Chemiker finden in konventionellen Kaffeebohnen mehr gesundheitsfördernde Chlorogensäuren als in Bio-Kaffee. Trotzdem hat Bio-Kaffee ebenfalls deutliche Vorteile.
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Konventioneller Kaffee soll gesünder sein als Bio-Kaffee. Das zeigt sich an über 60 Röst-Kaffee-Proben.

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Ist konventioneller Kaffee gesünder als Bio-Kaffee? Das sind die wissenswerten Fakten

  • vonEckhard Stengel
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Chemiker finden in konventionellen Kaffeebohnen mehr gesundheitsfördernde Chlorogensäuren als in Bio-Kaffee. Trotzdem hat Bio-Kaffee ebenfalls deutliche Vorteile.

  • Gesundheitsfördernde Chlorogensäuren sind in Bio-Kaffee weniger enthalten als in konventionellem Kaffee.
  • Bio-Kaffee habe aber deutliche Vorteile bezüglich des Umweltaspekts.
  • Der Grund für den geringeren Anteil an Chlorogensäure in Bio-Kaffee sei noch nicht bekannt.

Konventioneller Kaffee ist angeblich gesünder als Bio-Kaffee. Das will ein Forschungsteam der privaten Elitehochschule „Jacobs University Bremen“ (JUB) herausgefunden haben. Bei der Untersuchung von 67 Röstkaffee-Proben aus Brasilien habe sich gezeigt, dass im biologisch angebauten Kaffee weniger gesundheitsfördernde Chlorogensäuren enthalten seien als in konventionellen Bohnen, teilte die JUB mit. Dabei gehe es um Unterschiede von etwa 20 Prozent, ergänzte Chemieprofessor Nikolai Kuhnert auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau.

Bio-Kaffee oder konventioneller Kaffee?

„Das heißt aber nicht, dass die Verbraucher keinen Bio-Kaffee mehr kaufen sollen“, betonte Kuhnert. Denn der biologisch angebaute Kaffee habe andere klare Vorteile, „etwa hinsichtlich seiner Umweltwirkungen.

Nach Angaben der Forscher wirken Chlorogensäuren entzündungshemmend, antibakteriell und antiviral; außerdem hätten sie einen positiven Effekt auf das Herz-Kreislauf-System und auf die Leber. Vor allem aber senkten sie den Blutzucker. „Bei regelmäßigen Kaffeetrinkern ist eine dramatische Reduktion von Diabetes-Erkrankungen des Typ 2 zu beobachten“, so Kuhnert.

Chlorogensäure kommt in zahlreichen anderen Produkten vor

Warum das Bio-Getränk weniger Chlorogensäuren enthält, können die Forscher nicht genau sagen. Sehr wahrscheinlich sei aber, dass konventionelle Pflanzen zum Schutz gegen Fraßfeinde wie Pilze oder Bakterien Abwehrstoffe bildeten, die für Menschen gesundheitsfördernd seien. „Der Bio-Kaffee scheint das nicht nötig zu haben, er ist weniger gestresst“, so Kuhnert. Ein ähnliches Phänomen habe er schon bei Grünkohl beobachtet. Dort bewirkten Pflanzenschutzmittel, dass der Kohl krebsvorbeugende Abwehrstoffe produziere.

Chlorogensäuren kommen in vielen Obst- und Gemüsepflanzen vor, zum Beispiel in Äpfeln, Birnen, Hülsenfrüchten oder Artischocken. Hauptlieferant für die menschliche Ernährung ist laut JUB-Mitteilung aber die Kaffeebohne. Allein der Arabica-Kaffee enthalte rund 40 verschiedene Chlorogensäuren. Bei der Untersuchung kooperierte die JUB mit der Universität im brasilianischen Ponta Grossa. Die Studie ist kürzlich in der Fachzeitschrift „Food Research International“ erschienen.

Kuhnert versicherte auf Nachfrage der FR, dass die Studie nicht gesponsert worden sei und keinerlei Industrie-Interesse dahinterstecke. Die Jacobs University Bremen wird zwar überwiegend von der Schweizer Jacobs Foundation finanziert – einer Stiftung der ehemaligen Bremer Kaffeeröster-Familie Jacobs; die Familie hat aber schon vor Jahren ihr Kaffeeunternehmen verkauft und sich aus dem Geschäft mit den braunen Bohnen zurückgezogen. (Von Eckhard Stengel)

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