+
Bio oder günstig? Die meisten Kunden bevorzugen Letzteres.

Studie

Bogen um den Biowein

  • schließen

Forscherin untersucht widersprüchliches Konsumverhalten: Denn zwischen guten Absichten und realem Verhalten klafft eine Lücke.

Dass Bioprodukte oft höherwertig sind, ist den meisten Verbrauchern bekannt – und doch greifen sie trotz dieses Wissens nicht selten zu konventionellen Produkten. Dieses Kaufverhalten – die so genannte Einstellungs-Verhaltenslücke“ – lässt sich auch bei Biowein beobachten. Welche Faktoren dabei eine Rolle spielen, hat Isabel Schäufele von der Universität Kassel in ihrer Doktorarbeit untersucht. Für die beste agrarökonomische Dissertation 2019 in Deutschland ist die Wissenschaftlerin vor kurzem vom Thünen-Institut in Braunschweig ausgezeichnet worden.

Werden Kunden befragt, ob sie Bio-Produkte kaufen, äußern sie sich in der Regel sehr positiv zu ihren Kaufabsichten. In der Realität landen derzeit aber lediglich nur knapp sechs Prozent Bio-Lebensmitteln in den Warenkörben – verglichen mit den Gesamtumsatz in der Nahrungsmittelbranche.

Diese Lücke zwischen guten Absichten und realem Verhalten erklären Experten damit, dass Befragte in Umfragen tendenziell die Erwartungen an sich selbst oder die Erwartungen ihrer sozialen Umgebung an ihr Kaufverhalten angeben als die Lebensmittel, die sie tatsächlich kaufen.

Geringe Verfügbarkeit

Schäufele verglich in ihrer Studie erstmals das Verbraucherverhalten mit realen Kaufdaten von Bioweinen. Sie nutzte dabei Daten zu Einkäufen von rund 30 000 deutschen Privathaushalten, zu deren Einstellungen und den soziodemografischen Hintergründen, die die Gesellschaft für Konsumforschung fortlaufend erhebt: Demnach ist für Kunden mit geringem Einkommen der höhere Preis ein Kaufhindernis. Bei Konsumenten mit mittlerem und höherem Einkommen waren dagegen die geringe Verfügbarkeit und Auswahl beim Einkaufen maßgebend dafür, dass es bislang nur eine verhältnismäßig kleine Kundschaft für Biowein – zwölf Prozent der Weinkonsumenten – gibt, die wiederum nur fünf Prozent für das biologisch erzeugte Genussmittel ausgeben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare