Weltall

Riesenstern Beteigeuze verdunkelt sich wieder - Weltraumteleskop „Hubble“ hat Staubwolke entdeckt

  • Tanja Banner
    vonTanja Banner
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Der Helligkeitseinbruch des Riesensterns Beteigeuze sorgt bei Astronomen weiter für Verwunderung. „Hubble“ könnte nun den Grund für die Verdunkelung gefunden haben. Unterdessen verdunkelt sich der Stern erneut.

  • Der auffällige Stern Beteigeuze im Sternbild Orion sorgt weiter für Rätselraten.
  • Für den Helligkeitsabfall Anfang 2020 könnte das „Hubble“-Weltraumteleskop eine Erklärung liefern.
  • Derzeit ist Beteigeuze nicht von der Erde aus zu sehen - doch ein Weltraumteleskop hat eine überraschende Entdeckung gemacht.

Was ist mit dem Riesenstern Beteigeuze (Alpha Orionis) los? Der auffällige Stern im Sternbild „Orion“ leuchtete ab etwa Oktober 2019 immer weniger stark und hatte Mitte Februar 2020 mehr als zwei Drittel seiner Helligkeit verloren. Dann ging es mit der Helligkeit wieder bergauf - doch Forschende fragen sich weiter, was mit Beteigeuze passiert ist. Bereits vor etwa eineinhalb Monaten meldeten Forschende aus Deutschland, dass gigantische kühle Sternenflecken (ähnlich den Sonnenflecken auf unserer Sonne) hinter dem Helligkeitsabfall stecken könnten.

„Hubble“-Weltraumteleskop hat Riesenstern Beteigeuze beobachtet

Doch nun melden sich Forschende aus den USA zu Wort, die Beteigeuze bereits seit 2019 regelmäßig mit dem Weltraumteleskop „Hubble“ beobachten. Sie gehen anhand ihrer Beobachtungen davon aus, dass auf dem Riesenstern ein gewaltiger Ausbruch stattfand, durch den eine große Menge heißen Materials ins Weltall ausgestoßen wurde. Dieses ausgestoßene heiße Plasma kühlte sich in den äußeren Schichten des Sterns Beteigeuze ab und formte Staubkörnchen, so die Theorie der Forscherinnen und Forscher. Die so entstandene Staubwolke verdeckte demnach etwa ein Viertel der Oberfläche des Sterns - aus Erdperspektive verdunkelte sich der Riesenstern merklich und kehrte erst im April 2020 wieder zu seiner alten Helligkeit zurück.

„Hubble“-Teleskop entdeckte gewaltigen Ausbruch auf Riesenstern Beteigeuze

Die Forschenden, die Beteigeuze mit dem „Hubble“-Weltraumteleskop beobachtet haben, konnten nach eigenen Angaben schon Monate vor der Verdunklung des Sterns Anzeichen eines „dichten, heißen Materials“ erkennen, das sich durch die Atmosphäre von Beteigeuze bewegte. „Mit Hubble haben wir Material gesehen, das die sichtbare Oberfläche des Riesensterns verlassen hat und durch die Atmosphäre gewandert ist, bevor der Staub entstand, der den Stern verdunkelte“, erklärt Andrea Dupree vom Center for Astrophysics in Cambridge, die die Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop geleitet hat.

„Wir denken, dass es möglich ist, dass die dunkle Wolke aus dem Ausbruch resultiert, den Hubble entdeckt hat“, erklärt Dupree in einer Mitteilung der US-Raumfahrtorganisation Nasa. Die Forschenden gehen davon aus, dass sich das Material erst Millionen Kilometer von der sichtbaren Oberfläche des Sterns entfernt abgekühlt hat und die Staubwolke gebildet hat. Die Studie des Teams ist im „Astrophysical Journal“ erschienen.

Beteigeuze ist ein roter Überriese - der eines Tages als Supernova enden wird

Bei Beteigeuze handelt es sich um einen so genannten roten Überriesen, der im Vergleich zu anderen Sternenklassen eine eher kurze Lebensdauer aufweist. Rote Überriesen beenden ihr Sternenleben meist mit einer heftigen Explosion, einer Supernova. Dass eine solche bevorstehen könnte, mutmaßte mancher, der die seltsame Verdunklung des Sterns Beteigeuze beobachtete. Doch dazu kam es bisher nicht. Dazu muss man auch wissen, dass Beteigeuze ein variabler Stern ist, der regelmäßig seine Helligkeit ändert. Er folgt dabei zwei Lichtzyklen: Einer ist etwa 425 Tage lang, der andere dauert ungefähr 5,9 Jahre. Die Helligkeitsschwankung könnte also durchaus auch damit zusammenhängen, dass sich das Minimum beider Lichtzyklen nähert.

Der Stern Beteigeuze ist nur etwa 700 Lichtjahre von der Erde entfernt und neben der Sonne der einzige Stern, bei dem mit dem „Hubble“-Teleskop die Oberfläche aufgelöst werden kann. Dass eine Supernova des Sterns unmittelbar bevorsteht, glaubt Dupree nicht. „Die Wahrscheinlichkeit, dass der Riesenstern bald zur Supernova wird, ist sehr gering“, gibt sie selbst zu. Betont in der Nasa-Mitteilung aber auch: „Niemand weiß, was ein Stern macht, bevor er zur Supernova wird, weil das noch nie beobachtet wurde.“ Astronomen hätten noch nie einen Stern Tage oder auch nur Wochen vor einer Supernova beobachtet.

Riesenstern Beteigeuze von der Erde aus nicht sichtbar - Weltraumteleskop beobachtet Überraschendes

Derzeit muss das Team um Dupree warten, bis sie Beteigeuze wieder beobachten können, denn der Stern befindet sich momentan zu nah an der Sonne, um das „Hubble“-Weltraumteleskop auf ihn zu richten. Ende August oder Anfang September soll das 30 Jahre alte Weltraumteleskop jedoch wieder zu Beteigeuze blicken. Es könnte spannend werden: Während „Hubble“ den Riesenstern nicht sehen konnte, hat das Nasa-Weltraumteleskop STEREO Bilder von Beteigeuze gemacht - und die zeigen, dass der Stern von Mitte Mai bis Mitte Juli erneut einen Helligkeitseinbruch hatte. Dieser war jedoch nicht so gewaltig wie die Helligkeitsschwankung Anfang des Jahres.

Trotzdem kommt er unerwartet: Geht man davon aus, dass der Helligkeitseinbruch im Februar 2020 Teil der zyklischen Schwankung war, sollte der Riesenstern Beteigeuze im August und September 2020 die maximale Helligkeit erreichen und im April 2021 wieder an Helligkeit verlieren. Bei der Nasa spricht man von einem „faszinierenden Phänomen“ und plant bereits weitere Beobachtungen mit Weltraumteleskopen und Teleskopen auf der Erde - sobald Beteigeuze Ende August wieder von der Erde aus am Nachthimmel zu sehen ist. (Von Tanja Banner)

Rubriklistenbild: © NASA, ESA, and E. Wheatley (STScI)

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