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Zudem führe Tempo 130 auch zu weniger Staus und zu weniger Verkehrstoten.

Ökologisch

Wir brauchen das Tempolimit

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Mit einer Tempobremse bei 130 Stundenkilometern könnten in Deutschland zwei Millionen Tonnen CO2 jährlich eingespart werden. Studien belegen, dass eine geringere Durchschnittsgeschwindigkeit die Zahl der Verkehrstoten um 20 Prozent senken kann. Das ist der CDU aber egal. Die FR-Kolumne „Ökologisch“.

Heiligs Blechle. Ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen. Gott Bewahre! Wo kämen wir denn da hin. So oder zumindest so ähnlich argumentierte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Steffen Bilger, im Petitionsausschuss des Bundestages. Weder für den Klimaschutz noch für mehr Verkehrssicherheit sei es sinnvoll, die Tempobremse einzuführen, sagte der CDU-Politiker, der also von einer christlichen Partei kommt.

Letzteres ist insofern von Bedeutung, als ausgerechnet ein Kirchenmann der Initiator der Petition ist, die in der Sitzung verhandelt wurde. Christian Fuhrman, Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, trug die Argumente vor, die mehr als 65 000 Unterstützer richtig fanden. Ein solches Tempolimit sei ein „sofort umsetzbarer und kostengünstiger Beitrag, um die CO2-Emissionen zu senken“. Mit einer Tempobremse bei 130 Stundenkilometern könnten in Deutschland zwei Millionen Tonnen CO2 jährlich eingespart werden.

Tempobremse bei 130 km/h

Der EKD-Mann räumte ein: Damit alleine kann das Klima nicht gerettet werden. Allerdings dränge die Zeit. „Wir können es uns schon lange nicht mehr leisten, nicht auch kleine Schritte zu gehen.“ Zudem führe Tempo 130 auch zu weniger Staus und zu weniger Verkehrstoten. Außer der Bundesrepublik hätten deswegen alle Staaten der EU ein Tempolimit eingeführt. Fachliche Unterstützung bekam Fuhrmann denn auch aus der Wissenschaft. Verkehrsexperte Thorsten Koska verwies auf Studien, wonach bereits eine um fünf Prozent geringere Durchschnittsgeschwindigkeit die Zahl der Verkehrstoten um 20 Prozent senken kann. Eine Feldstudie in Brandenburg habe sogar gezeigt, dass Tempolimits auf vorher Freifahrt-Autobahnstrecken hier sogar eine Halbierung brachten.

Für Bilger aber kann wohl nicht sein, was nicht sein darf. Die Autobahnen seien hierzulande sicherer als anderswo in der EU, argumentierte er. Eintöniges Fahren sei „nicht zuträglich für die Sicherheit“. Also lieber Bleifuß und Stotterbremse statt Sekundenschlaf? Die Erkenntnisse der Verkehrsforschung ignoriert er souverän, ein generelles Tempolimit sei eine „Lösung aus der Vergangenheit“, und das Argument, dass eine motorisch abgerüstetet Autoflotte auch viel klimafeundlicher wäre, spielt bei ihm schon gar keine Rolle.

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