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Das Asthma-Mittel Budesonid ist ein Glukokortikoid.
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Das Asthma-Mittel Budesonid ist ein Glukokortikoid.

Covid

Coronavirus: Asthma-Spray als „Game Changer“? Das sagt die Forschung

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Auf dem Asthma-Spray Budesonid ruhen plötzlich viele Hoffnungen für die Covid-Therapie. Wie es um die Wirksamkeit gegen das Coronavirus tatsächlich bestellt ist.

Oxford - Das Asthma-Medikament Budesonid ist bereits seit einigen Monaten als Therapie bei Covid-19 im Gespräch. Im Februar gab es erste Berichte über eine bis dahin nur preprint veröffentlichte Studie der Universität Oxford, wonach das kortisonhaltige Spray zur Behandlung einer Corona-Infektion taugen könnte.

Nun ist die wissenschaftliche Arbeit der Studiengruppe um Mona Bafadhel im Fachmagazin „The Lancet“ publiziert worden. Gleichzeitig jedoch dämpft eine andere, am Montag von der Oxford Universität veröffentlichte Pressemitteilung allzu große Erwartung. Dabei geht es um Daten aus dem „UK’s Principle Trial“ mit mehr als 1700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Budesonid wird stark entzündungshemmend und Hindert Coronaviren an der Vermehrung

Budesonid ist ein synthetisch hergestelltes Glukokortikoid und ein seit vielen Jahren bewährtes Arzneimittel zur Behandlung von Asthma bronchiale; es wird inhaliert. Glukokortikoide wirken stark entzündungshemmend und bieten sich aufgrund dieser Eigenschaften grundsätzlich auch zur Therapie von Covid-19 an. Denn in vielen Fällen schädigt nicht allein das Virus selbst, sondern auch die heftige Reaktion des Immunsystems das Gewebe vornehmlich in der Lunge.

In Laborversuchen zeigte sich zudem, dass Glukokortikoide Coronaviren daran hindern, sich zu vermehren – und auch den ACE-2-Rezeptor des Virus sowie ein bestimmtes Enzym, das für das Kapern von Zellen wichtig ist, hemmen.

Spricht für Budesonid: Asthmatiker sind bei schweren Covid-Verläufen unterrepräsentiert

Für die Wirksamkeit kortisonhaltiger Medikamente spricht auch, dass Asthmatikerinnen und Asthmatiker bei schweren Covid-19-Verläufen unterrepräsentiert sind, obwohl man sie zu Beginn der Pandemie als Risikogruppe eingeschätzt hatte.

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Seit Monaten etabliert in der Behandlung Covid-Patientinnen und -Patienten hat sich Dexamethason, das ebenfalls zu den Glukokortikoiden zählt. Es wird allerdings nur bei schweren Verläufen und meist erst dann gegeben, wenn jemand bereits auf der Intensivstation liegt.

Anders bei Budesonid: Das Asthma-Mittel soll auch für den Einsatz zu einem frühen Zeitpunkt der Infektion geeignet – und dann in der Lage sein, den Verlauf zu verkürzen und abzumildern. Das zumindest legt die aktuelle Studie aus Großbritannien nahe, an der 146 zufällig ausgewählte Infizierte mit milden Beschwerden teilnahmen. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Die eine sollte zweimal täglich Budesonid bis zum Abklingen der Symptome inhalieren.

Covid mit Bunesonid mildern: Honig und entzündungshemmende Schmerzmittel weniger wirksam

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der anderen Gruppe erhielten Honig gegen den Husten sowie ein schmerz- und entzündungshemmendes Medikament (Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure). Die durchschnittliche Einnahme von Budesonid betrug sieben Tage. Gesponsert wurde die Studie vom britischen National Institute for Health Research und dem britisch-schwedischen Pharmakonzern Astrazeneca.

Das Ergebnis: Das Risiko, wegen Covid-19 in einem Krankenhaus stationär behandelt werden zu müssen, sank in der Budesonid-Gruppe um etwa 90 Prozent. Nur ein Patient von 70 kam in die Notaufnahme, in der Vergleichsgruppe waren es zehn von 69. Zudem soll sich unter Budesonid die Zeit bis zur Genesung um durchschnittlich einen Tag verkürzt haben. Im Durchschnitt litten die Patientinnen und Patienten sieben Tage lang unter akuten Krankheitssymptomen, gegen die sie seltener als die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fiebersenkende Mittel einnehmen mussten.

Nach Covid-Behandlung mit Budesonid: Schnellere Erholung von Infektion mit Coronavirus

82 Prozent der Budesonid-Gruppe gaben an, sich nach 14 Tagen wieder von Covid erholt zu haben, in der Vergleichsgruppe waren es 72 Prozent. Die Nebenwirkung des Mittels waren überschaubar, so wie man es von der Anwendung bei Asthma kennt. Einige wenige berichteten von Wundsein im Rachen, einige von Mundsoor, alle diese Beschwerden verschwanden nach Absetzen des Medikaments wieder vollständig.

Die Infektionszahlen in Deutschland steigen aktuell rasant an. Den Epidemiologien und SPD-Politiker Karl Lauterbach veranlasste das Ergebnis dieser Studie zu einem begeisterten Kommentar auf Twitter. Budesonid könne zum „Game Changer“ werden, schrieb er – und dass er das Mittel als Hausarzt auf Grundlage der vorliegenden Daten bei seinen Patienten einsetzen würde.

Budesonid: Karl Lauterbach jubelt über Erfolg für Covid-Behandlung, andere dämpfen die Erwartungen

Martin Scherer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, indes dämpft laut Medizin-Informationsportal „DocCheck“ allzu hohe Erwartungen. Für eine „generelle Therapieempfehlung“ seien die Daten der Lancetstudie „nicht ausreichend belastbar“.

Die zu Wochenbeginn publizierten Ergebnisse des „UK’s Principle Trial“ mit mehr als 1700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern scheint eine solche zurückhaltende Position zu bestätigen. In dieser Studie wurde untersucht, was eine häusliche Behandlung mit Budesonid bei frühen milden Covid-Verläufen bringen kann – insbesondere bei älteren Patientinnen und Patienten sowie bei Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, die bei einer Corona-Infektion ein erhöhtes Risiko haben, schwer zu erkranken.

Covid-Behandlung mit Budesonid: Studie zu Wirksamkeit in hohem Alter und mit Vorerkrankungen

Im Hinblick auf die Zeit bis zur Genesung fiel das Ergebnis dieser Studie noch besser aus: Budesonid verkürzte sie demnach nicht nur um einen Tag, sondern durchschnittlich um drei Tage. Eher gering war der Unterschied allerdings, wenn es um die Krankenhausaufenthalte ging: In der Budesonid-Gruppe wurden 59 von 692 Patientinnen und Patienten (8,5 Prozent) wegen schwerer Covid-Symptome stationär in einer Klinik aufgenommen, in der Vergleichsgruppe waren es 100 von 968 (10,3 Prozent). (Pamela Dörhofer)

Link zur britischen Lancet-Studie: https://www.thelancet.com
Pressemitteilung der Oxford-Uni: https://www.ox.ac.uk

Auch 24hamburg.de* und ruhr24.de* berichten über die Wirksamkeit von Asthmasprays bei Corona. *24hamburg.de und ruhr24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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