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Gleißende Hitze im Sommer 2019 in Schleswig-Holstein.
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Gleißende Hitze im Sommer 2019 in Schleswig-Holstein.

Studie

Klimawandel: Warum immer längere Wetterlagen Katastrophen begünstigen

  • VonJörg Staude
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„Möglicherweise waren die Klimamodelle etwas zu konservativ“: Eine Studie zeigt, dass Wetterlagen immer länger anhalten und Extremwetterereignisse fördern.

Frankfurt – Wer Autolärm-geplagt an einer Straße wohnt, kann die Kommune veranlassen, Messgeräte aufstellen, um über Wochen und Monate die Dezibel zu messen und feststellen zu lassen, ob die Grenzwerte überstiegen sind. Da gibt es dann schöne Zeitreihen und diskutierbare Prognosen, ob es künftig immer schlimmer, also lauter, wird. Denkbar ist aber auch, jedes Fahrzeug einzeln zu erfassen, mit welchem Tempo es in welcher Entfernung vorbeibrettert, ob der 40-Tonner laut brummend unterm Fenster hält oder der SUV-Fahrer nochmal extra den Motor aufheulen lässt. Das würde möglicherweise ein realeres Bild von der Lärmbelastung ergeben.

Der Vergleich gibt in vereinfachter Form eine Vorstellung davon, was Forschende vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) im Rahmen einer jetzt im Fachmagazin Scientific Reports erschienenen Studie taten. Sie befassten sich darin mit der sogenannten Persistenz, also der Beständigkeit oder dem Beharrungsvermögen, bestimmter Wetterbedingungen.

Klimawandel begünstigt Extremwetterereignisse

Dazu analysierten sie mit einer Bilddaten-Vergleichsmethode weltweit Millionen aufeinanderfolgende Wetterzirkulationsmuster der letzten 40 Jahre, darunter besonders genau die Hitzewelle 2010 in Russland und den supertrockenen Sommer 2018 in Europa. Auf den ersten Blick klingt das Ergebnis der Studie nicht sehr spektakulär: Die globale Erwärmung macht es wahrscheinlicher, dass im Sommer Wetterlagen auf der Nordhalbkugel – über dem Nordatlantik, Europa und Sibirien – länger anhalten, sich immer ähnlicher werden und letztlich extreme Wetterereignisse begünstigen. „In Europa sind bereits rund 70 Prozent der Landfläche von länger an einer Stelle verharrenden Wetterlagen betroffen“, sagt Peter Hoffmann, PIK-Forscher und Erstautor der Studie.

Die zunehmende regionale Wetterpersistenz wirkt sich dabei eben vor allem im Sommer in einem Band vom Nordatlantik über Europa nach Sibirien aus. Anderswo auf dem Globus seien die Trends „schwächer oder eher negativ“, erläutert Hoffmann. Warum in der nördlichen Hemisphäre die Wetterpersistenz besonders markant zunimmt, „ist noch nicht endgültig geklärt“, räumt der Meteorologe ein.

Es gebe Hinweise, dass in dieser Region veränderte Temperaturkontraste zwischen Nordpol und Äquator sowie zwischen Landmassen und Ozeanflächen sich auf die dynamischen Wettersysteme auswirken. Dadurch schwächten sich die Westwinde, so dass langanhaltende Wetterlagen häufiger dort auftreten, wo sie bisher eher untypisch sind – und in der Folge dann Wetterextreme auslösen.

Klimawandel: „Je länger diese Wetterlagen andauern, desto intensiver können die Extreme werden“

Dann gibt es in der betroffenen Region statt ein paar sonnigen Tagen eine mehrwöchige Hitzewelle – oder Regenfälle halten so lange an, dass es zu Überschwemmungen kommen kann. „Je länger diese Wetterlagen andauern, desto intensiver können die Extreme werden, sowohl auf der warmen und trockenen Seite als auch auf der Seite des Dauerregens“, sagt Hoffmann.

Im Kern ergibt die neue Studie aber auch, dass es um den Trend zu Wetterextremen eigentlich schlimmer steht, als das die Forschung bisher widerspiegelte. Werden mit derselben Bilddaten-Methode die Ergebnisse von Klimamodellen analysiert – diese liegen als Computersimulationen vor –, „sehen wir keine vergleichbare Zunahme lang anhaltender Wetterlagen, insbesondere nicht über Europa“, erläutert Mitautor Fred Hattermann vom PIK.

Vereinfacht gesagt: Die Bilder der Wetterzirkulationen, die die Computermodelle „erzeugen“, führen nicht zu den Wetterextremen, wie sie sich aus den realen Wetterdaten ergeben. „Möglicherweise waren die Klimamodelle etwas zu konservativ und haben den Anstieg der Wetterpersistenz unterschätzt – und damit auch die Wetterextreme über Europa“, vermutet Hattermann.

Daten zu Wetterextremen im Zuge des Klimawandels immer wichtiger

Ein reales Bild von kommenden Wetterextremen zu gewinnen und diese nicht zu unterschätzen, werde angesichts des fortschreitenden Klimawandels immer wichtiger, betonen die PIK-Forschenden. Bilden Modellsimulationen die Zunahme von anhaltenden Wetterlagen nicht richtig ab, könnten sie beispielsweise das Auftreten extremer Trockensommer wie 2018 künftig unterschätzen. „Tatsächlich ist es so, dass Trockenzeiten wie 2018 und 2019 in Deutschland nicht gut in der gegenwärtigen Szenariengeneration wiedergegeben werden“, räumt Hoffmann ein.

Das lässt sich mit der neuen Studienmethode verbessern. Die Forschenden halten dies für wichtig. Denn bei einer kritischen Wetterlage im Sommer bedeute jeder Tag, den sie länger andauere, mehr Hitze und Trockenheit oder mehr intensiven Regen. „Unsere Ergebnisse stützen die bislang eher subjektiven Wahrnehmungen der Veränderungen im Zusammenhang mit Wetterextremen“, bilanziert PIK-Forscher Hoffmann. Anders gesagt: Was die neue, genauere Auswertungsmethode liefert, passt auch besser zu den gefühlten Wetterextremen. (Jörg Staude)

Eine internationale Studie zeigt, dass die Angst vor dem Klimawandel den Alltag junger Menschen stark beeinflusst. Viele fühlen sich von ihren Regierungen verraten. (Jörg Staude)

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