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Booster-Impfung schützt nur kurze Zeit vor Omikron - Studie nennt neue Corona-Details

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Von: Pamela Dörhöfer

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Studien aus verschiedenen Ländern zeigen: Die Omikron-Variante des Coronavirus macht nach einigen Wochen auch vor Geboosterten keinen Halt mehr.

Frankfurt – Auch eine dritte Impfung schützt offenbar nicht auf Dauer vor einer Infektion mit der hochansteckenden Omikron-Variante des Coronavirus. Das zeigen aktuelle Daten der britischen Gesundheitsbehörde sowie Studien aus verschiedenen Ländern.

So soll laut dem Bericht der UK Health Security Agency vom 23. Dezember die Wirksamkeit einer Booster-Dosis bei Omikron um 15 bis 25 Prozent nach zehn Wochen sinken. Die Werte variieren je nach Vakzin; mit Abstand am besten schnitt ein Booster mit Moderna ab.

Booster-Impfung
Die Wirksamkeit einer Booster-Dosis bei Omikron sinkt laut einer Studie nach zehn Wochen um 15 bis 25 Prozent. Die Werte variieren je nach Impfstoff – mit Abstand am besten schnitt ein Booster mit Moderna ab. © Moritz Frankenberg/dpa

Corona: Omikron-Studien – So wirken die Booster-Impfungen

Die Ergebnisse im Einzelnen: Bei Menschen, die als Grundimmunisierung zwei Dosen des Vektorimpfstoffs von Astrazeneca erhalten hatten, sank die Effektivität von 60 Prozent auf 35 Prozent, wenn mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer geboostert wurde, und auf 45 Prozent bei einer Auffrischung mit Moderna.

Coronatheorien von Forschern: Wen es erwischt und wer verschont bleibt

Bei denjenigen, die eine Grundimmunisierung mit Biontech/Pfizer erhalten hatten, reduzierte sich die Wirksamkeit nach einer Auffrischung mit dem gleichen Vakzin von 70 auf 45 Prozent. Wurde mit dem Vakzin von Moderna geboostert, blieb die Wirksamkeit bis neun Wochen nach der Auffrischung bei einem Wert von 70 bis 75 Prozent. Da in Großbritannien nur wenige Menschen eine Grundimmunisierung mit Moderna erhalten hatten, floss dieses Impfschema nicht in die Erhebung ein.

Britische Daten zeigen: Corona-Variante Omikron kann auch Genesene treffen

Die Daten aus dem Vereinigten Königreich zeigen auch, dass nicht nur der Schutz durch die Impfstoffe, sondern auch der nach einer durchgemachten Infektion bei Omikron sinkt. Bei 9.5 Prozent der Omikron-Fälle gab es demnach eine bestätigte Corona-Infektion in der Vorgeschichte – wobei man bei der Gesundheitsbehörde davon ausgeht, dass der tatsächliche Anteil der Reinfektionen deutlich höher liegt.

Einen konkreten Omikron-Ausbruch (mit symptomatischen Verläufen) unter dreifach geimpften und getesteten Menschen beschreibt eine Studie von Forschenden der Universität, des Klinikums und der Gesundheitsbehörde der Färöer Inseln. Sie ist am 23. Dezember preprint auf „medRxiv“ erschienen und noch nicht begutachtet worden. Besagter Ausbruch ereignete sich bei einem privaten Treffen Anfang Dezember, 21 von 33 bereits geboosterten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiten des Gesundheitswesens infizierten sich.

Infiziert trotz Booster-Impfung: Omikron führte häufig zu Muskel- und Gelenkschmerzen

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war das Virusgenom in 13 der Proben sequenziert und als Omikron identifiziert worden; bei den restlichen Fällen, gehe man davon aus, dass es sich ebenfalls um diese Variante handele, heißt es. Alle Infizierten seien vollständig mit Biontech/Pfizer geimpft gewesen und hätten innerhalb der letzten zweieinhalb Monate eine dritte Dosis erhalten. Von niemandem war eine frühere Corona-Infektion bekannt. Außerdem hatten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer 36 Stunden vor dem Treffen einen Test gemacht, die meisten davon einen PCR-Test.

Bei allen Infizierten seien Symptome aufgetreten, am häufigsten Muskel- und Gelenkschmerzen, Müdigkeit und Fieber. Die Beschwerden hielten bei den meisten zwischen einem Tag und neun Tagen an, fünf Personen berichteten auch am Ende der Beobachtungszeit noch über anhaltende Symptome. In eine Klinik musste niemand. Die Forschenden weisen aber darauf hin, dass es nicht möglich sei, die Einweisungsrate ins Krankenhaus oder die Sterberate aus dieser kleinen Studie zu bestimmen. Auffällig ist auch die im Vergleich zu früheren Varianten kürzere Inkubationszeit: Sie betrug durchschnittlich drei Tage (vorher etwa sechs Tage).

Corona-Infektionsrisiko bei Omikron: Auch nach Booster-Impfung weiter vorhanden

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Omikron-Variante starke Immunflucht-Eigenschaften aufweist und dass sogar Personen, die kürzlich geboostert wurden, einem Infektionsrisiko ausgesetzt sind“, schreiben die Autorinnen und Autoren. Es sei aber „wahrscheinlich“, dass die Impfung auch bei Omikron vor schweren Erkrankungen schütze. Unklar sei, ob sich die Ergebnisse der Studie auf Menschen übertragen ließen, die weder eine Infektion durchgemacht haben noch geimpft sind. Dazu seien weitere Untersuchungen erforderlich.

Ebenfalls einen konkreten Ausbruch mit Omikron unter Geboosterten behandelt eine Studie aus Südafrika, an der der Virologe Wolfgang Preiser von der University of Stellenbosch beteiligt war, der Mitglied des Forschungskonsortiums ist, das die Variante im November entdeckt hat. Im Mittelpunkt der im „Social Science Research Network“ veröffentlichten Arbeit steht eine siebenköpfige geboosterte deutsche Reisegruppe. Fünf haben alle drei Impfungen mit Biontech/Pfizer bekommen, einer wurde zweimal mit Biontech/Pfizer geimpft und dann mit Moderna geboostert, einer erhielt als erste Dosis Astrazeneca sowie als zweite und dritte Biontech/Pfizer. Die Auffrischung hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Oktober oder November erhalten. Sechs sind jünger als 30 Jahre, einer ist 39, niemand hatte relevante Vorerkrankungen.

Weitere Omikron-Studien: Unterwandern von Booster-Impfung bestätigt

Auch in diesem Fall entwickelten alle Infizierten Symptome, die durchweg mild ausfielen. Die geschilderte Palette ist allerdings umfangreicher. Am häufigsten genannt wurden Halsschmerzen (85,7 Prozent), gefolgt von Müdigkeit und Kopfschmerzen, außerdem trockener Husten, Druck auf Brust und Nebenhöhlen, Schnupfen und Übelkeit. Ein Infizierter litt unter Nachtschweiß, in einem Fall traten Geruchs- und Geschmacksstörungen auf.

In zwei weiteren vor Weihnachten erschienenen, allerdings auf Labortests basierenden Studien wird Omikron ebenfalls die Fähigkeit bescheinigt, den Immunschutz unterlaufen zu können. So stellten Forschende der Universität Hongkong in ihrer im Fachmagazin „Nature“ veröffentlichten Studie fest, dass Omikron resistent gegen die Neutralisation durch die Seren von doppelt und dreifach Geimpften sowie von Genesenen ist. Außerdem kann Omikron auch monoklonalen Antikörpern entwischen kann, wie sie zur Therapie von Covid-Patientinnen und -Patienten mit Risiko für einen schweren Verlauf zugelassen sind. Die Schlussfolgerung des Teams aus Hongkong lautet: Die Omikron-Variante zwinge zur Entwicklung „neuer Interventionen, die die evolutionäre Entwicklung von Sars-CoV-2 vorwegnehmen“.

Corona-Studie aus Innsbruck – Omikron ist nicht unbesiegbar

Immerhin: Ein Team der Universität Innsbruck stellte in einer auf „medrxiv“ veröffentlichten Studie fest, dass das Serum von „Superimmunen“ – Menschen, die geimpft sind und eine Infektion überstanden haben – die Variante zumindest teilweise neutralisieren konnte.

Die Hersteller verschiedener Impfstoffe arbeiten bereits an Vakzinen, die an die Omikron-Variante angepasst sind. Wann diese auf den Markt kommen, ist allerdings noch unklar. Israel hat vor einer Woche derweil als erstes Land eine vierte Dosis für Menschen ab 60 Jahren empfohlen und inzwischen damit begonnen, diese an 150 Angestellten eines großen Klinikums zu testen. (pam)

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