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Bei einer Mammographie wird die Brust mit Röntgenstrahlen untersucht.

Medizin

Warum in den USA Frauen Brustkrebs häufiger als in Deutschland überleben

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Experten plädieren für eine Ausweitung des Mammografie-Screenings in Deutschland. Diese Methode zur Erkennung von Brustkrebs ist aber umstritten.

  • In den USA überleben deutlich mehr Frauen eine Brustkrebs-Erkrankung als in Deutschland.
  • Vor allem bei älteren Frauen ist die Sterblichkeitsrate in Deutschland laut einer Studie höher.
  • Eine frühe Diagnose und regelmäßige Vorsorge sind die wichtigsten Faktoren im Kampf gegen Brustkrebs.

Die Chancen, Krebs zu überleben, sind weltweit höchst unterschiedlich – und in den reichen Industrienationen im Allgemeinen wesentlich besser als in ärmeren Ländern. Die USA und Deutschland zählen zur Spitzengruppe, hier leben Menschen, die mit der gefürchteten Diagnose konfrontiert wurden, im internationalen Durchschnitt besonders lange. Bei Brustkrebs, der häufigsten Krebserkrankung von Frauen, liegt Deutschland allerdings seit Jahrzehnten deutlich hinter den Vereinigten Staaten.

Studie zu Brustkrebs: In den USA sterben weniger Frauen an Brustkrebs

Das hat eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Gesellschaft der Epidemiologischen Krebsregister in Deutschland ergeben. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sahen sich dafür die Rate der Neuerkrankungen und der Sterblichkeit von Brustkrebs sowie das Fünf-Jahres-Überleben zwischen 1975 und 2015 in den beiden Ländern an. Sie stellten fest, dass in den USA in diesem Zeitraum zwar mehr Frauen an Brustkrebs erkranken, der Anteil der Patientinnen, die daran sterben, jedoch „deutlich geringer“ ist – und das bereits seit den 1990er Jahren, wie Lina Jansen, eine der Studienautorinnen, erklärt. Die größten Unterschiede beobachtete das Forscherteam bei den älteren Frauen. Bei den über 70-Jährigen lag die Rate der Neuerkrankungen in den USA um 19 Prozent über der deutschen, die Sterblichkeit war dort jedoch um 45 Prozent niedriger als in der Bundesrepublik. Das entspricht 87 weniger Brustkrebsdiagnosen, aber 46 mehr Sterbefällen pro 100 000 Frauen in Deutschland.

Auffällig ist auch ein anderes Ergebnis der Untersuchung, das zu diesen Zahlen passt: Demnach erhielten 29 Prozent der älteren Frauen in Deutschland die Diagnose in einem fortgeschrittenen Stadium, in den USA waren es nur 15 Prozent, hier wurde der Tumor im Durchschnitt wesentlich früher erkannt.

Prävention bei Brustkrebs: Vorsorge und Früherkennung sind die wichtigsten Faktoren

Aus diesem Grund, so die Schlussfolgerung des Forscherteams, überlebten denn auch in den USA mehr als 90 Prozent der Patientinnen die ersten fünf Jahre nach der Diagnose, neun Prozent mehr als in Deutschland.

Die gravierenden Unterschiede zwischen den USA und Deutschland ließen sich allerdings nur bei Frauen über 70 beobachten, bei den 50- bis 69-Jährigen glichen sich im Verlauf des Untersuchungszeitraums Neuerkrankungsrate, Sterblichkeit und Fünf-Jahres-Überlebensrate an.

Studienleiter Hermann Brenner vom DKFZ führt die Unterschiede bei der Sterblichkeit der älteren Patientinnen nicht auf eine möglicherweise schlechtere medizinische Versorgung Krebskranker in Deutschland zurück. „Die Hauptursache für die erhebliche Differenz dürfte die spätere Einführung und die geringere Inanspruchnahme des Mammografie-Screenings in Deutschland sein“, sagt er. Das Studienergebnis unterstreiche „einmal mehr, wie wichtig Vorsorge und Früherkennung für eine verbesserte Krebsbekämpfung sein können“.

Mammografie zur Früherkennung von Brustkrebs: Die Methode ist nicht unumstritten

In diesem Punkt sieht der Präventionsexperte in Deutschland „noch weiteren erheblichen Forschungsbedarf“. Hierzulande werden gesetzlich versicherte Frauen im Alter zwischen 50 und 69 alle zwei Jahre zum Mammografie-Screening eingeladen. In den USA wird ebenfalls alle zwei Jahre eine Mammografie für Frauen zwischen 50 und 74 empfohlen.

Allerdings ist die Mammografie nicht unumstritten und wird nicht für alle Frauen als optimale Methode der Früherkennung angesehen. Kritikpunkte sind neben der Belastung mit Röntgenstrahlung das Risiko von falsch-positiven Befunden und Überdiagnosen, die schlimmstenfalls zu einer Behandlung führen können, die nicht notwendig gewesen wäre.

Vor allem für jüngere Frauen mit dichtem Drüsengewebe ist die Mammografie weniger gut geeignet. Eine Alternative oder Methode zur zusätzlichen Abklärung kann Ultraschall sein. Einige Expertinnen und Experten sehen im verstärkten Einsatz hochmoderner Magnetresonanztomografie (MRT) ein Verfahren der Zukunft, bislang ist das allerdings noch zu aufwendig und zu teuer.

Zahl der Brustkrebsdiagnosen steigt weltweit – aber auch die Heilungschancen

Weltweit haben im Jahr 2018 mehr als zwei Millionen Frauen die Diagnose Brustkrebs erhalten. In vielen Teilen der Welt ist die Zahl der Patientinnen mit Mammakarzinom in den vergangenen Jahrzehnten stetig gestiegen, so auch in Deutschland. Nach heutigem Wissensstand hat diese Entwicklung vor allem damit zu tun, dass Frauen in den reichen Ländern weniger und später Kinder bekommen. Auch Hormontherapien nach den Wechseljahren spielen eine Rolle, ebenso kann Rauchen und Übergewicht das Risiko für Brustkrebs* erhöhen. Die Einführung der Screening-Programme ab den 2000er Jahren hat zudem dazu geführt, dass mehr Krebsfälle entdeckt werden.

Gleichzeitig mit der steigenden Zahl der Erkrankungen sind aber auch die Überlebenschancen gerade bei Brustkrebs gestiegen. Ob eine Frau geheilt wird oder mit ihrer Krankheit zumindest lange leben kann, hängt von einer Reihe verschiedener Faktoren ab. Eine wesentliche Rolle spielt der Zeitpunkt der Diagnose.

Dabei gilt grundsätzlich wie bei allen Krebsarten: je früher, desto besser. Allerdings ist Brustkrebs nicht gleich Brustkrebs. Es gibt sehr langsam wachsende Tumore, bei denen die Heilungschancen groß sind, aber auch sehr aggressive, deren rasantes Wachstum selbst dann schwer einzudämmen ist, wenn sie in einem frühen Stadium gefunden werden. (Von Pamela Dörhöfer)

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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