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Der Meteor von Tscheljabinsk, ein kleiner Asteroid, hat im Februar 2013 alle überrascht - und durch seine Druckwelle knapp 1500 Menschen verletzt.

Gefahr aus dem Weltall

Asteroid verfehlt die Erde knapp - Gefahr ist nur vorübergehend gebannt

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Ein Asteroid, der die Erde bedroht hat, verfehlt sie nach neuen Beobachtungen nun doch. Allerdings ist die Gefahr nur vorübergehend gebannt.

Update vom 17. Juli: Wie gefährlich nah ein Asteroid der Erde kommen kann, zeigt ein aktueller Fall. Die Europäische Raumfahrtorganisation Esa hatte berechnet, dass der Asteroid 2006QV89 die Erde im September mit einer Chance von 1:7299 treffen wird (zum Vergleich: Die Chance auf einen Lottogewinn liegt bei 1 zu 140 Millionen). Der 50 Meter große Brocken hätte beim Auftreffen auf der Erde enormes Zerstörungspotenzial: eine Sprengkraft von rund 100 Hiroshima-Bomben sagen die Experten voraus. 

Doch nun ist die Gefahr, die von dem Asteroiden ausgeht, offenbar erst einmal gebannt. Die Forscher haben dazu mit einem Teleskop in Chile einen möglichen Punkt der Flugbahn des Asteroiden beobachtet. Wäre der Asteroid dort aufgetaucht, hätte er fast zwangsläufig in seiner Flugbahn auch die Erde getroffen. Doch von Asteroid 2006QV89 war nichts zu sehen. "Allerdings könnte sich der Asteroid möglicherweise im September 2023 noch einmal der Erde nähern", erklärt Rüdiger Jehn von der Esa.

Aber nicht alle Objekte, die auf die Erde fallen, sind natürlichen Ursprungs: Die chinesische Raumstation „Tiangong-2“ soll kontrolliert abstürzen

Asteroiden kommen der Erde sehr nah

Asteroiden und Kometen können auf ihrer Bahn um die Sonne der Erde sehr nahe kommen – zum Teil sogar gefährlich nahe. Dafür soll der internationale Asteroid Day, der von der UN ausgerufen und jedes Jahr am 30. Juni begangen wird, sensibilisieren. Schlägt ein erdnahes Objekt (NEO) – ein Asteroid oder Komet - auf der Erde ein oder explodiert in der Erdatmosphäre, können die Folgen verheerend sein.

Jüngstes Beispiel dafür ist der Meteor von Tscheljabinsk, ein kleiner Asteroid, der im Februar 2013 über dem russischen Ural in die Erdatmosphäre eingetreten war und durch dessen Druckwelle knapp 1500 Menschen verletzt wurden. Experten gehen davon aus, dass der Asteroid bevor er zerbrochen ist einen Durchmesser von 19 Metern und eine Masse von 12.000 Tonnen hatte.

Asteroid Day am 30.6., dem Jahrestag des Tunguska-Ereignisses

Ein vermutlich deutlich größerer Himmelskörper explodierte wahrscheinlich am 30. Juni 1908 in der sibirischen Region Ksasnojarsk. Beim so genannten Tunguska-Ereignis (benannt nach dem gleichnamigen Fluss in der Region) wurden Bäume bis in eine Entfernung von 30 Kilometer entwurzelt und selbst in einer 65 Kilometer entfernten Siedlung noch die Fenster und Türen eingedrückt. Noch in mehr als 500 Kilometern Entfernung soll eine starke Erschütterung und eine Druckwelle wahrgenommen worden sein.

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Ob tatsächlich ein explodierender Himmelskörper für das Tunguska-Ereignis verantwortlich ist, ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt, jedoch gilt es als die wahrscheinlichste Erklärung für das Phänomen. Wegen des Tunguska-Ereignisses wurde der 30. Juni als Datum für den Asteroid Day ausgewählt.

Asteroiden und Kometen werden automatisiert entdeckt

Weil überraschende Einschläge von Himmelskörpern fatale Auswirkungen haben können, gibt es verschiedene Programme, die automatisiert den Himmel scannen, um einen möglichst guten Überblick über möglichst viele NEOs zu bekommen. Ende Mai 2019 waren dem Center for Near Earth Object Studies (CNEOS) der US-Raumfahrtorganisation Nasa mehr als 20.000 erdnahe Objekte bekannt. Darunter sind viele, deren Flugbahn gut bekannt ist und die keine Gefahr für die Erde darstellen. Es gibt jedoch auch die so genannten „potentially hazardous objects“, die der Erde möglicherweise gefährlich werden können.

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Insgesamt wurden nach Angaben des CNEOS mittlerweile mehr als 90 Prozent der erdnahen Objekte, die größer als ein Kilometer sind, entdeckt. Das Near-Earth-Object-Programm setzt seinen Schwerpunkt derzeit darauf, 90 Prozent der NEOs zu entdecken, die größer als 140 Meter sind.

Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde – wie reagiert man?

Doch wie soll man reagieren, wenn ein Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde geht? In Hollywoodfilmen lautet die Antwort gerne: Beschießen und dadurch die Bahn des Himmelskörpers ändern. Doch was würde man in der Realität tun, um den Einschlag eines Asteroiden zu verhindern? Es gibt die Idee, einen so genannten „Schwerkrafttraktor“ einzusetzen: Ein Raumschiff fliegt zu dem Asteroiden, der eine Gefahr darstellt und positioniert sich (ohne zu landen) so, dass die gegenseitige Anziehung zwischen Asteroid und Raumschiff die Flugbahn des Asteroiden langsam verändert.

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Eine andere Idee ist die des kinetischen Einschlags: Ein Raumschiff fliegt zum Asteroiden und rammt sich selbst mit hoher Geschwindigkeit in den Asteroiden, um dessen Flugbahn zu verändern. Diese Idee will die Nasa in den kommenden Jahren testen. Für die „Double-Asteroid Redirect Test Mission“ (DART), die 2022 starten soll, wurde das Asteroiden-System „Didymos“ ausgewählt. Das System besteht aus dem Asteroiden „Didymos A“ und dessen kleinerem Begleiter „Didymos B“. Das etwa autogroße Raumschiff „DART“ soll „Didymos B“ mit einer Geschwindigkeit von 25.000 Kilometern pro Stunde rammen, um herauszufinden, wie sehr der Einschlag die Umlaufbahn von „Didymos B“ verändert. Die Erde braucht nach Angaben der Nasa sieben Minuten, um die Strecke zurückzulegen, die dem Durchmesser des Asteroiden entspricht. Das bedeutet: Eine kleine Änderung der Umlaufbahn könnte schon dazu führen, dass der Asteroid die Erde komplett verfehlen würde.

Atombombe auf einem Asteroiden zünden?

Nukleare Explosionen - „Armageddon“ lässt grüßen – sind tatsächlich nur der letzte Ausweg, auf den man zurückgreifen würde, wenn es darum geht, ein erdnahes Objekt abzulenken, heißt es bei der Nasa. Wenn der Vorlauf nur kurz ist oder der Asteroid besonders groß, könnte eine Atombombe die effizienteste Option sein, heißt es auf der Website des Büros für die Koordination der planetarischen Verteidigung der Nasa.

Auch hier geht es letztendlich darum, die Flugbahn des Asteroiden zu verändern: Eine Explosion in einer Tiefe von einigen hundert Metern unter der Oberfläche des Asteroiden würde dazu führen, dass die obersten Schichten des Asteroiden erhitzt werden und durch die Röntgenstrahlen verdampfen. Material wird vom Asteroiden abgestoßen. Der Schub durch das Verdampfen und Abstoßen des Materials schiebt den Asteroiden auf eine andere Umlaufbahn. Im Fall einer Atombombe wäre also nicht die Stärke der Explosion die treibende Kraft, sondern die Strahlung, die auf die Oberfläche des Asteroiden einwirkt.

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