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Die Universität Göttingen kommt nicht zur Ruhe.

Universität Göttingen

Aufklärung mit Tücken

Erst der Skandal wegen zweckwidriger Verwendung von Forschungsgeld, nun auch noch ein Datenleck. Die Universität Göttingen kommt nicht zur Ruhe.

Dem Präsidenten der Universität Göttingen, Kurt von Figura, weht der Wind angesichts des Finanzskandals unter seinen Tropenforschern zurzeit scharf ins Gesicht. Vor gut einer Woche war die anscheinend zweckwidrige Verwendung von Forschungsgeld in Höhe von mehr als 100 000 Euro aufgeflogen.

An diesem Wochenende gelangten plötzlich Akten des betroffenen Sonderforschungsbereichs (SFB) nach draußen, die eine Mitwisser- und Mittäterschaft der Zentralverwaltung, also des verantwortlichen Präsidiums, bei Buchungstricks zum Nachteil der geldgebenden Deutschen Forschungsgemeinschaft seit 2007 beweisen sollen. Am Montag dementierte die Hochschulleitung allerdings alle Vorwürfe.

Schwächen im Management

Nichtsdestoweniger offenbart die Stellungnahme des Präsidenten eklatante Schwächen im Hochschulmanagement. So konnte der SFB-Vorstand bis Herbst 2008 mit den Forschungsmitteln selbstständig schalten und walten, ohne seine Beschlüsse "mit der (zentralen) Finanzabteilung abzuklären" oder sie "vorbehaltlich der Prüfung durch die Finanzabteilung zu fassen".

Das Präsidium ist im Erweiterten SFB-Vorstand lediglich durch den nicht stimmberechtigten "Leiter der Stabsstelle Strategische Forschungsentwicklung" vertreten. Die hochtrabend klingende Stelle bekleidet ein promovierter Wissenschaftler, der den hochqualifizierten SFB-Direktoren kaum auf Augenhöhe begegnet.

In der jüngsten Presseerklärung übernimmt wieder niemand aus dem Präsidium der Exzellenz-Universität die persönliche Verantwortung für die Strukturmängel und Fehlentwicklungen. Präsident Kurt von Figura stellt auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau aber klar: Er fühle sich durch viele Stimmen aus der Community der Universität in seinem Amt und seinen Aufklärungsversuchen bestärkt. hho

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