihnen gemeinsam entwickelter neuer Booster eine starke Immunantwort gegen „besorgniserregende Varianten“ erzeuge, darunter Omikron BA.1 und BA.2. Dabei soll das Vakzin zu einer deutlich höheren Produktion neutralisierender Antikörper geführt haben als eine Auffrischungsimpfung mit „Comirnaty“ von Biontech/Pfizer. Der Sanofi-GSK-Booster ist ein Protein-Impfstoff, der gar nicht auf Omikron zugeschnitten ist, sondern auf Basis der Beta-Variante von Sars-CoV-2 entwickelt wurde; diese entzieht sich besonders gut bestehendem Immunschutz, ist aber nicht so ansteckend wie andere Varianten und konnte sich wohl deshalb nicht weltweit durchsetzen. Als Grundimmunisierung hatten alle Teilnehmenden der Studie zuvor das mRNA-Vakzin von Biontech/Pfizer erhalten.

Sanofi und GSK entwickeln den Booster parallel zu den laufenden Überprüfungen ihres ebenfalls proteinbasierten Corona-Impfstoffs Vidprevtyn, dessen Entwicklung sich stark verzögert hatte, für den demnächst aber die Zulassung erwartet wird.

Nach Information des Verbandes forschender Pharmaunternehmen arbeiten derzeit noch 14 weitere Hersteller an angepassten Impfstoffen oder prüfen die Wirksamkeit ihrer Vakzine gegen Omikron, darunter auch Novavax (USA).

Coronavirus mutiert weiter – Aktuell gibt es die Omikron-Varianten BA.4 und BA.5

Indes: Das Coronavirus ist in den Monaten der Forschung und Entwicklung bereits wieder davongeeilt und weiter mutiert – aktuell zu den Omikron-Untervarianten BA.4 und BA.5. Letztere hat insbesondere in Portugal zu einem steilen Anstieg der Infektionszahlen geführt und breitet sich auch in anderen Ländern zunehmend aus. In Deutschland kommt die Subvariante aktuell auf einen Anteil von etwa zwölf Prozent, mit einer Verdopplungszeit von einer Woche.

Wie gut ihre aktualisierten Impfstoffe gegen BA.5 und BA.4 wirken, dazu können Moderna und Sanofi/GSK noch keine Angaben machen. Beobachtungen und erste Studien deuten darauf hin, dass die neuen Untervarianten noch ansteckender sind und den Immunschutz durch Impfung und/oder Infektion noch besser unterlaufen können als ihre Vorgängerinnen aus der Omikron-Familie. So zeigte eine Studie von Forschenden der britischen Universitäten Oxford und Kent für BA.4 und BA.5 im Vergleich zu BA.1 und BA.2 einen zwei - bis dreifachen Rückgang bei der Neutralisation im Serum von Menschen, die dreimal geimpft sind.

Corona: Kombination und Impfung gilt eigentlich als besonders guter Schutz

Und obwohl die Kombination aus Impfung und Infektion eigentlich als besonders guter Schutz gilt, sah es auch bei jenen nicht viel besser aus, die nach der Impfung noch eine Durchbruchinfektion mit Omikron BA.1 hatten. (Noch drastischer fiel die Verringerung der Wirksamkeit von therapeutischen Antikörpern aus.)

Die Forschenden führen diese Eigenschaften von BA.4 und BA.5 vor allem auf zwei Mutationen zurück, die Veränderungen am Spike-Protein bewirken und von denen eine bereits bei der Delta-Variante auftrat. Diese Mutation mit der Bezeichnung L452R könnte auch dafür verantwortlich sein, dass BA.5 wieder besser bis in die Bronchien vordringen kann, während sich BA.1 und BA.2 vor allem in Nase und Rachen breit machen.

Entwicklung von Corona-Impfstoffen: Das Virus ist schneller

„Natürlich ist das Virus mal wieder schneller als die Impfstoffentwicklung“, sagt Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Er weist aber auch darauf hin, dass der Unterschied zwischen Omikron BA.1 und BA.5 „deutlich kleiner“ sei als der zwischen dem Original und BA.5. Daher mache auch ein an BA.1 angepasster Impfstoff wie der von Moderna „noch viel Sinn“. Wie hoch der Schutz vor Infektion oder schwerer Erkrankung sei, könne man aber noch nicht ableiten. „Dazu brauchen wir wieder Daten aus der breiten Anwendung dieser Impfstoffe.“

Wir werden wahrscheinlich nie den perfekt angepassten Impfstoff haben

Christine Dahlke, Infektiologin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Auch Andreas Radbruch, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums Berlin, geht davon aus, dass der BA.1-Impfstoff in der aktuellen Lage besser ist als der originale, ergänzt aber: „Noch besser wäre einer, der auch die Virusvariante BA.5 berücksichtigt.“

Die Infektiologin Christine Dahlke vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf vermutet, dass ein Impfstoff mit dem Bauplan für zwei Versionen des Spike-Protein vor mehr Varianten gut schützen könnte als einer, der lediglich auf eine Variante zielt. Sie sagt aber auch: „Wir werden wahrscheinlich nie den perfekt angepassten Impfstoff haben.“

Wer die angepasste Corona-Impfung bekommen sollte

Carsten Watzl rät über 60-Jährigen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem im Herbst zu einer Auffrischungsimpfung mit einem angepassten Vakzin und findet für diese Personengruppen auch jährliche Auffrischungsimpfungen ähnlich wie gegen die Influenza sinnvoll.

Christine Dahlke dagegen spricht keine Empfehlung aus. „Da wir die Entwicklung der neuen Varianten und des Infektionsgeschehens nicht vorhersehen können, muss die klinische Notwendigkeit, der Zeitpunkt einer Auffrischungsimpfung, die Dosis sowie die Verwendung angepasster Impfstoffe leider noch geklärt werden.“ Sie wirft zudem die Frage auf, „ob wir eventuell spezielle Impfstoffe für bestimmte Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen, Risikopatienten und Menschen, die enge Kontakte mit Risikopatienten haben, brauchen“. (Pamela Dörhöfer)

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