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Chinesische Raketenstufe zerbricht im Erdorbit – und bedroht Satelliten

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Von: Tanja Banner

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Eine chinesische Rakete auf dem Weg in den Erdorbit. (Archivbild)
Eine chinesische Rakete auf dem Weg in den Erdorbit. (Archivbild) © imago/Xinhua

Eine chinesische Rakete befördert einen Satelliten in die Erdumlaufbahn und zerbricht. Vor allem für die „Starlink“-Satelliten von SpaceX bedeutet das Gefahr.

Peking – Mit Raketenstufen, die nach dem Start unkontrolliert auf die Erde stürzen, macht sich China derzeit keine Freunde. Bisher haben die Raketen nicht für Schäden auf der Erde gesorgt, doch die Befürchtungen sind jedes Mal groß. Nun sorgt eine chinesische Rakete zur Abwechslung einmal für Ärger in der Erdumlaufbahn. Wie die South China Morning Post online berichtet, ist am 12. November 2022 eine Raketenstufe vom Typ „Langer Marsch 6A“ explodiert.

Nach Angaben der US Space Force ist die Rakete in einer Höhe zwischen 500 und 700 Kilometern über der Erde explodiert und in mehr als 50 Teile zerbrochen. Die Explosion wurde von der chinesischen Regierung bei einer Pressekonferenz bestätigt. „Soweit wir wissen, hat der betreffende Vorfall keine Auswirkungen auf die chinesische Raumstation oder die Internationale Raumstation“, erklärte eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums.

Chinesische Rakete explodiert – Gefahr für „Starlink“-Satelliten

Doch auf andere Satelliten könnten sich die Raketen-Bruchstücke trotzdem auswirken: In einer Höhe von etwa 500 Kilometern kreisen zahlreiche „Starlink“-Satelliten von SpaceX um die Erde. Die Satelliten werden für schnelles Internet aus dem Weltall genutzt, auch im Ukraine-Krieg kommen sie zum Einsatz.

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China bringt Meeresbeobachtungs-Satelliten ins All – Raketenstufe explodiert

Die chinesische Raketenstufe, die im Erdorbit zerbrochen ist, hat zuvor einen Meeresbeobachtungs-Satelliten ins Weltall befördert. Normalerweise stürzt die erste Stufe nach getaner Arbeit zurück in Richtung Erde und verbrennt beim Eintritt in die Erdatmosphäre. Vorher lässt sie ungenutzten Treibstoff ab. Fachleute gehen davon aus, dass sich beim Ablassen des Treibstoffs eine Explosion ereignet haben könnte, durch die die Stufe zerbrochen ist. Auch eine Kollision mit einem Stück Weltraumschrott wird nicht ausgeschlossen.

Die „Starlink“-Satelliten sind vielen Astronominnen und Astronomen ein Dorn im Auge: Sie sind teilweise hell am Himmel zu sehen und stören beispielsweise die wichtige Suche nach gefährlichen Asteroiden in der Dämmerung. Auch die Forschung mit empfindlichen Teleskopen wird gestört. Erst kürzlich hat SpaceX für einen Kunden den Satelliten „BlueWalker 3“ ins Weltall transportiert. Er ist noch heller als die „Starlink“-Satelliten – und stört die Astronomie.

Auch China ist kein großer Freund der „Starlink“-Satelliten und gibt das auch offen zu – weshalb es Spekulationen gibt, dass das Auseinanderbrechen der Raketenstufe im Erdorbit Absicht gewesen sein könnte, um die Satelliten zu behindern. Die Raumfahrtnation gab vor einiger Zeit an, die „Starlinks“ würden die nationale Sicherheit des Landes gefährden.

Raumfahrt: China hat selbst eine Raumstation im Weltall

Doch es gibt auch einen Grund, der gegen eine absichtliche Explosion in der Erdumlaufbahn spricht: China hat selbst eine Raumstation im Erdorbit, die sich zwar etwas niedriger als 500 Kilometer befindet, doch von dem neu entstandenen Weltraumschrott ebenfalls betroffen sein könnte, wenn dieser weiter absinkt. „Es sind drei chinesische Astronauten dort oben“, zitiert die South China Morning Post einen chinesischen Forschenden, der anonym bleiben wollte. „Die Wahrscheinlichkeit, dass der Schrott die Raumstation trifft, ist niedrig, aber ich glaube nicht, dass jemand dazu bereit wäre, das Risiko einzugehen.“

Ähnliche Gedanken haben Russland im vergangenen Jahr jedoch auch nicht davon abgehalten, einen sogenannten „Anti-Satelliten-Test“ durchzuführen. Dabei wurde ein ausgedienter russischer Satellit durch eine bodengestützte Rakete zerstört, entstanden sind tausende Bruchstücke, die sich im Erdorbit verbreiteten und auch die Internationale Raumstation ISS gefährdeten, auf der sich immer auch russische Kosmonaut:innen befinden. (tab)

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