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Biontech-Gründer: Krebs-Impfstoffe sind „vor 2030“ möglich

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Von: Tanja Banner

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Die Biontech-Gründer können sich vorstellen, dass bereits „vor 2030“ Impfstoffe gegen Krebs verfügbar sind. Ihr Unternehmen arbeitet seit Jahren daran.

Mainz – Lange bevor das Mainzer Unternehmen Biontech mit einem mRNA-Impfstoff gegen Corona für Aufsehen sorgte, beschäftigte sich die Firma um das Wissenschaftler-Ehepaar Uğur Şahin und Özlem Türeci mit dem Thema Krebs. Das Ziel: sie wollten Behandlungen für die individualisierte Krebsimmuntherapie entwickeln und herstellen. 2012 folgte die erste klinische Phase-1-Studie mit einer RNA-Immuntherapie für Patient:innen mit Melanomen und die Forschung ging weiter.

Durch die Corona-Pandemie sind Şahin und Türeci bekannt, sie haben unter anderem den renommierten Paul-Ehrlich-Preis erhalten. Biontech ist mittlerweile ein namhaftes Unternehmen in Deutschland, das sich auch weiterhin mit der Behandlung von Krebs beschäftigt. Derzeit laufen mehrere Studien, in einer davon erhalten die Teilnehmenden eine personalisierte Impfung, um ihr Immunsystem dazu zu bringen, den Krebs anzugreifen. Auch hier kommt die mRNA-Technologie zum Einsatz: Während beim Corona-Impfstoff Comirnaty der „Bauplan“ des Spike-Proteins des Coronavirus in den Körper geschickt wird, ist es bei Krebs ein Marker von der Oberfläche der Tumor-Zellen. So soll das Immunsystem lernen, die betroffenen Zellen zu erkennen und sie zu zerstören.

Biontech-Gründenden wollen Krebs mit mRNA-Impfstoff bekämpfen

Gegenüber der BBC erklärt Türeci, medizinische Geschäftsführerin von Biontech: „mRNA fungiert als Blaupause und ermöglicht es, dem Körper mitzuteilen, dass er das Medikament oder den Impfstoff produzieren soll. Wenn man mRNA als Impfstoff verwendet, ist die mRNA eine Blaupause für das ‚Fahndungsplakat‘ des Feindes - in diesem Fall Krebsantigene, die Krebszellen von normalen Zellen unterscheiden.“

Uğur Şahin und Özlem Türeci haben 2008 gemeinsam das Unternehmen Biontech gegründet. Ihr Ziel: Behandlungen für die individualisierte Krebsimmuntherapie entwickeln und herstellen. Durch Corona sind das Unternehmen und die Gründer bekannt geworden – sie arbeiten immer noch an Krebstherapien. (Archivbild)
Uğur Şahin und Özlem Türeci haben 2008 gemeinsam das Unternehmen Biontech gegründet. Ihr Ziel: Behandlungen für die individualisierte Krebsimmuntherapie entwickeln und herstellen. Durch Corona sind das Unternehmen und die Gründer bekannt geworden – sie arbeiten immer noch an Krebstherapien. (Archivbild) © Federico Gambarini/dpa

Gefragt, ob sie das Gefühl habe, dass ein Heilmittel für Krebs in greifbarer Nähe sei, antwortet Türeci im BBC-Interview zögerlich: „Jeder Schritt, jeder Patient, den wir in unseren Krebsversuchen behandeln, hilft uns, mehr darüber herauszufinden, womit wir es zu tun haben und wie wir es angehen können.“ Und weiter: „Deshalb zögern wir als Wissenschaftler immer, zu sagen, dass wir eine Heilung für Krebs haben werden“, so Türeci weiter. „Wir haben eine Reihe von Durchbrüchen erzielt, und wir werden weiter daran arbeiten.“

Corona-Pandemie könnte im Rückblick etwas Gutes haben: mRNA wird salonfähig

Auf die Frage, wann Krebsimpfstoffe auf der Grundlage von mRNA für den Einsatz bei Patient:innen bereit sein könnten, erklärt Biontech-Geschäftsführer Uğur Şahin im BBC-Interview, dass das bereits „vor 2030“ der Fall sein könnte. Man habe gelernt, wie man Impfstoffe besser und schneller herstellen könne.

Offenbar hat die Corona-Pandemie in dieser Hinsicht auch etwas Gutes: Biontech hat dadurch gelernt, wie man mRNA-Impfstoffe schneller herstellt und wie das menschliche Immunsystem auf mRNA-Impfstoffe reagiert. Außerdem haben die Behörden bereits erste Berührungspunkte mit mRNA-Impfstoffen gehabt – „das wird definitiv unsere Krebs-Impfstoffe beschleunigen“, betont Türeci. (tab)

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