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Forschung am Weltklima: Der Vulkan Mauna Loa (Hintergrund) auf Hawaii ist dafür ein idealer Ort. imago images

Klimawandel

Auch Corona rettet das Klima nicht: CO2-Gehalt auf neuem Rekord 

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Die Krise lässt den globalen Energieverbrauch deutlich sinken, doch die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre steigt trotzdem weiter an.

  • Der Lockdown wegen des Coronavirus hat den globalen Energieverbrauch sinken lassen 
  • So sollen die fossilen CO2-Emissionen um acht Prozent weniger liegen
  • Doch trotz des Lockdown ist der CO2-Gehalt in der Atmosphäre auf einem neuen Rekord 

Der Lockdown wegen der Corona-Krise hat den globalen Energieverbrauch stark sinken lassen. Die Kohlendioxid-Emissionen aus fossiler Verbrennung werden laut einer Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) 2020 um acht Prozent niedriger liegen als im Vorjahr. Trotzdem erreicht die CO2-Konzentration in der Atmosphäre derzeit einen neuen Rekord. An der hawaiianischen Messstation Mauna Loa wurden Anfang Mai ein neuer Tageshöchststand gemessen.

CO2 in Deutschland: Trotz Lockdown neuer Rekord 

Flugzeuge sind auf Startbahnen geparkt, Fabriken stehen still, und es gibt weniger Berufsverkehr, weil im Homeoffice gearbeitet wird. Weltweit entstehen weniger Emissionen, laut IEA sinkt der Ausstoß voraussichtlich um 2,6 Milliarden Tonnen gegenüber 2019. Der energiebedingte CO2-Ausstoß würde damit auf den niedrigsten Stand seit 2010 fallen. Der Rückgang wäre stärker als nach der Weltwirtschaftskrise infolge der Lehmann-Pleite Ende 2007. In China, weltgrößter Klima-Einheizer, brach der CO2-Ausstoß nach Beginn des Lockdown vorübergehend sogar um rund ein Viertel ein.

CO2: Das Grundproblem wird verdeutlicht 

Trotzdem werden in diesem Frühjahr neue CO2-Rekorde gemessen. Am 3. Mai verzeichnete das Mauna-Loa-Observatorium auf der hawaiianischen Insel Big Island den neuen Tageshöchststand von rund 418 Molekülen pro Million „Luftteilchen“ (parts per Million, ppm). Vor einem Jahr hatte der Höchstwert bei 415 ppm gelegen. Damit ist der CO2-Gehalt in der Atmosphäre seit vorindustrieller Zeit um rund 50 Prozent angestiegen. Bis zum Beginn der Kohlenutzung in großem Maßstab im 19. Jahrhundert in Großbritannien lag der Wert bei 280 ppm. Die Marke von 400 ppm wurde erstmals 2013 gerissen.

Dass der CO2-Rekord nun trotz sinkender Emissionen wieder eingestellt wurde, verdeutlicht das Grundproblem: Das zusätzlich emittierte Kohlendioxid verbleibt Hunderte von Jahren in der Atmosphäre. Auch eine geringere Zunahme als im Vorjahr führt so zu einem Anstieg der Konzentration in der Atmosphäre – und damit zu einem verstärkten Treibhauseffekt. Die Konzentration steigt nur etwas langsamer. Nach Schätzungen senkt Corona die vorher erwartete Zunahme 2020 von 2,8 auf 2,5 ppm im Jahresdurchschnitt.

CO2 in der Atmosphäre schwankt im Jahresverlauf 

Der Kohlendioxid-Gehalt in der Atmosphäre schwankt regelmäßig im Jahresverlauf, wobei die höchsten Werte immer im Frühjahr auftreten. Das liegt am Vegetationszyklus der Nordhalbkugel der Erde, wo sich die größten Landmassen befinden. Sie speichern CO2 in den Böden und in der Vegetation, geben es je nach Jahreszeit aber auch wieder ab. Im Herbst und Winter setzt die Vegetation netto CO2 frei, dadurch steigt die Konzentration. In den schon wärmeren Frühjahrsmonaten April und Mai überwiegt die Abgabe von CO2 aus Böden und Wasser noch die CO2-Aufnahme durch die Pflanzen. Dadurch wird der Höhepunkt der Konzentration im Mai erreicht, ab Juni sinkt die Kurve der Konzentration dann wieder. Im Sommer überwiegt die Aufnahme von Kohlendioxid durch die Vegetation.

CO2: Konzentration steigt trotz Corona weiter an 

Im Mittelwert wird die Konzentration trotz Corona aber weiter ansteigen. Um sie spürbar sinken zu lassen, müsste der Rückgang des globalen CO2-Ausstoßes deutlich stärker ausfallen als von der IEA erwartet – nämlich längerfristig um ein Viertel. Dann wäre mit einem Rückgang der Konzentration im Monatsdurchschnitt um 0,2 ppm zu rechnen, teilte die US-Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) mit, die auch für die Messstation Mauna Loa zuständig ist.

Der Weltklimarat IPCC hat 2019 in einem Report festgestellt, dass der globale CO2-Ausstoß im Schnitt um 7,6 Prozent pro Jahr sinken muss, um das 1,5-Grad-Erwärmungslimit nicht zu reißen, das die Staaten der Welt laut Paris-Klimavertrag anstreben. Bisher sind 1,1 Grad gegenüber vorindustrieller Zeit erreicht. 2020 könnte das Minderungsziel erreicht werden, allerdings erkauft mit enormen ökonomischen und sozialen Kosten. Die Lösung kann laut Experten nur in einem Neustart der Ökonomien durch Konjunkturprogramme mit hohen Investitionen in Öko-Energien und Energieeffizienz liegen. Nach der Weltwirtschaftskrise 2008 wurde das nur in wenigen Ländern beherzigt. Damals waren die globalen Emissionen zwar auch gesunken, sie erreichten aber beim schnell wieder das alte Niveau – und stiegen dann weiter an.

Mauna Loa

Die Forschungsstation Mauna Loa liegt in 3397 Metern Höhe auf einem Vulkan auf der Insel Big Island, die zu Hawaii gehört. Dort wird seit 1958 der CO2-Gehalt der Luft gemessen. Die daraus entstandene Keeling-Messreihe, benannt nach dem Forscher Charles David Keeling, ist die längste kontinuierliche Aufzeichnung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre. Auf fünf Türmen mit Lufteinlässen werden dort stündlich Luftproben entnommen.
Die Lage ist für diese Messungen besonders geeignet, da die Luft in der Umgebung kaum durch lokale Einflüsse beeinträchtigt wird – es gibt kaum Vegetation und keine direkten Emissionen durch Industrie oder Verkehr.

Von Joachim Wille 

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