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Alles im Griff? Die Minister Spahn (links, CDU) und Seehofer (CSU) vor ihrer Pressekonferenz.

Coronavirus

Die Bundesregierung schaltet in den Krisenmodus

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Wegen der Ausbreitung des Coronavirus koordinieren Gesundheits- und Innenministerium ihre nächsten Schritte. Ein Überblick über die Lage.

Bundesgesundheits- und -innenministerium haben wegen der Ausbreitung des neuen Coronavirus einen Krisenstab eingesetzt, der regelmäßig die Lage beraten und Entscheidungen treffen soll. Insgesamt sind in Deutschland mehr als 25 Corona-Fälle bekannt. Die wichtigsten Daten und Fakten zur Lage:

Aktuelle Einschätzung:Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mit Innenminister Horst Seehofer (CSU) seine Auffassung bekräftigt: Deutschland stehe am Beginn einer Epidemie. Seehofer ergänzte, es werde eine „weitere Entwicklung nach oben geben“. Beide kündigten an, alles zu tun, um die Bevölkerung so gut wie möglich zu schützen. Dabei gehe der Gesundheitsschutz immer vor wirtschaftlichen Interessen, versicherten die Minister. Sie räumten aber auch ein, dass man noch immer wenig über das Virus wisse.

Krisenstab:Im Kern schließen sich hier Vertreter des Gesundheits- und des Innenministeriums kurz. Aber auch Mitarbeiter aus dem Auswärtigen Amt und dem Verkehrsministerium sitzen mit am Tisch. Laut Seehofer stehen zwei Aufgaben im Vordergrund: Die Infektionsketten innerhalb von Deutschland zu unterbrechen und die Übertragung der Krankheit nach Deutschland einzudämmen. Für viele konkrete Entscheidungen sind allerdings die Länder, die Landkreise oder die Kommunen zuständig.

Verkehr:Ab sofort werden nicht nur die Daten von landenden Fluggästen aus China in Deutschland erfasst. Auch ankommende Reisende aus Südkorea, Japan, dem Iran und Italien müssten nun ihre Daten angeben. Das ist laut Seehofer eine der ersten Entscheidungen des Krisenstabes. Diese „Aussteigerkarten“ sollen sicherstellen, dass alle Reisenden schnell kontaktiert werden können, wenn sich herausstellt, dass ein Fluggast infiziert ist. Das Verfahren wurde von der Bundesregierung auch im Schiffsverkehr angeordnet. Beim Bahn- und Busverkehr hat der Bund dagegen kein Durchgriffsrecht.

Großveranstaltungen:Ob Konzerte, Messen oder Fußballspiele stattfinden können, ist eine kommunale Entscheidung. Seehofer sagte aber, der Krisenstab werde als Handreichung Kriterien entwickeln. Wenn sich bei einer Veranstaltung besonders viele Menschen aus Krisengebieten aufhielten, sei das anders zu beurteilen als ein Fußballspiel zwischen dem SC Ingolstadt und Unterhaching, sagte der Innenminister.

Abriegelung von Städten:Spahn und Seehofer versicherten, dass diese drastische Maßnahme derzeit nicht notwendig sei. Nach dem Infektionsschutzgesetz sei dies aber grundsätzlich möglich. Spahn stellte klar, dass das Gesetz unter anderem eine häusliche Quarantäne vorsieht, die von den Behörden angeordnet werden kann. Betroffene seien dann verpflichtet, sich daran zu halten.

Asylbewerber:Seehofer kündigte an, dass alle Asylbewerber auf das Corona-Virus getestet werden. Die Begründung: Die meisten würden über vorbelastete Länder wie den Iran, den Irak oder Afghanistan einreisen. Nach Angaben des Innenministers kommen derzeit im Monat etwa 10 000 Asylbewerber in Deutschland an.

Schutzanzüge:Laut Spahn will sich der Krisenstab bei seiner Sitzung an diesem Freitag auch damit beschäftigen, ob es in Deutschland ausreichend Schutzbekleidung gibt. Der internationale Markt dafür ist nach seinen Angaben aber leer gekauft. Es müsse nun zumindest darum gehen, dass die hierzulande verfügbaren Schutzanzüge und – masken auch im Lande blieben, betonte der Minister.

Verhalten:Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat an die Bevölkerung appelliert mitzuhelfen, den Virus unter Kontrolle zu bekommen. Bei Symptomen wie Husten und Fieber sollen die Betroffenen freiwillig zu Hause zu bleiben – also weder zur Arbeit zu gehen, noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und keine großen Veranstaltungen besuchen. Vor Arztbesuchen sei es wichtig, in den Praxen anzurufen. „Auch Menschen mit ganz wenig Symptomen können andere anstecken“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Auch altere Menschen, die wegen ihres schwächeren Immunsystems und Vorerkrankungen häufig anfälliger für das Virus sind, sollten möglichst in den eigenen vier Wänden bleiben. Wichtig seien aber auch banale Dinge: zum Beispiel in die Armbeuge zu niesen statt in die Hand.

Impfungen:Experten empfehlen, sich gegen Keuchhusten, Pneumokokken und gegen die reguläre Grippe impfen zu lassen. Diese Impfungen schützen zwar nicht vor Covid-19, aber vor anderen Lungeninfektionen. Ist jemand bereits an der Lunge erkrankt, wäre eine Ansteckung mit Sars-CoV-2 besonders gefährlich und die Behandlung nur schwierig.

Versorgung Erkrankter: Spahn sagte, es gebe keine offizielle Schätzung darüber, mit wie vielen Kranken oder gar Toten in Deutschland gerechnet werden muss. Die Krankenhausgesellschaft teilte mit, deutschlandweit stünden mehr als 1400 internistische Abteilungen und mehr als 1200 Intensivstationen mit rund 28 000 Intensivbetten bereit, um Patienten zu versorgen. Laut Spahn sehen die Pandemiepläne zudem vor, bei Versorgungsengpässen normale Klinikabteilungen in Isolierstationen umzubauen.

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