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Europas Energiewende wird maßgeblich durch das Verfeuern von Holz, Abfällen und Biokraftstoffen angetrieben.
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Europas Energiewende wird maßgeblich durch das Verfeuern von Holz, Abfällen und Biokraftstoffen angetrieben.

Studie

Auf dem Holzweg

  • vonVerena Kern
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Die Nutzung des Waldes als Rohstofflieferant ist nicht so klimafreundlich wie vielfach angenommen. Eine Studie macht Vorschläge, wie sich das ändern ließe.

Holz liegt im Trend. Der nachwachsende Rohstoff gilt als CO2-neutral und klimafreundlich. Seine Nutzung verspricht eine günstige und effiziente Möglichkeit, die Emissionen zu senken und die Klimakrise einzudämmen. Holz dient als Ersatz für fossile Brennstoffe und viele weitere Produkte, von der Papiertüte, die den Plastikbeutel ersetzt, über T-Shirts aus Holzfasern statt Baumwolle, bis zu Häusern aus Holz statt Stahl und Beton. Wer Holz nutzt, so scheint es, rettet damit immer auch ein bisschen das Klima.

Der Holzverbrauch ist demzufolge stark angestiegen. In der Europäischen Union stieg die Menge an „geerntetem“ Holz, so der Fachbegriff, in den vergangenen 20 Jahren um 24 Prozent. Die Produktion von Brennholz legte sogar um 43 Prozent zu. Holzöfen und Pelletheizungen boomen. Europa ist mittlerweile sowohl der weltweit größte Produzent von Holzpellets als auch der größte Importeur. Auch der Papierverbrauch steigt. Und Kraftwerke nutzen vermehrt Holz als alternativen Brennstoff, um ihre CO2-Bilanz aufzubessern.

Befeuert hat den wachsenden Hunger nach Holz auch die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU aus dem Jahr 2009. Sie zählt zu den erneuerbaren Energien nicht nur Wind und Sonne, sondern auch Biomasse – und damit auch Holz. Und darin wird explizit eine „verstärkte Mobilisierung bestehender Holzreserven“ gefordert. Genau das ist geschehen. Der mit Abstand größte Anteil an den erneuerbaren Energien in der EU – nämlich fast zwei Drittel – macht inzwischen die Biomasse aus, die Hälfte davon Holz. Wind, Sonne, Geothermie und Gezeiten- und Wellenkraftwerke kommen hingegen nur auf 21 Prozent, Wasserkraft auf 14 Prozent. Europas Energiewende wird damit nicht zuletzt durch das Verfeuern von Holz, Abfällen und Biokraftstoffen angetrieben.

Doch die Nutzung von Holz ist keineswegs so klimafreundlich wie vielfach angenommen wird. Wird Holz verbrannt, wird zwar nur das CO2 freigesetzt, das der Baum zuvor aufgenommen hat. Ein CO2-neutraler Energieträger ist Holz dennoch nicht. Denn bei der Waldbewirtschaftung, bei Holzeinschlag, Transport und Verarbeitung wird fossile Energie verbraucht. Die Gesamtemissionen liegen so um 20 bis 25 Prozent höher als die bei der Verbrennung direkt verursachten Emissionen.

Zudem werden vor allem Laubbäume zu Brennholz verarbeitet. Sie haben eine höhere Holzdichte und damit auch einen höheren Kohlenstoffanteil als Nadelbäume. Durch den steigenden Holzverbrauch ist auch der Anteil an kurzlebigen Holzprodukten gestiegen. Das im Holz gespeicherte CO2 wird so schon nach kurzer Zeit freigesetzt und belastet die Atmosphäre.

Und: Werden Wälder bewirtschaftet, was in Europa auf rund 90 Prozent der Waldflächen zutrifft, binden und speichern sie weniger Kohlenstoff als geschützte Wälder. Das gilt auch dann, wenn die Forstwirtschaft nachhaltig betrieben wird. So ist es von der EU-Forststrategie vorgeschrieben, die im Rahmen des Green Deal im kommenden Jahr aktualisiert werden soll.

In der Regel bedeutet das aber nur, dass der Holzzuwachs nicht vollständig entnommen wird. Der Einsatz von schweren Erntemaschinen, die zur Bodenverdichtung und damit zur Freisetzung von besonders wirksamen Klimagasen wie Methan und Lachgas führen, ist hingegen nicht reglementiert.

Derzeit werden in der Europäischen Union im Schnitt 77 Prozent des Holzzuwachses „geerntet“. Damit können Europas Wälder 245 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr aus der Luft holen und speichern. Das sind etwa fünf Prozent der jährlichen EU-Emissionen. Das Potenzial wäre aber um ein Vielfaches höher, wenn die aktuelle Bewirtschaftungspraxis geändert würde, wie nun eine Studie der gemeinnützigen Naturwald-Akademie im Auftrag von Greenpeace zeigt (https://naturwald-akademie.org/ tag/waldbau/). Würde der Holzeinschlag um ein Drittel auf nur noch die Hälfte des Holzzuwachses sinken, könnten die Wälder demnach in den nächsten 30 Jahren jährlich doppelt so viel CO2 speichern und damit weit mehr zum Klimaschutz beitragen als heute.

Wenn nur noch etwa die Hälfte dessen, was im Wald jedes Jahr an Holz zuwächst, wieder entnommen wird, könnten die Wälder wieder natürlicher werden – und so auch eine größere Rolle als Kohlenstoffsenke spielen. Langfristig gesehen wäre es sogar möglich, dass Europas Wälder 94 Milliarden Tonnen CO2 speichern. Heute sind es lediglich 36 Milliarden Tonnen. Auch der Import von Holzprodukten könnte dann zurückgehen und somit die Wälder anderer Länder entlasten.

Um die Forstwirte mit ins Boot zu holen, schlägt die Studie einen finanziellen Ausgleich vor – dafür, dass der Wald in Ruhe gelassen wird und so zu dem Klimaretter werden kann, der er heute nur auf dem Papier ist.

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