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Die CO2-Emissionen steigen, statt zu sinken.

Klimagipfel

CO2-Emissionen steigen auf Rekordwert

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Kurz vor dem Klimagipfel in Kattowitz warnt der neue Bericht des UN-Umweltprogramms, dass die CO2-Emissionen steigen statt zu sinken.

Die Welt steuert bis Ende des Jahrhunderts auf eine Erwärmung von 3,2 Grad zu, wenn die Treibhausgas-Emissionen nicht drastisch gesenkt werden. Das Ziel, die Temperaturen bei plus 1,5 bis zwei Grad zu stabilisieren, würde also weit verfehlt – zumal die Erwärmung nach 2100 weiter fortschreiten würde. Das zeigt ein neuer Report des UN-Umweltprogramms Unep, der am Dienstag in Paris vorgestellt wurde. Die Organisation warnt: Die weltweiten CO2-Emissionen stiegen 2017 auf einem neuen Rekordwert – „ohne Anzeichen dafür, dass sie ihren Höhepunkt erreicht haben“.

Der jährlich vorgelegte Unep-Report analysiert die Lücke zwischen dem im Jahr 2030 zu erwartenden Klimagas-Ausstoß und den Werten, die notwendig wären, um das im Paris-Abkommen festgelegte Erwärmungslimit zu halten. Die aktuelle Ausgabe zeigt den bisher größten Fehlbetrag auf. Die Staaten der Erde müssten ihre Klimaschutz-Anstrengungen bis 2030 verdreifachen, um auf den Zwei-Grad-Pfad zu kommen, und für die 1,5 Grad sogar verfünffachen. Bisher hat sich die globale Mitteltemperatur bereits um rund ein Grad gegenüber vorindustrieller Zeit erhöht.

Der Bericht erscheint kurz vor dem UN-Klimagipfel im polnischen Kattowitz und macht deutlich, wie weit die vorliegenden nationalen Klimapläne (NDCs) der knapp 200 Staaten weltweit vom Notwendigen abweichen. Im Paris-Vertrag ist vorgesehen, diese Pläne bis 2020 anzuschärfen, und in Kattowitz soll eine erste Bilanz dazu gezogen werden. Gut 30 Länder haben inzwischen eine entsprechende Überprüfung angekündigt, darunter auch die EU, die einen gemeinsamen NDC-Plan eingereicht hat. Bisher steht ihr Ziel, den CO2-Ausstoß bis 2030 um 40 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 zu senken, nicht im Einklang mit den Paris-Vorgaben.

Die Untersuchung zeigt, dass die Hoffnungen auf einen „Peak“ der Emissionen verfrüht waren. Nach drei Jahren der Stagnation, ausgelöst vor allem durch verringerte Kohleverbrennung in China, stiegen sie 2017 wieder an – auf einen Rekordwert von 53,5 Milliarden Tonnen Gigatonnen CO2-Äquivalent; die Treibhauswirkung der weiteren Klimagase wie Methan und Lachgas wird dafür auf die von CO2 umgerechnet. Nach den Unep-Berechnungen müssten die globalen Emissionen etwa 2020 ihr Maximum erreichen und dann bis 2030 um 25 Prozent beziehungsweise 55 Prozent sinken, um die Paris-Limits von zwei respektive 1,5 Grad zu erreichen. Die aktuellen Entwicklungen sprechen nach Einschätzung der Experten allerdings dagegen, dass der „Peak“ bereits 2020 kommt.

Die UN-Experten betonen, dass es noch die Möglichkeit gebe, die Welt auf dem Paris-Pfad zu bringen und die Klimalücke zu schließen. Dazu müssten die Staaten jedoch „drastische und weitreichende Maßnahmen“ ergreifen, wie es sie bisher noch nicht gab. „Die Wissenschaft ist eindeutig“, sagte Unep-Vizedirektorin Joyce Msuya, „die Regierungen müssen sich schneller und mit mehr Nachdruck bewegen.“ Auch der UN-Klimarat IPCC hatte unlängst in seinem 1,5-Grad-Report gewarnt, dass dieses Limit andernfalls bereits in den 2040er Jahren überschritten werden dürfte.

Chancen, eine CO2-Trendwende herbeizuführen, sieht Unep vor allem bei den Energiepreisen. Eine weltweite Abschaffung der Subventionen für fossilen Energien würde danach die Emissionen bis 2030 um zehn Prozent senken. „Essentiell“ sei auch die Einführung eines CO2-Preises. Bei zum Beispiel 70 US-Dollar pro Tonne werde der CO2-Ausstoß je nach Land um bis 40 Prozent sinken.

Neben den Regierungen kommt es Unep zufolge verstärkt auch auf andere Akteure wie Kommunen und Regionen sowie Unternehmen, Investoren und NGO an. Deren CO2-Minderungsbeitrag könne bis 2030 bis zu 19 Milliarden Jahrestonnen betragen – „genug, um die Zwei-Grad-Lücke zu schließen“.

Umweltschützer bezeichneten den Report als neuen Weckruf. Wenn nicht schnell genug umgesteuert werde, drohe durch den Klimawandel eine katastrophale Entwicklung, die den Planeten unwiderruflich verändern werde, sagte Greenpeace-Direktorin Jennifer Morgan. Viele Kommunen, Regionen und Unternehmen ergriffen auf ihrer Ebene bereits Maßnahmen. „Worauf warten die Regierungen?“, fragte sie.

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