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Trotz Bundesnotbremse

Christian Drosten warnt vor trügerischer Sicherheit - und rechnet mit drastischem Anstieg der Fallzahlen

  • Stefan Krieger
    VonStefan Krieger
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Virologe Christian Drosten spricht im NDR-Podcast über Diagnostiklücken bei Corona-Schnelltests - und warum sie trotzdem sinnvoll sein können.

Berlin - Virologe Christian Drosten mahnt in der neuen Folge des NDR-Podcasts „Coronavirus-Update“ vom Dienstag (13.04.2021) an, dass Antigen-Schnelltests die ersten Tage einer Infektion wohl weniger zuverlässig erkennen können als bislang gedacht. Deshalb würden solche Tests nur einen trügerischen Schutz bieten - und wären etwa bei Einlasskontrollen bei öffentlichen Veranstaltungen kein Garant für Sicherheit.

Der Corona-Experte der Berliner Charité wies darauf hin, dass man sich nach einem negativen Schnelltestergebnis nicht allzu sicher sein dürfe. „Es ist nicht alles so simpel, wie das zum Teil in der Politik auch argumentativ verarbeitet wird“, sagte Drosten. „So nach dem Motto: Jetzt kann ja alles öffnen, weil wir haben ja jetzt Schnelltests.“

Christian Drosten befürchtet einen Anstieg der Corona-Fallzahlen in Deutschland.

Corona-Schnelltests: Probleme in der Frühphase einer Infektion

Besonders beim Erkennen von Infektionen mit dem Coronavirus in der Frühphase gebe es in der Praxis eine Lücke, hätten Experten festgestellt, so Drosten. Noch fehlten zwar Studien dazu, beobachtet werde aber, dass die Tests nur beim größten Teil der ansteckenden Tage anschlagen. Besonders beim Test direkt bei Beginn der Symptome könne die Probe jedoch noch negativ ausfallen. Ein Labortest (PCR) hingegen könne im Vergleich schon mehrere Tage vorher eine Ansteckung anzeigen.  „Die Schnelltests schlagen erst am Tag eins nach dem ersten Auftreten der Symptome an, da ist man aber schon drei Tage lang infektiös“, sagte Drosten. „Wenn man davon ausgeht, dass eine infizierte Person in der Regel acht Tage lang ansteckend ist, heißt das: An fünf von acht Tagen entdecke ich mit dem Antigentest eine Infektion, an drei Tagen werde ich sie übersehen.“

Den Einsatz von Schnelltests bei Menschen mit Symptomen und die regelmäßige Anwendung zum Beispiel in Schulklassen und am Arbeitsplatz hält Drosten dennoch für gerechtfertigt und sinnvoll. Zwar könne eine frische Infektion dann in einzelnen Fällen übersehen werden - aber wenige Tage später falle sie auf. „Nur eine Sache ist eben etwas gefährlich“, sagte er: die Vorstellung, nicht ansteckend zu sein, wenn man etwa an der Kasse zu einem Veranstaltungssaal oder an der Pförtnerloge zu einem Behördengebäude den Test mache. Infizierte könnten dann durchrutschen und andere Menschen anstecken.

Christian DrostenVirologe
Geboren12. Juni 1972 (Alter 48 Jahre)
Tätig beiCharité – Universitätsmedizin Berlin
Ausbildung Goethe-Universität Frankfurt am Main

Virologe Christian Drosten: Schnelltest für Schüler:innen sinnvoll

Der Virologe hält aber besonders in Schulen den Einsatz von Antigen-Schnelltests trotzdem für sinnvoll. Allerdings nur dann, wenn die Schülerinnen und Schüler mindestens zweimal pro Woche getestet werden. „Selbst wenn bei einer Testung nicht alle Infektionen entdeckt werden, bei der nächsten Testung nach zwei oder drei Tagen werden die Infektionen dann nachgewiesen. In Clustern ist solch ein geringer zeitverzögerter Effekt kein Problem“, betonte Drosten. Wichtig sei nur, Infektionen in einem Cluster aufzuspüren, um so die Kontrolle in den Schulen während der Pandemie zu behalten und dann entsprechend schnell mit Cluster-Quarantäne zu reagieren.

Das Bundeskabinett hatte am Dienstag (13.04.2021) eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes beschlossen. Damit müssen sich die Menschen in weiten Teilen Deutschlands auf Ausgangsbeschränkungen und geschlossene Läden nach bundesweit verbindlichen Vorgaben einstellen. Auch eine Testpflicht am Arbeitsplatz soll eingeführt werden. Diese Testpflicht hält Drosten für ein wirksames Werkzeug, auch wenn zwei Tests pro Woche sinnvoller wären als nur eine Testung. „Ich finde es ganz besonders wichtig, dass überhaupt eine Testung vorgeschrieben wird. “ Wichtig sei es aber, auf das positive Ergebnis eines Schnelltests unverzüglich zu reagieren und Isolationsmaßnahmen für die Betroffenen sofort anzugehen, ohne erst das Ergebnis eines folgenden PCR-Tests abzuwarten.

Drosten: Fallzahlen des RKI noch nicht realistisch

Wegen der Lage auf den Intensivstationen erwartet der Virologe, dass zusätzlich zur geplanten bundesweiten Corona-Notbremse weitere Maßnahmen nötig sein werden. „Ich denke, dass man anhand der sich jetzt einstellenden Situation in den Krankenhäusern auch noch mal anders reagieren muss“, sagte der Corona-Experte von der Berliner Charité. Dies müsse sicherlich in „allernächster Zeit“ geschehen. „Ich erwarte jetzt nicht ohne weiteres, dass man damit die Situation in der Intensivmedizin kontrollieren kann“, sagte Drosten mit Blick auf die Entscheidung.

Über die eingeschränkte Aussagekraft der täglichen Corona-Meldezahlen des RKI nach Ostern sagte Drosten: „Wir müssen wahrscheinlich bis Ende dieser Woche warten, um wieder realistische Zahlen zu sehen.“ Er befürchte, dass man dann wieder in einem Bereich zwischen 20 000 und 30 000 täglich gemeldeten Neuinfektionen landen werde. Durch die Osterferien sieht der Virologe allerdings für die Schulen zunächst einen „nachhaltigen Entschleunigungseffekt“, wie er sagte. (Stefan Krieger/dpa)

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Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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