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Pandemie

Astrazeneca-Impfstoff gegen Corona: Thrombosen entstehen an ungewöhnlichen Stellen

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Forschende gehen der Ursache von Hirnvenenthrombosen nach einer Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin auf den Grund. Ist das Adenovirus schuld?

Der Grund, warum die Ständige Impfkommission das Vakzin von Astrazeneca nicht mehr für unter 60-Jährige empfiehlt, sind 31 Verdachtsfälle von Hirnvenenthrombosen in Deutschland. Eine schwere Komplikation, die in neun Fällen tödlich verlief. Doch was löst solche seltenen Ereignisse aus, welche Vorgänge spielen sich im Körper ab?

Mittlerweile sind viele Wissenschaftler:innen überzeugt, dass die Hirnvenenthrombosen tatsächlich durch die Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca ausgelöst wurden. Ein Forschungsteam aus Deutschland, Österreich und Kanada geht davon aus, den Mechanismus entschlüsselt zu haben, der dazu führt. Ihre bislang noch nicht begutachteten Ergebnisse wurden auf dem Preprint-Server „Research Square“ veröffentlicht. Sie basieren auf der Untersuchung der Blutproben von vier Personen, die eine solche Hirnvenenthrombose erlitten hatten.

Corona-Impfstoff von Astrazeneca: Thrombosen entstehen an ungewöhnlichen Orten

Darin habe man spezifische Antikörper gefunden, erklärte der leitende Forscher Andreas Greinacher von der Universitätsklinik Greifswald. Es handelt sich dabei um Autoimmun-Antikörper, die sich etwa vier bis 16 Tage nach der Impfung bilden können und sich gegen körpereigene Strukturen richten, die auf der Oberfläche der Thrombozyten – der Blutplättchen – sitzen. Die Antikörper binden daran und aktivieren damit die Blutplättchen, was diese verklumpen und Thrombosen entstehen lassen kann. Gleichzeitig führt das Verklumpen aber auch zu einer Verminderung der Blutplättchen – ein charakteristisches Merkmal der Autoimmun-Antikörperbildung, wie Johannes Oldenburg, Vorsitzender der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung, erklärt.

Verursacht das Vektorvirus im Corona-Impfstoff von Astrazeneca die Thrombosen?

Der Mangel an Blutplättchen wird als Thrombozytopenie bezeichnet und kann Blutungen verursachen, zum Beispiel in der Nase, der Haut, aber auch in den Organen. Hauteinblutungen sind ebenso wie schwere Kopfschmerzen, die mehrere Tage nach der Impfung auftreten, ein Warnzeichen.

Die beschriebenen Vorgänge erklären, warum es bei Geimpften teilweise zum gleichzeitigen Auftreten von scheinbar gegensätzlichen Symptomen wie Blutgerinnseln und Blutungen gekommen ist. Auffällig ist zudem, dass sich die Thrombosen an ungewöhnlichen Orten manifestieren können, so gibt es aus anderen Ländern auch Berichte von Gerinnseln im Bauchraum. Kommt es zu einer Thrombose in den ableitenden Venen des Gehirns, wird dieses wie bei einem Schlaganfall nicht mehr durchblutet.

Astrazeneca: Welche Bestandteile des Corona-Impfstoffs sind für die Komplikation verantwortlich?

Ungeklärt ist allerdings noch, welche Bestandteile des Impfstoffs diese Komplikation auslösen – und warum sie bislang nur bei Menschen unter 63 und vor allem bei Frauen aufgetreten sind – und dann auch nur selten. Es wäre möglich, dass die Hormone oder eine genetische Disposition eine Rolle spielen. Der Virologe Alexander Kekulé äußerte im MDR-Podcast zudem den Verdacht, dass das Komplementsystem beteiligt sein könnte, ein Teil des angeborenen Immunsystems, das bei älteren Menschen nicht mehr so gut arbeitet, was in diesem Fall einen Schutz böte.

Dass in Großbritannien sehr viele alte Menschen mit Astrazeneca geimpft wurden, könnte ein Grund sein, warum dort bislang nicht von Hirnvenenthrombosen berichtet wurde. Es könnte allerdings auch damit zu tun haben, dass dieses sehr seltene Ereignis als Ursache von Problemen nicht diagnostiziert wurde. Zudem weist das Science Media Center darauf hin, dass im britischen System sehr wohl unspezifische Fälle von Thrombozytopenien und Thrombosen aufgeführt sind. Auch Hirnblutungen und Schlaganfälle nach Astrazeneca sind dort dokumentiert.

corona-impfstoff-astrazeneca-thrombosen-impfung-vektorvirus.jpg

Anders ist die Situation in Norwegen, wo schwerwiegende Nebenwirkungen dieser Art laut einem Artikel in „Science“ bei einem von 25 000 Geimpften auftraten; das übertrifft die angenommene Häufigkeit dieser Komplikation etwa um das Vierfache. Norwegen impft deshalb derzeit überhaupt nicht mit Astrazeneca. Als Auslöser kommen mehrere Bestandteile des Impfstoffs infrage. Das Forschungsteam um Greinacher vermutet, dass eine durchgemachte Infektion mit dem Coronavirus oder aber einem Adenovirus die Anfälligkeit für solche Reaktionen erhöhen könnte. Adenoviren sind als Erreger von Erkältungskrankheiten weitverbreitet.

Corona-Impfstoff von Astrazeneca nutzt ein Adenovirus von Schimpansen als Trägervirus

Der Impfstoff von Astrazeneca nutzt ein Adenovirus von Schimpansen als Trägervirus, um die genetische Information für das Spike-Protein von Sars-CoV-2 in die Zellen zu schleusen. Würde diese These stimmen, so wären ähnliche Komplikationen theoretisch auch bei den Impfstoffen von Johnson & Johnson und Sputnik V denkbar; beide nutzen humane Adenoviren als Vektoren. Alexander Kekulé erwog im Podcast zudem, dass sich die Antikörper auch gegen freie DNA-Schnipsel richten könnten, denn die Vektorimpfstoffe enthalten das Sars-CoV-2-Erbmaterial in Form von DNA.

Coronavirus

Alle Informationen zu Sars-CoV-2 finden Sie in den Corona-News.

In Betracht käme ebenfalls das nach der Impfung gebildete Spike-Protein. „Allerdings müssten wir dann dieses Phänomen auch bei anderen Impfstoffen oder auch bei der Covid-Erkrankung selbst sehen“, sagt Oldenburg. „Die anderen Impfstoffe lösen aber offensichtlich dieses Autoimmunphänomen nicht aus.“ Denkbar wäre auch eine „unspezifische Ursache durch die Art der entzündlichen Immunreaktion“, durch das Astrazeneca-Vakzin. Bekannt ist, dass der Impfstoff häufig sehr starke Immunreaktionen wie hohes Fieber und extreme Kopfschmerzen hervorruft. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Juan Manuel Serrano Arce via www.imago-images.de

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