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Raumschiff „CST-100 Starliner“ von Boeing auf dem Weg zur ISS – Wichtiger Test für die Nasa

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Von: Tanja Banner

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Das Boeing-Raumschiff „CST-100 Starliner“ wartet auf der „Atlas-V“-Rakete auf seinen großen Auftritt: Den Start des Testflugs zur Internationalen Raumstation ISS.
Das Boeing-Raumschiff „CST-100 Starliner“ wartet auf der „Atlas-V“-Rakete auf seinen großen Auftritt: Den Start des Testflugs zur Internationalen Raumstation ISS. © NASA/Joel Kowsky/dpa

Das Boeing-Raumschiff „CST-100 Starliner“ ist auf dem Weg zur ISS. Der erste Versuch ist krachend gescheitert – doch nun sieht bisher alles gut aus.

Update vom Freitag, 20. Mai, 09.00 Uhr: Der erste Meilenstein ist geschafft, das Raumschiff „CST-100 Starliner“ von Boeing ist in der Nacht von Donnerstag auf Freitag in Cape Canaveral gestartet und befindet sich mittlerweile im richtigen Orbit, um die Internationale Raumstation zu erreichen. „Ich bin so stolz auf die Teams von Nasa, Boeing und United Launch Alliance, die so hart gearbeitet haben, um ‚Starliner‘ auf den Weg zur Internationalen Raumstation zu bringen“, betonte Nasa-Chef Bill Nelson nach dem Start. „Ich freue mich auf einen erfolgreichen Ende-zu-Ende-Test des ‚Starliner‘-Raumschiffs, der uns dabei helfen wird, Missionen mit Astronauten an Bord möglich zu machen.“

Es ist geplant, dass der „Starliner“ in der Nacht von Freitag auf Samstag (1.10 Uhr MESZ am Samstagmorgen) an der ISS andockt. Mehrere Stunden später (17.45 Uhr am Samstag, 21. Mai) soll die aktuelle ISS-Besatzung die Luke des Raumschiffs öffnen. Anschließend sollen zahlreiche Tests durchgeführt werden, der „Starliner“ soll dafür fünf bis zehn Tage an der ISS angedockt bleiben, bevor das Raumschiff zur Erde zurückkehrt.

Boeing-Raumschiff „Starliner“ muss letzten Test für die Nasa absolvieren

Erstmeldung vom Donnerstag, 19. Mai: Cape Canaveral – Zweieinhalb Jahre sind vergangen, seit das Luft- und Raumfahrtunternehmen Boeing erstmals versuchte, sein Raumschiff „CST-100 Starliner“ zur Internationalen Raumstation (ISS) fliegen zu lassen. Der erste Versuch scheiterte im Dezember 2019 krachend: Nach dem Start kam es zu einem Problem bei der automatischen Zündung der Antriebe, wodurch das Raumschiff zu viel Treibstoff verbrauchte und den geplanten Orbit und die ISS nicht mehr erreichen konnte. Das Raumschiff landete früher als geplant wieder auf der Erde. Ein zweiter Test im Jahr 2021 wurde kurz vor dem Start abgesagt.

Nun unternimmt Boeing den nächsten Anlauf, um mit seinem Raumschiff erstmals die Internationale Raumstation zu erreichen. Der „Starliner“ soll am 20. Mai um 0.54 Uhr (MESZ) vom Weltraumbahnhof in Cape Canaveral, Florida abheben, befördert wird er von einer Atlas-V-Rakete der United Launch Alliance (ULA). „Wir haben alle unsere Prüfungen abgeschlossen, die Luke ist geschlossen, alle Ventile haben ordnungsgemäß funktioniert. Wir sind also in guter Verfassung“, erklärte Mark Nappi, zuständiger „Starliner“-Manager bei Boeing auf einer Pressekonferenz.

Boeing testet Raumschiff „CST-100 Starliner“ – Dritter Versuch, die ISS zu erreichen

Etwa 24 Stunden nach dem Start soll der „Starliner“ von Boeing die Internationale Raumstation ISS erreichen – mit dabei hat das Raumschiff Nasa-Fracht und Vorräte für die Crew, die derzeit an Bord der Raumstation lebt. Geplant ist, dass der „Starliner“ auf Herz und Nieren getestet wird – ein sogenannter „Ende-zu-Ende-Test“, bei dem vom Start in Cape Canaveral bis zur Landung in der Wüste alles genau geprüft wird. Das Ziel ist, die Genehmigung der Nasa zu erhalten, dass mit dem Raumschiff künftig Menschen befördert werden dürfen. Denn der „Starliner“ soll neben der Raumkapsel „Crew Dragon“ von SpaceX die zweite Möglichkeit der Nasa darstellen, künftig Astronaut:innen zur Internationalen Raumstation zu transportieren.

Erreicht der „Starliner“ die Internationale Raumstation dieses Mal tatsächlich, soll das Raumschiff dort fünf bis zehn Tage lang angedockt bleiben, bevor es zur Erde zurückkehrt. Geplant ist, dass die aktuelle ISS-Crew das Raumschiff mit Fracht belädt, die zur Erde zurückgebracht werden soll.

Nasa-Programm „Commercial Crew“: Boeing vs. SpaceX

Boeing hat einiges aufzuholen, denn das Unternehmen steht in direkter Konkurrenz zum privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX von Milliardär Elon Musk. Beide Unternehmen hatten von der Nasa gleichzeitig Verträge im sogenannten „Commercial Crew Program“ erhalten, bei dem es darum ging, Raumschiffe zu entwickeln, mit denen künftig Astronaut:innen zur ISS und zurück transportiert werden können. Während SpaceX den Raumtransporter „Dragon“ zur Crewkapsel „Crew Dragon“ umbaute, fing Boeing bei der Entwicklung ganz von vorne an.

SpaceX hat die Probleme von Boeing genutzt und ist mittlerweile weit davongezogen: Während der „Starliner“ noch nie den kompletten Weg zur ISS zurückgelegt hat, haben SpaceX-Kapseln bereits sechs Mal Astronaut:innen zur ISS gebracht: Im ersten Anlauf eine zweiköpfige Test-Crew, anschließend folgten vier Flüge mit jeweils vier Astronaut:innen im Auftrag der Nasa, sowie eine komplett private Mission zur ISS. Außerdem hat SpaceX die „Crew Dragon“ bereits einmal genutzt, um Weltraumtourist:innen mehrere Tage lang um die Erde kreisen zu lassen – weitere private Missionen zur ISS und in die Erdumlaufbahn sind geplant.

„CST-100 Starliner“ von Boeing soll für die Nasa Menschen zur ISS befördern

Gelingt Boeing der Test des Raumschiffs „Starliner“, hat die Nasa ihr Ziel, das sie mit dem „Commercial Crew Program“ verfolgt, erreicht: Der Raumfahrtorganisation stehen dann zwei unterschiedliche Systeme zur Verfügung, mit denen Astronaut:innen ins Weltall transportiert werden können – eine sehr komfortable Situation im Vergleich zur näheren Vergangenheit. Mit dem Ende des „Space Shuttle“-Programms im Sommer 2011 hatte die Nasa keine Möglichkeit mehr, selbst Astronautinnen und Astronauten zur Internationalen Raumstation zu befördern. Die stolze Weltraumnation USA war plötzlich abhängig von den russischen Sojus-Raumkapseln.

Das „Commercial Crew Program“ sollte das Problem lösen und schaffte es: 2020 bewies SpaceX, dass die „Crew Dragon“ in der Lage ist, Menschen zur ISS zu befördern – die Abhängigkeit der USA von Russland war zu Ende. Nun möchte Boeing mit dem „Starliner“ nachziehen – getreu dem Motto „aller guten Dinge sind drei“ soll der Test im dritten Anlauf gelingen. (tab)

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