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Vakzin

Astrazeneca-Impfstoff: Reaktionen „eigentlich ein gutes Zeichen“

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Trotz erwiesener Wirksamkeit ist das Vakzin von Astrazeneca aufgrund von Nebenwirkungen umstritten. In der EU sind drei Impfstoffe zugelassen.

  • Gegen das Coronavirus hat die EU mittlerweile drei Impfstoffe zugelassen.
  • Am Impfstoff von Astrazeneca gibt es viel Kritik. In einigen Krankenhäusern in Deutschland wurden die Impfungen vorübergehend eingestellt.
  • Bei vielen Geimpften führt das Astrazeneca-Mittel gegen Corona teils zu starken Nebenwirkungen.

Frankfurt – Die Meldungen häuften sich in letzter Zeit: Weil sich ein beträchtlicher Teil des Personals nach der Impfung mit dem Vakzin von Astrazeneca krankmelden musste, konnte in manchen Rettungsdiensten, Klinikstationen, Praxen oder Pflegeheimen nicht mehr richtig gearbeitet werden. In zwei schwedischen Provinzen, einigen französischen und deutschen Krankenhäusern wurde das Impfen deshalb vorübergehend gestoppt.

Astrazeneca: Corona-Impfstoff führt teilweise zu starken Nebenwirkungen

Die nationale Agentur für Arzneimittelsicherheit in Frankreich soll laut einem Bericht der Zeitung „Le Parisien“ „in Alarmbereitschaft“ sein, gleichwohl wolle sie aber „beruhigen“. Clément Goehrs, Leiter eines Unternehmens, das im Nachbarland für die Meldung der Impfreaktionen zuständig ist, wird mit der Aussage zitiert: „Wir haben diese Nebenwirkungen erwartet, aber sie sind stärker als wir dachten.“

Auch der Frankfurter Rundschau erzählten Menschen, die mit Astrazeneca geimpft wurden, von ihren Erfahrungen. Sie berichten von heftigen grippeartigen Beschwerden, hohem Fieber, Schüttelfrost, Schwindel, von sehr starken Muskelschmerzen bis hin zu „Vernichtungskopfschmerz“. Zwar hielt das Krankheitsgefühl meist nur zwei Tage an, angeschlagen fühlten sich manche aber länger.

Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca hat offenbar mehr Nebenwirkung als bislang vermutet. (Archivfoto)

Nun dürfte diese Art von Impfreaktionen für die meisten nicht gefährlich sein, und sie stellen die Sicherheit des Impfstoffs gegen das Coronavirus nicht infrage. Auch entsprechen sie weitgehend dem, was in den klinischen Studien beobachtet wurde. Was in den offiziellen Unterlagen und Mitteilungen indes nüchtern-dürr mit „mild bis moderat“ beschrieben wird, kommt in der Praxis dann doch heftiger daher und kann dem Einzelnen schwer zu schaffen machen.

Zur Wirksamkeit

Nicht geimpft werden sollen mit dem Astrazeneca-Vakzin medizinisches Personal und Pflegekräfte – dieser Meinung ist der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery. Der Impfstoff sei zwar sicher, doch lasse sich „die geringere Wirksamkeit nicht wegdiskutieren“.

Einige Impfberechtigte haben Berichten zufolge wegen der Debatte um den Impfstoff Astrazeneca in den letzten Tagen ihre Termine platzen lassen.

Südafrika hat seine bereits gelieferten Impfdosen von Astrazeneca derweil der Afrikanischen Union angeboten, da es Zweifel an der Wirksamkeit des Vakzins bei der südafrikanischen Corona-Mutante gibt. afp/dpa

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) merkt im Fernsehinterview an, solche Reaktionen seien „eigentlich ein gutes Zeichen“, weil sie zeigten, dass das Immunsystem arbeite. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Tatsächlich wirft der Impfstoff von Astrazeneca eine Reihe von Fragen auf. Seine Wirksamkeit von etwa 70 Prozent liegt unter den mehr als 90 Prozent, die von Biontech/Pfizer und Moderna für ihre mRNA-Impfstoffe angegeben werden. Noch weniger wirksam ist Astrazeneca gegen die südafrikanische Virusvariante.

Im FR-Interview hatte der Pharmazeut Theo Dingermann die Einbußen bei der Wirksamkeit auf das Prinzip von Astrazeneca zurückgeführt, bei beiden Dosen den gleichen Vektor zu benutzen. Theo Dingermann äußerte zudem Zweifel, ob man bei einer möglicherweise notwendigen späteren Impfung gegen das Coronavirus noch einmal mit einem Vektorvakzin immunisiert werden könne.

Nicht befriedigend beantwortet sind auch Fragen zur Karzinogenität (ob ein Stoff das Potenzial hat, krebserregend zu sein) sowie zu einer Integration der verwendeten Virus-DNA (die auch bei anderen Vektorimpfstoffen eingesetzt wird) in das menschliche Genom. Beides dürfte vermutlich sehr unwahrscheinlich sein, definitiv ausgeschlossen würde man es gleichwohl gerne wissen.

Nebenwirkungen bei anderen Coronavirus-Impfstoffen oft nach erster Dosis heftiger

Doch selbst wenn man derlei Unbehagen einmal wegschiebt, bleibt die Tatsache, dass die Impfung gegen das Coronavirus ziemlich „reaktogen“ ist, wie es im Fachjargon heißt, dass sie einen nicht geringer Teil der Menschen also ganz schön beuteln kann. Nach bisherigen Erfahrungen fallen die Beschwerden anders als bei den mRNA-Impfstoffen, wo es umgekehrt ist, nach der ersten Dosis heftiger aus als nach der zweiten.

Gesundheitsminister Jens Spahn appelliert trotzdem, das „Impfangebot“ anzunehmen und es als „Privileg“ zu sehen. Es sei ein Gebot der Vernunft, sich impfen zu lassen. Wer damit warte, riskiere, selbst schwer zu erkranken und das Coronavirus weiterzuverbreiten.

Astrazeneca-Impfstoff: Nebenwirkungen und weniger wirksam gegen Coronavirus

Doch so einfach kann man nicht alle Bedenken beiseite wischen. Der Astrazeneca-Impfstoff ist weniger wirksam als die mRNA-Vakzine. Und man kann sich durchaus die Frage stellen, ob man es akzeptiert, dass ein Impfstoff für viele Menschen eben nicht sehr gut verträglich ist, denn wie anders sollte man es ausdrücken, wenn sich jemand zwei Tage lang krank fühlt.

Je jünger, desto häufiger und heftiger sind die Beschwerden nach einer Impfung mit dem Astrazenaca-Impfstoff gegen das Coronavirus offenbar. Das fällt umso mehr ins Gewicht, als Jüngere bei einer natürlichen Infektion kein großes Risiko für einen schweren Verlauf haben, wenn sie nicht chronisch krank sind. Moralischen Druck auszuüben, ist der falsche Umgang mit Zweifeln. (Pamela Dörhöfer) (Stand: 17.2.2021)

Rubriklistenbild: © Alessandra Tarantino

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