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Forschungen in einem Labor: Schon seit Längerem ist bekannt, dass die Komplikationen bei schweren Verläufen von Covid-19 nicht mehr durch das Virus selbst, sondern durch die überschießende Immunreaktion getrieben werden, die dann körpereigenes Gewebe angreifen.
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Forschungen in einem Labor: Schon seit Längerem ist bekannt, dass die Komplikationen bei schweren Verläufen von Covid-19 nicht mehr durch das Virus selbst, sondern durch die überschießende Immunreaktion getrieben werden, die dann körpereigenes Gewebe angreifen.

Coronavirus

Was man aus Corona für andere Krankheiten lernen kann

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Eine Innsbrucker Studie zeigt die Wechselwirkungen des menschlichen Immunsystems mit dem Coronavirus auf.

Innsbruck/Frankfurt – Eine milde Covid-19-Erkrankung geht mit einem hohen Anteil zytotoxischer T-Zellen einher, eine schwere hingegen mit hohen Antikörpertitern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Medizinischen Universität Innsbruck, die im Fachjournal „Frontiers of Immunology“ veröffentlicht wurde. Das Forschungsteam um den Immunologen Wilfried Posch hat dafür die Gewebeproben von Covid-Patientinnen und -Patienten aus verschiedenen Tiroler Krankenhäusern 30 bis 40 Tage nach positiven PCR-Testbescheiden untersucht.

Antikörper wie T-Zellen kann man zum „Arsenal“ des Immunsystems zählen. Die Aufgabe von Antikörpern ist es, einen Erreger gezielt anzugreifen und so zu verhindern, dass er Zellen infiziert. Zytotoxische T-Zellen sind eine Art weißer Blutkörperchen, die zu den sogenannten Killerzellen gehören und Teil des erworbenen Immunsystems sind. (Eine andere Art von Killerzellen sind die natürlichen Killerzellen, die aber zum angeborenen Immunsystem gehören.) Zytotoxische Killerzellen erkennen Körperzellen, die von einem Pathogen befallen sind, und töten es ab. Man spricht dann auch von „zellulärer Immunantwort“.

Corona: Komplikationen bei schwerem Verlauf durch überschießende Immunreaktion

„Bei Patienten mit leichten Infektionen ließen sich robuste zytotoxische T-Zell-Reaktionen beziehungsweise ein niedriger Anaphylatoxinspiegel nachweisen“, erklärt Wilfried Posch. Anaphylatoxin ist ein Entzündungsprotein, das vor allem bei kritischen Verläufen vermehrt produziert wird. Es wird übrigens auch bei allergischen Reaktionen freigesetzt.

Außerdem, so der Immunologe, habe sich gezeigt, dass hohe Sars-CoV-2-Antikörpertiter mit einem schweren Krankheitsverlauf verbunden seien. Wichtig zu wissen: Es geht dabei um neutralisierende ebenso wie um nicht-neutralisierende Antikörper. Das Problem von nicht-neutralisierenden Antikörpern ist, dass sie das Coronavirus nicht unschädlich machen, sich aber an dessen Oberfläche anheften. Damit aber regen sie die Produktion anderer Komponenten des Immunsystems an, zu denen auch die entzündungsfördernden Anaphylatoxine gehören. „Die Folge ist ein Zytokinsturm, also eine erhöhte Entzündungsreaktion“, erläutert Posch. Schon seit Längerem ist bekannt, dass die Komplikationen bei schweren Verläufen von Covid-19 nicht mehr durch das Virus selbst, sondern durch die überschießende Immunreaktion getrieben werden, die dann körpereigenes Gewebe angreifen.

Covid-19 im Fokus – doch auch andere Krankheiten können dem Lungengewebe schaden

Die Erkenntnisse aus Innsbruck könnten der Behandlung wichtige Hinweise auf therapeutische Angriffsziele liefern. Dass der extreme Entzündungsprozess mit der chemischen Blockade der Anaphylatoxine verhindert werden kann, hat das Forschungsteam bereits bewiesen. Das werde nun in ersten klinischen Studien mit bereits zugelassenen Medikamenten, die gegen diese Komponenten des Immunsystems wirken, untersucht, sagt Posch.

Der Immunologe geht davon aus, dass das Wissen um diese Zusammenhänge auch bei anderen Infektionskrankheiten der oberen wie der unteren Atemwege hilfreich sein kann. Denn auch wenn derzeit vor allem Covid-19 im Fokus steht, so gibt es doch auch andere respiratorische Erkrankungen, die zu schweren Entzündungen und Schädigungen des Lungengewebes führen können.

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