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Extremwetter im indischen Ahmadabad: Zwei Männer fahren mit den Schlauchboot über überflutete Straßen.
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Extremwetter im indischen Ahmadabad: Zwei Männer fahren mit den Schlauchboot über überflutete Straßen.

Klima

Chaotischer Monsun

  • VonVerena Kern
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Die globale Erwärmung beeinflusst den Starkregen auf dem indischen Subkontinent umfassender, als erwartet.

Wer in Europa lebt, für den ist es schwer sich vorzustellen, was der Monsun bedeutet. Hier gibt es vier Jahreszeiten, alle mit Sonne und Regen, aber mit unterschiedlichen Temperaturen. Durch den Klimawandel verändert sich auch bei uns vieles. Es gibt mehr Hitzetage, im Winter fällt mehr Regen, im Sommer hingegen weniger. Weil bei höheren Temperaturen mehr Wasser verdunstet, werden Unwetter heftiger und zugleich trocknen die Böden aus.

All das sind Stressfaktoren. Aber wir sind nicht abhängig von einem Wetterereignis, das darüber bestimmt, wie das ganze Jahr wird – so wie es das aber auf dem indischen Subkontinent mit dem sommerlichen Monsunregen der Fall ist.

Vier Fünftel der jährlichen Niederschläge in Indien fallen in dieser Zeit. Zum Vergleich: Das ist so, als würden bei uns im Frühjahr oder Sommer 80 Prozent des Jahresniederschlags fallen und der ganze Rest des Jahres wäre regenarm. Das wären ziemlich extreme Bedingungen.

Der indische Sommermonsun fällt meist als kurzer, intensiver Starkregen, der mehrmals am Tag auftritt. Die Menge an Niederschlag, die dabei in wenigen Stunden herunterkommt, ist oft so groß, dass Überschwemmungen und Bodenerosion die Folge sein können. Immer wieder kommt es dann zu Erdrutschen, Menschen werden von den Regenfluten in den Tod gerissen, Bäume und Strommasten umgestürzt, Häuser zerstört. Im vergangenen Jahr starben in Indien nach extremen Regenfällen 2000 Menschen, vier Millionen verloren ihr Zuhause. Auch Pakistan war schwer betroffen.

Die Sommermonsun-Regenfälle spielen auch für die Landwirtschaft in Indien und in dessen Nachbarländern die entscheidende Rolle. Vor allem für die, die Reis anbauen, ist es wichtig, dass zum richtigen Zeitpunkt die richtige Menge an Wasser zur Verfügung steht. Ein Großteil der indischen Bevölkerung von fast 1,4 Milliarden Menschen ernährt sich von Reis. Und die Landwirtschaft ist ein sehr bedeutender Wirtschaftsfaktor. Sie trägt rund 20 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Verändert sich die Monsun-Dynamik, hat das enorme Auswirkungen auf die Ernteerträge.

„Nutzpflanzen brauchen vor allem in der ersten Wachstumsperiode Wasser, aber zu viel Regen in den anderen Wachstumsstadien kann den Pflanzen schaden“, sagt die Klimaforscherin Julia Pongratz von der Fakultät für Geowissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). „Das macht die indische Wirtschaft und das Nahrungsmittelsystem sehr empfindlich gegenüber schwankenden Monsunmustern.“

Pongratz und weitere Forschende der LMU und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) haben nun gut 30 aktuelle Klimamodelle verglichen, um die künftige Entwicklung des indischen Sommermonsuns abzuschätzen. Das Ergebnis: Geht die globale Erwärmung ungebremst weiter, stehen Indien mehr extrem nasse Jahre bevor. Bei den mittleren Niederschlägen von Juni bis September ist mit einem deutlichen Anstieg zu rechnen. Die Regenfälle des Sommermonsuns werden stärker und unberechenbarer – mit potenziell schwerwiegenden Folgen für die Wirtschaft, das Nahrungsmittelsystem und das Wohlergehen sehr vieler Menschen.

„Wir haben robuste Beweise für eine exponentielle Abhängigkeit gefunden“, sagt Anja Katzenberger, Monsun-Expertin vom PIK und Erstautorin der Studie. „Für jedes Grad Erwärmung werden die Monsunregenfälle wahrscheinlich um etwa fünf Prozent zunehmen.“

Schon frühere Studien haben gezeigt, dass der Monsun seit den 80er Jahren mit der durch Treibhausgase verursachten Erwärmung immer nasser und chaotischer wird. Die bisherigen Ergebnisse waren aber mit großen Unsicherheiten verbunden. Die aktuelle Studie, die soeben in der Zeitschrift „Earth System Dynamics“ veröffentlicht wurde, stellt nun mehr Klarheit her und reduziert die Unsicherheiten. Und sie geht auch über bisherige Erkenntnisse hinaus: „Wir konnten zusätzlich zeigen, dass die globale Erwärmung die Monsun-Regenmengen in Indien noch stärker erhöht als bisher angenommen“, sagt Katzenberger.

„Wir sehen mehr und mehr, dass es beim Klimawandel um unvorhersehbare Wetterextreme und deren schwerwiegende Folgen geht“, sagt Co-Autor Anders Levermann, ebenfalls Klimaforscher am PIK. Das sozioökonomische Wohlergehen des indischen Subkontinents, wo immerhin ein Fünftel der Menschheit lebt, stehe auf dem Spiel. „Eine chaotischere Monsunzeit stellt eine Bedrohung für die Landwirtschaft und Wirtschaft in der Region dar“, warnt Levermann. „Das sollte ein Weckruf für die Politik sein, die Treibhausgasemissionen weltweit drastisch zu reduzieren.“

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