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Die Cloud macht’s möglich: Die Schule am Ried bietet Lernenden auf ihren Leistungsstand zugeschnittene Übungsaufgaben.

Digitalisierung

Büffeln mit der Schul-Cloud

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Bundesweit erproben Schulen mit einem naturwissenschaftlichen Schwerpunkt eine neue digitale Lernplattform.

Für Amy ist klar, dass sie nach dem Abitur Naturwissenschaften studieren wird: Schon in der Mittelstufe hatte sie in den sogenannten Mint- Fächern in der Regel sehr gute Noten; aktuell belegt die 16-Jährige an der Schule am Ried im Frankfurter Osten Leistungskurse in Biologie, Mathe und Chemie. „Ich finde Naturwissenschaften mega interessant“, betont sie. Außerdem haben ihr die freiwilligen Schüler-Wettbewerbe sehr viel Spaß gemacht, bei denen die Mint-EC-Schule regelmäßig mitmacht. „Ich war schon zweimal bei Wettbewerben in Moskau, das war klasse“, sagt Amy.

Im Verein MINT-EC ist bundesweit ein Netzwerk von Schulen zusammengeschlossen, die sehr hohe Standards bei ihren schulischen MINT-Angeboten nachweisen können.

Seit diesem Schuljahr testen zudem zehn verschiedene Fachlehrer der Schule am Ried die HPI-Schul-Cloud, eine digitale Lehr- und Lernplattform – beteiligt ist beispielsweise auch eine Italienisch-Lehrerin. Lehrer Oliver Sust, der den gesellschaftswissenschaftlichen Fachbereich leitet, ist von dem Konzept überzeugt: „Auf der Fortbildung beim Hasso-Plattner-Institut in Potsdam fragten uns die Entwickler: Was braucht Ihr? Was wünscht Ihr Euch?“ Es lohne sich, als Schule Zeit in das Projekt zu investieren.

Im Chemie-Leistungskurs werten Frankfurter Schüler Reaktionswärmen mit Hilfe der HPI-Schul-Cloud am Laptop aus.

In der Schul-Cloud können etwa Termine in einer Gruppe koordiniert werden – und alle relevanten Informationen und Übungen werden einfach hochgeladen: Auf diese Weise ist eine interne, aber auch schulübergreifende Vernetzung möglich. Ein unschlagbares Argument für den Einsatz sei darüber hinaus, dass die Einhaltung des Datenschutzes und der Urheberrechte bereits durch die Nutzung der Schul-Cloud geregelt seien, sagt Oliver Sust. „Und alle Daten werden sicher auf Servern in Deutschland gehostet.“ Derzeit läuft die Cloud aber noch nicht auf allen PCs, weil die Stadt die Schule am Ried noch nicht mit einem schnellen Breitband-Internet-zugang ausgestattet hat.

Sust, der Chemie, Geografie und Informatik unterrichtet, verweist auf die von der gesamten Schulgemeinde erarbeiteten Leitlinien zum „sinnvollen Umgang von Schülern mit digitalen Medien“. Er setze diese nur ein, wo sie im Vergleich zu analogen Lehrformaten Vorteile bringen. Dass Schüler nur noch mit Tablets arbeiten, sei für die individuelle Entwicklung nicht förderlich; außerdem begünstige der Dauereinsatz digitaler Medien die Kurzsichtigkeit. Es sei wichtig, dass „Schüler eine gesunde Distanz bewahren und vor allem den kritischen Umgang mit digitalen Medien erlernen“.

In der Schlupraxis biete ihm die Cloud viele Möglichkeiten: Deutlich erleichtert werde dadurch die Diagnostik, den Leistungsstand des jeweiligen Schülers zu überprüfen und ihm dementsprechend individuelle Übungsaufgaben zu Punkten zu stellen, wo es noch hakt. „Ich passe den Schwierigkeitsgrad je nach Problemlage an“, sagt Oliver Sust.

Darüber hinaus können die Schüler in der Cloud ihre Ergebnisse vergleichen. Im Chemie-Leistungskurs, der im Frühjahr die Abiprüfungen ablegen wird, wurde in den vergangenen Monaten viel experimentell im Labor gearbeitet. „Schießen Sie einfach in die Cloud hoch, was Sie wissen“, fordert ihr Chemielehrer Sust die Kursteilnehmer auf.

„In der Cloud bekommen wir stets eine schnelle Rückmeldung zu unseren Hausaufgaben“, berichtet Amy, die gerade zusammen mit Laura am Laptop Reaktionswärmen auswertet.

Der 17-jährige Felix findet es gut, dass die Schul-Cloud „den Email-Verkehr mit zehn angehängten Dokumenten erspart“. Allerdings bedeute es teilweise schon einen Mehraufwand, die Dateien in die Cloud hochzuladen. „Dort sind die Informationen aber übersichtlich angeordnet und können nicht verlorengehen.“ Zudem müsse man mit Word und Excel arbeiten und lerne so zugleich die Funktionsweise der Programme.

Netzwerken

Insgesamt 120 Schulen mit einem naturwissenschaftlichen Schwerpunkt in den sogenannten Mint-Fächern testen aktuell die HPI-Schul-Cloud, die vom Hasso-Plattner-Institut und dem nationalen Excellence-Schulnetzwerk Mint-EC entwickelt wird. Die HPI-Schul-Cloud ist eine digitale Lehr- und Lernplattform: Auch 13 hessische Schulen sind Teil des bundesweiten Pilotprojektes, das das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis 2021 fördert. 

„Die vielen Anregungen und Ideen aus den Pilotschulen waren und sind immer noch entscheidend für die Weiterentwicklung des Projektes“, sagt Wolfgang Gollub, Vorstandsvorsitzender von MINT-EC. Die Schule am Ried etwa kann die Plattform durch Nutzung einer Feedbackfunktion und durch Austausch im Rahmen von Workshops und Arbeitsgruppentreffen mitgestalten. 

Mehr als eine Million digitale Materialien und viele Unterrichtswerkzeuge bietet die HPI-Schul-Cloud. Auch Schüler können auf der Plattform Dateien teilen, Termine koordinieren und miteinander chatten. 

Mint-EC ist das nationale Netzwerk von derzeit 325 zertifizierten Schulen mit Sekundarstufe II, die über ein ausgeprägtes Profil in Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) verfügen. Hauptförderer des Netzwerks sind der Arbeitgeberverband Gesamt-metall, die Siemens-Stiftung, die bayerischen Arbeitgeberverbände BAYME /VBM sowie die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Mehr Informationen im Internet unter: www.schul-cloud.org 

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