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Bakterien gegen Lungenkrebs

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Von: Pamela Dörhöfer

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US-Forschungsteam testet neue Therapie und hofft auf schnellen Einsatz in der Praxis

An keiner Tumorart sterben so viele Menschen wie an Lungenkrebs: 1,76 Millionen Tote fordert die Erkrankung weltweit jedes Jahr. Erst mit weitem Abstand folgt Darmkrebs mit 881 000 Toten. Laut dem Zentrum für Krebsregisterdaten leben in Deutschland – ähnlich wie auch in anderen Ländern – nur 21 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer fünf Jahre nach der Diagnose noch. Das hat damit zu tun, dass Lungenkrebs im Frühstadium keine Beschwerden macht und deshalb oft zu spät erkannt wird.

Ein US-amerikanisches Forschungsteam der Columbia University School of Engineering and Applied Science sieht großes Potenzial in einer Behandlung mit Bakteriengiften, die dann mit neuen zielgerichteten Medikamenten kombiniert werden sollen. Ihre Studie dazu haben die Wissenschaftler:innen im Fachmagazin „Scientific Reports“ veröffentlicht.

„Als jemand, der geliebte Menschen an Krebs verloren hat, würde ich gerne sehen, dass dies Strategie es vom Labor zum Krankenbett schafft“, wird Erstautor Dhruba Deb, Wissenschaftler am Labor für Biomedical Engineering in einer Mitteilung seiner Hochschule zitiert. Die Forschenden haben die Wirkung bakterieller Toxine im Labor an Mäusen untersucht. Dabei schauten sie sich an, wie Krebszellen auf zellulärer und molekularer Ebene reagieren, wenn sie Bakterien ausgesetzt werden. Die Wissenschaftler:innen stellten schließlich auch eine Hypothese auf, welche molekularen Signalwege den Tumorzellen helfen können, gegen die Gifte der Mikroorganismen resistent zu werden. In einem nächsten Schritt blockierten die Forschenden diese Signalwege dann mit einem neuen zielgerichteten Krebsmedikament. Bei diesem handelt es sich um einen AKT-Inhibitor, einen Wirkstoff, der ein bestimmtes Enzym hemmt und derzeit in klinischen Phase-3-Studien getestet wird. Tatsächlich konnte die Kombination von Toxinen aus Bakterien und diesem neuen Medikament Lungenkrebszellen effektiv beseitigen.

Upal Basu Roy, Forschungsdirektor der auf Lungenkrebs spezialisierten LUNGevity Foundation, USA, nennt den Einsatz der Bakteriengifte eine „aufregende Medikamentenentwicklung, die bisher bei Lungenkrebs unerforscht war“. Das Team der Columbia University School of Engineering and Applied Science will seine Strategie nun auf größere präklinische Studien von schwer behandelbaren Lungenkrebsarten ausweiten und dabei mit Kliniken zusammenarbeiten. Damit soll die neue Kombinationstherapie – positive Ergebnisse vorausgesetzt - den Sprung in die Praxis zügig schaffen können.

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