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Auch, wenn immer mehr Menschen umsatteln: Um die Klimaschutzziele zu schaffen, reicht das nicht.

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Es gibt viele Ideen zur Lösung des Verkehrsproblems – nur werden sie bisher kaum umgesetzt.

Tempolimit, nein danke“ – unter diesem Motto sammelt derzeit die CSU Unterschriften gegen eine generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Abgesehen davon, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung nur eine von vielen Maßnahmen sein kann, den Verkehr klimafreundlicher zu machen, zeigt die hoch emotionale Debatte gut, warum Klimaschutz im Verkehr so schwierig ist: Um den Verkehr klimaschonender zu machen, müssen fast alle ihre Gewohnheiten ändern, was Widerstände hervorruft. Außerdem gibt es – anders als bei der Umstellung auf erneuerbare Energien im Stromsektor – nicht die eine offensichtliche Lösung.

Allerdings ist Klimaschutz im Verkehr nötig. Denn zwischen 1970 und 2015 hat sich der Treibhausgasausstoß weltweit in diesem Sektor mehr als verdoppelt, und mehr als 80 Prozent dieser Zunahme wurde durch den Straßenverkehr verursacht. Inzwischen gibt es mehr als eine Milliarde Autos auf der Erde.

Wenn sich nicht grundlegend etwas ändert, könnte der Verkehrsbereich alle Klimaschutz-Bemühungen in anderen Sektoren – etwa bei den Kraftwerken oder in der Industrie – zunichte machen: Der OECD-Thinktank „International Transport Forum“ geht davon aus, dass sich der Personenverkehr global bis zum Jahr 2050 verdreifachen wird, genauso wie der Frachtverkehr. Selbst mit derzeitigen und erwarteten Klimaschutz-Maßnahmen prognostiziert er in einer Studie einen Anstieg der CO2-Emissionen im Verkehr um 60 Prozent.

In Deutschland dreht sich die Diskussion um die Verkehrswende heute vor allem darum, was den Verbrennungsmotor der Autos ersetzen soll. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) empfiehlt in einer Studie, Otto- und Diesel- wo immer möglich durch Elektroantriebe zu ersetzen.

Elektromotoren haben einen relativ hohen Wirkungsgrad und setzen lokal keine Schadstoffe frei. Synthetische Kraftstoffe, die mit erneuerbaren Energien hergestellt werden, oder Biokraftstoffe sollen nur dort verwendet werden, wo eine Elektrifizierung nicht möglich ist, zum Beispiel im Luft- und Seeverkehr. Außerdem müssten alle Fahrzeuge effizienter werden, fordert der SRU.

Mobil, aber anders

Allerdings reicht es nicht, einfach alle Autos, die heute auf der Straße sind, durch Elektroautos zu ersetzen. Verkehrswissenschaftler sind sich einig, dass es weniger Fahrzeuge geben muss. Eine Hoffnung für den Verkehr in den Städten liegt im Car-Sharing. Aber nicht nur Autos können geteilt werden, auch Fahrräder, Roller und Tretroller, wie verschiedene Leihsysteme zeigen. Außerdem müssen natürlich der öffentliche Nahverkehr und die Radwege ausgebaut werden. Der Klimanutzen des autonomen Fahrens, an dem Auto- und Digitalkonzerne arbeiten, ist hingegen umstritten – selbstfahrende Autos könnten auch zu mehr Verkehr führen.

Aber selbst wenn es weniger Autos gibt und die Menschen in Bus und Bahn oder aufs Fahrrad wechseln – um die Klimaschutzziele zu schaffen, reicht das nicht. Nach Ansicht von Wissenschaftlern müssen auch die zurückgelegten Strecken kürzer werden. Das Umweltbundesamt hat die „Stadt der kurzen Wege“ in einer Studie beschrieben: Hier soll eine Person im Schnitt nur noch 28 Kilometer pro Tag zurücklegen – das ist etwa ein Viertel kürzer als heute. Möglich werden soll das durch Nachverdichtung – also Bebauung von Brachflächen und Baulücken. Öffentlicher Verkehr und Radschnellwege sollen die Zentren des Umlands mit den Städten verbinden.

Für die Verkehrswende auf dem Land schlagen Experten ein Schnellbus-System vor, das die Städte verbindet, Zubringerbusse sollen Dörfer anbinden. Entlastung kann auch das private Carsharing bringen, wie es derzeit in Projekten wie „Carla“ im thüringischen Wartburgkreis getestet wird. Auch der Ausbau von Radwegen an den häufig gefährlichen Landstraßen wird empfohlen.

Die Herausforderungen der Verkehrswende sind groß, doch der Umbau hilft nicht nur dem Klima, er bringt auch mehr Lebensqualität: Fahrradfahren ist gesund, Bahnfahren entspannt (meistens), und mit weniger Autos bleibt mehr Platz für die Menschen, während die Schadstoff- und Lärmbelastung sinkt.

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