Ghana, Accra: Ein Mann sammelt verwertbaren Plastikmüll am verschmutzten Korle Gono Strand.
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Ghana, Accra: Ein Mann sammelt verwertbaren Plastikmüll am verschmutzten Korle Gono Strand.

Kolumne Öko-logisch

Bioplastik ist nicht umweltfreundlicher

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Eine Studie zeigt, dass der „grüne“ Kunststoff nicht automatisch die bessere Alternative zu konventionellem Plastik aus Erdöl ist.

Es wirkt, wenn irgendwo „bio“ drauf steht. Ob Tomaten, Waschmittel oder Baumwolle. Umweltbewusste Verbraucher greifen gerne zu, auch wenn es teurer ist. Und meistens fahren sie gut dabei. Die Erwartung, etwas für Umwelt, Klima und nicht zuletzt für die eigene Gesundheit zu tun, wird erfüllt. Das gute Gewissen gibt es gratis dazu.

Bei „Bio-Plastik“ ist die Sache leider komplizierter, was eine neue Studie untermauert. In ihr geht es um die Chemikalien, die sich in dem Material finden, das etwa für „Öko“- Plastiktüten oder -Joghurtbecher genutzt wird. Sie zeigt, dass der „grüne“ Kunststoff nicht automatisch die umweltfreundliche Alternative zu konventionellem Plastik aus Erdöl ist, wie viele glauben.

Mitunter ist Erdöl enthalten

Bio-Kunststoffe werden meist aus erneuerbaren Rohstoffen wie Mais, Zuckerrohr oder Cellulose gewonnen. Aber auch Erdöl-Plastik darf „bio“ genannt werden, wenn es nach dem Gebrauch kompostiert werden kann. Ein Vorteil der biobasierten Kunststoffe ist, dass für sie kein Erdöl verbraucht wird; Herstellung und Entsorgung sparen CO2. Der Anbau der Rohstoffe ist aber aufwendig und energieintensiv. Stammen sie aus industrieller Landwirtschaft, kommt die Belastung mit Pestiziden hinzu. Das Umweltbundesamt urteilt deswegen: Bioplastik sei „noch längst nicht umweltfreundlicher als herkömmliche Kunststoffe“.

FR-Autor Joachim Wille.

Doch auch die Hoffnung trügt, Bio-Plastik sei wenigstens in Bezug auf die chemische Zusammensetzung weniger bedenklich. Das Frankfurter Institut für Sozial-Ökologische Forschung (ISOE) hat mit zwei Partnern eine aufwendige Laborstudie dazu gemacht. Untersucht wurden unter anderem Einweggeschirr, Trinkflaschen, Schokoladenverpackungen und Weinkorken. Ergebnis: Drei Viertel der untersuchten Produkte erhielten schädliche Chemikalien, die in den Laborversuchen giftig auf Zellen wirken oder hormonähnliche Effekte hervorrufen - genauso viel wie bei herkömmlichem Plastik.

Ein ernüchterndes Ergebnis. „Bio“ ist hier also nicht automatisch öko. Das ISOE warnt: „Für Verbraucher*innen ist nicht nachvollziehbar, ob sie im Alltag mit bedenklichen Chemikalien in Berührung kommen - egal ob konventionell oder ,bio‘“. Fazit: Plastik, ob aus Erdöl oder nicht, darf nur mit unbedenklichen Substanzen produziert werden. Potenziell krankmachende Stoffe haben darin nichts zu suchen.

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