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Während auf der Erde Leben entstand, blieb der Mond ein toter Ort.

Sonnensystem

Wie Erde und Mond wurden, was sie sind

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Erde und Mond waren nach ihrer Entstehung einem kosmischen Bombardement ausgesetzt. Das sorgte für Leben auf der Erde - und hatte ganz andere Auswirkungen auf den Mond.

Als kosmisches Baby war die Erde ein glutheißer, mit Lava überzogener Himmelskörper – mitnichten ein geeigneter Ort, um mannigfaltige Landschaften und abertausende verschiedener Tier- und Pflanzenarten hervorzubringen. Wie kam es, dass dieser glühende Ball sich in unseren blauen Planeten, diese fragile Blase des Lebens im dunklen All, verwandelte? Die Voraussetzungen dafür wurden vermutlich vor etwa vier Milliarden Jahren geschaffen.

Wissenschaftler des Museums für Naturkunde und der Freien Universität Berlin, der Macau University of Science and Technology in China, des Planetary Science Institutes Tucson in den USA, der University of California at Davis und der University of Nice in Frankreich gehen davon aus, dass das kosmische Bombardement, dem unser Sonnensystem in seiner Frühphase ausgesetzt war, die spätere Entwicklung der Erde entscheidend geprägt hat. Demnach haben die massiven Einschläge von Gesteinsbrocken aus dem Weltall das Entstehen der Atmosphäre und der Ozeane erst möglich gemacht. Ihre Erkenntnisse haben die Forscher im Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht.

Erde, Merkur, Venus und Mars sind durch Kollisionen entstanden

Unser Sonnensystem bildete sich vor etwa 4,6 Milliarden Jahren aus einer Urwolke oder auch Urnebel, der sich zu 99 Prozent aus den Gasen Wasserstoff und Helium sowie zu einem kleinen Anteil Staub zusammensetzte.

Die Erde und die anderen Gesteinsplaneten Merkur, Venus und Mars im inneren Sonnensystem sind allesamt durch Kollision von Protoplaneten – Vorläufern von Planeten – entstanden. Beim vermutlich letzten dieser gigantischen kosmischen Crashs stieß die Erde mit einem Himmelskörper zusammen, der etwa die Größe des Mars hatte. Zum Vergleich: Die Erde hat heute einen Durchmesser von etwa 12 800 Kilometern, der Mars ist mit einem Durchmesser von 6800 Kilometern wesentlich kleiner.

Mond entstand aus Trümmern der Erde

Die heute favorisierte Theorie ist es, dass der Mond aus den Trümmern dieser Kollision hervorgegangen ist. Damals glich die Erde noch einem einzigen gewaltigen Glutofen, der von einem mehr als tausend Kilometer dicken Ozean aus Magma bedeckt war.

Bisher war nicht geklärt, wie die Metamorphose zu einem Planeten mit Atmosphäre, Biosphäre und Ozeanen gelang. Nach heutigem Wissensstand war dieser Vorgang in unserem Sonnensystem einmalig. Mit Ausnahme der Erde blieben alle anderen Planeten lebensfeindlich; allerdings könnte der Mars in früheren Zeiten Leben beheimatet haben, wenngleich gewiss nicht so hochentwickelt und vielfältig wie auf der Erde.

Erde und Mond waren Bombardement aus dem All ausgesetzt - mit Folgen

Man nimmt an, dass bei der großen Verwandlung unseres Heimatplaneten der Phase unmittelbar nach der Geburt des Mondes vor etwa 4,5 bis 3,8 Milliarden Jahren eine besondere Bedeutung zukommt. Beide, die Erde ebenso wie ihr junger Trabant, waren in dieser Zeit erheblichem Bombardement aus dem All ausgesetzt – mit gegenteiligen Folgen: Auf dem Mond führten die Einschläge von Gesteinsbrocken dazu, dass sich auf der Oberfläche weitere große Becken bildeten.

Auf der Erde mit ihrer viel größeren Masse dagegen spielte sich ein gänzlich anderer Prozess ab, wie die Berliner Wissenschaftler anhand von Simulationen feststellten: Die Einschläge von Asteroiden verursachten hier keine riesigen „Dellen“, sondern sammelten sich auf der Kruste an und lieferten dem Planeten in seiner „Wachstumsphase“ zusätzliche Materie. Auf dem Mond mit seiner relativ geringen Masse hingegen habe ein Großteil des kosmischen Materials nicht verbleiben können, erklären die Forscher.

Mond muss rund 200 Einschlägen ausgesetzt gewesen sein

Auch für eine scheinbare Ungereimtheit haben die Wissenschaftler eine Erklärung gefunden: Geht man davon aus, dass der Mond vor viereinhalb Milliarden Jahren entstanden ist, müsste er danach rund 200 Einschlägen ausgesetzt gewesen sein, die auf seiner Oberfläche zur Bildung von großen Becken mit einem Durchmesser von mehr als 300 Kilometern führten.

Tatsächlich existieren auf dem Erdtrabanten aber nur etwa 40 bis 50 solcher Einschlagsbecken. Die Forscher erklären dass damit, dass Brocken, die zu Zeiten einschlugen, als die Kruste dünn und weich war, in den Mondmantel eintauchten und dort verschwanden. Aufgrund ihrer Beschaffenheit wäre die Oberfläche dann schlicht nicht fest genug und somit nicht in der Lage gewesen, Strukturen auszubilden.

Mond wird kontinuierlich erforscht

Der Mond ist Gegenstand kontinuierlicher Forschung. Derzeit ist die indische Raumsonde „Chandrayaan-2“ auf dem Weg zum Mond. Im September soll der Lander „Vikram“ auf dem Mond landen und einen kleinen Rover absetzen. Der israelischen Sonde „Beresheet“ ist die Landung dagegen nicht gelungen, sie ist beim Landeversuch abgestürzt. Dabei sind möglicherweise getrocknete Bärtierchen auf den Himmelskörper gestürzt. Die Tierchen könnten wieder „aufwachen“ - wenn sie Wasser, Sauerstoff und Nahrung bekommen.

Als vor 50 Jahren erstmals Menschen den Mond betraten, war das eine große Sensation. Trotzdem weiß heute niemand mehr, was eigentlich die ersten Worte waren, die auf dem Mond gesprochen wurden. Die haben weder etwas mit kleinen Schritten und großen Sprüngen zu tun, noch war es „Der Adler ist gelandet“. Was über die erste Mondlandung auch kaum jemand weiß, ist, dass „Apollo 11“ ohne die Arbeit einer Frau vermutlich niemals erfolgreich gewesen wäre: Margaret Hamilton und ihr Team haben die Mission gerettet.

Auf dem Mond hat übrigens nicht nur das kosmische Bombardement Spuren hinterlassen. Die zwölf Astronauten, die den Mond betreten haben, haben Fahnen und allerlei andere Dinge zurückgelassen. Darunter befinden sich auch Reflektoren, die heute noch funktionieren. Sie wurden von einem Unternehmen aus Hanau hergestellt. (tab)

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