Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Das Universum kann brutal sein: Jeder vierte sonnenähnliche Stern hat offenbar seine Planeten verschlungen, zeigt eine neue Studie.
+
Das Universum kann brutal sein: Jeder vierte sonnenähnliche Stern hat offenbar seine Planeten verschlungen, zeigt eine neue Studie.

Astronomie

Brutales Universum: Jeder vierte sonnenähnliche Stern frisst seine Planeten

  • Tanja Banner
    VonTanja Banner
    schließen

Jeder vierte sonnenähnliche Stern verschlingt seine Planeten. Das kann bei der Suche nach Leben im Weltall nützlich sein, zeigt eine neue Studie.

Frankfurt – Manche Sterne verschlingen Planeten, die sie umkreisen – das weiß die Forschung bereits seit einiger Zeit. Doch wie häufig dieses Phänomen vorkommt, hat nun eine Studie untersucht, die im Fachjournal Nature Astronomy veröffentlicht wurde. Ein Team von Forschenden um den Astrophysiker Lorenzo Spina hat sich dazu 107 Doppelsternsysteme ausgesucht, bei denen sich die beiden Sterne in Masse und Temperatur kaum unterscheiden und gleichzeitig unserer Sonne ähneln. Ihre Theorie: Da die beiden Sterne eines Doppelsternsystems in derselben Staubwolke „geboren“ sind, sollten ihre chemischen Zusammensetzungen quasi identisch sein.

Verschlingt ein Stern einen Gesteinsplaneten, kann man dessen schwerere Elemente wie Eisen, Silizium oder Titan in den äußeren Schichten des Sterns nachweisen. „Wenn ein Stern ungewöhnlich reich an Eisen ist, aber nicht an Elementen wie Kohlenstoff oder Sauerstoff, kann man das als ein Zeichen für ein planetares Verschlingen interpretieren“, erklärt Studienleiter Spina. Auch ein hoher Lithium-Gehalt sei ein Anzeichen dafür: Lithium wird in Sternen nach der Entstehung rasch abgebaut, während es in Planeten erhalten bleibt. „Ein ungewöhnlich hohes Lithium-Level in einem Stern muss nach der Entstehung des Sterns aufgekommen sein“, schreibt Spina in einem Gastbeitrag auf dem Portal The Conversation. Das passe zu der Idee, dass das Lithium zu einem Planeten gehörte, bis der von einem Stern „gefressen“ wurde.

Blick ins Weltall: Jede vierte Sonne hat Planeten verschlungen

Für diesen Mechanismus, das „Verschlingen“ von Planeten, haben die Forschenden in ihrer Studie zahlreiche Hinweise entdeckt. Von den untersuchten 107 Doppelsternsystemen habe es bei 33 Sternenpaaren Auffälligkeiten gegeben: Einer der Sterne eines jeden Paares zeigte jeweils höhere Eisen-Werte und wies mehr Lithium auf. „Wir haben herausgefunden, dass 20 bis 35 Prozent der Sonnen-ähnlichen Sterne ihre eigenen Planeten essen, sehr wahrscheinlich sind es 27 Prozent“, schreibt Spina.

Das Ergebnis der Studie soll der Forschung künftig die Arbeit in einem großen Themenkomplex erleichtern: bei der Suche nach Leben im Universum. Seit vor etwa 30 Jahren die ersten Exoplaneten (Planeten außerhalb unseres Sonnensystems) entdeckt wurden, hat sich viel getan: Mittlerweile ist klar, dass Planetensysteme im Weltall keine Seltenheit sind, unzählige Exoplaneten wurden zwischenzeitlich entdeckt. Doch wie findet man in diesem Heuhaufen die Nadel – also den Planeten, auf dem Leben existiert?

Planeten-fressende Sterne kann man bei der Suche nach Leben im Weltall ausschließen, glaubt ein Astrophysiker. (Symbolbild)

Exoplaneten in chaotischen Systemen bei der Suche nach Leben ausschließen

Spina hat eine Idee: Ein wichtiger Punkt für die Entstehung von Leben auf der Erde war dem Astrophysiker zufolge die Stabilität in unserem Sonnensystem. Während es im Weltall zahlreiche Planetensysteme mit instabilen Umlaufbahnen gibt oder Systeme, in denen die Planeten regelrecht „Flipper“ spielen, sind die Umlaufbahnen der Planeten in unserem Sonnensystem stabil und beinahe kreisrund – was darauf hindeutet, dass sich seit der Entstehung der Planeten nur wenig daran geändert hat. Es könnte also sinnvoll sein, bei der Suche nach Leben im Universum Planetensysteme auszuschließen, in denen es chaotisch zugeht oder zuging, so Spinas Theorie.

Und hier kommt seine Forschung zu den planetenfressenden Sonnen ins Spiel: Die Planetensysteme, in denen der Stern Planeten verschlungen hat, dürften sehr chaotisch und dynamisch gewesen sein – möglicherweise wurden die „gefressenen“ Planeten von anderen Planeten in den Stern hineingestoßen oder sind aufgrund unstabiler Umlaufbahnen hineingefallen. Spinas Theorie zufolge könnte man also Sonnensysteme, deren Sonnen Planeten „gefressen“ haben, mittels chemischer Analysen identifizieren und von der Suche nach Leben im Universum ausschließen.

Suche nach Leben im Weltall: Wie Planeten-fressende Sonnen dabei helfen können

„Diese Ergebnisse sind ein Durchbruch in der stellaren Astrophysik und der Exoplaneten-Forschung“, schreibt Spina selbst zu seiner Forschung. Unterstützung bekommt er dabei von dem Astronomen Eric Mamajek, der am Jet Propulsion Laboratory der Nasa arbeitet und an der Studie nicht beteiligt war. „Das wird wahrscheinlich eine der klassischen Studien zu diesem Thema“, zitiert das Magazin Science den Astronomen. (Tanja Banner)

Weltraum-Newsletter

Was ist in der Astronomie los und was geschieht in der Raumfahrt? Der kostenlose FR-Newsletter rund ums Weltall hält Sie auf dem Laufenden.

Auch ein anderes Forschungsteam hat auf der Suche nach bewohnbaren Exoplaneten einen neuen Ansatz gefunden: Sie haben eine neue Planeten-Klasse identifiziert, die Leben in Ozeanen beherbergen könnte, obwohl diese Planeten der Erde gar nicht ähnlich sind. (Tanja Banner)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare