Islamunterricht

„Auch der Imam darf unterrichten, ?wenn er gut ausgebildet ist“

Der Religionspädagoge Clauß Peter Sajak über den Einfluss von Verbänden und die Freiheit von Lehre und Forschung.

Herr Professor Sajak, welche Gemeinsamkeiten gibt es bei der Ausbildung christlicher und islamischer Religionslehrer?

Die Grundstruktur der Ausbildung ist identisch. Das muss sie auch sein, weil wir die jungen Menschen auf den Beruf an einer öffentlichen Schule vorbereiten – und diese ist nun mal auf bestimmte Standards der Schulpädagogik hin ausgerichtet. Die muss man beherrschen, egal ob man nun Mathematik, katholische oder islamische Religion unterrichtet. Unterschiede gibt es natürlich in den theologischen Inhalten.

Die Kirchen nehmen Einfluss auf Lehrplan und Lehrstühle an den Theologischen Fakultäten. Sollte man das auch den islamischen Verbänden in Deutschland zugestehen?

Wenn man keinen islamkundlichen, sondern einen bekenntnisorientierten Religionsunterricht nach Artikel 7 III des Grundgesetzes einführen möchte, dann muss es ein Mitbestimmungsrecht der muslimischen Religionsgemeinschaften geben. Eine Res Mixta, also der Unterricht als gemeinsame Angelegenheit von Staat und Religionsgemeinschaften, ist gute Verfassungstradition in Deutschland. Eine Religionsgemeinschaft darf Inhalte des Unterrichts bestimmen und muss der Berufung des Lehrpersonals zustimmen.

Da ist aber noch die Freiheit von Forschung und Lehre. Wo sind die Grenzen der Einflussnahme?

Das ist tatsächlich eine heikle Frage, die alle konfessionellen Theologien betrifft. Das ist eine Gratwanderung. Ich habe aber den Eindruck, dass manche muslimische Verbandsvertreter die Rolle der katholischen Bischöfe überschätzen. Es ist ja nicht so, dass ein Bischof Professoren aussucht. Das widerspräche der Verfassung und der Wissenschaftsfreiheit. Ein Bischof prüft aber den Lebenswandel und die bisherigen Publikationen eines von der Universität ausgewählten Kandidaten auf Übereinstimmung mit der Glaubenslehre und gibt dann ein Placet, also eine Zustimmung oder ein Non Placet.

Kann ein Bischof ihm nicht genehme Professoren verhindern?

Dafür ist das Verfahren nicht gedacht.

Kann es dennoch vorkommen?

Es kann Missbrauch geben: Wenn ein Bischof sein Placet verweigert, weil ihm jemand nicht genehm ist, dessen Leben und Werk aber nicht der katholischen Glaubenslehre widersprechen. Das ist nicht in Ordnung und sorgt dort, wo es passiert, für verständliche Empörung.

Was halten Sie von der Idee der Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), Imame als Religionslehrer zu beschäftigen?

Da muss das Gleiche gelten wie für einen katholischen Priester und die evangelische Pfarrerin. Ein Imam darf in der Schule unterrichten, wenn er eine dem Staatsexamen adäquate Ausbildung hat. Bei uns ist es so: Ein Priester darf Religionsunterricht geben, weil er eine zweite Dienstprüfung in schulischer Religionsdidaktik ablegt hat. Wenn das der Imam im Rahmen seiner Ausbildung auch macht – Placet.

Für Religionsunterricht sind wöchentlich zwei Schulstunden vorgesehen. Die Schüler können alternativ auch Ethik oder Philosophie wählen. Ganz schön viel Konkurrenz um wenig Zeit.

Konkurrenz ist das nicht. Das sind komplementäre Fächer. Wir machen Weltanschauungsangebote in der Schule. Ich finde es wichtig, dass es zwei Stunden in der Woche für weltanschauliche Fragen gibt.

Gehört auch das Gebet in den Schulunterricht?

Prinzipiell schon. Die Frage ist, wie ich es einsetze. Das muss mit Blick auf die Lerngruppen und die Didaktik gut überlegt werden.

Viele Bundesländer knausern mit neuen Lehrerstellen. Welche Berufsperspektiven haben Religionslehrer?

Die weltanschaulichen Fächer sind Mangelfächer. Muslimische Religionslehrer werden gerade dringend gesucht. Ansonsten ist es mit Religionslehrern so wie mit allen Lehrern: Sie sind für die schulpädagogische Praxis ausgebildet, erweisen sich aber auch auf anderen Feldern des Arbeitsmarktes als tauglich, beispielsweise als Lektoren oder Journalisten.

Interview: Michael Billig

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