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Astronomen entdecken kleinen Asteroiden – drei Stunden später trifft er die Erde

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Von: Tanja Banner

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Ein Asteroid im Anflug auf die Erde
Ein Asteroid im Anflug auf die Erde (Symbolbild) ©  AdobeStock / Marcos Silva

Ein kleiner Asteroid stürzt auf die Erde. Die Lichtshow begeistert Fachleute, die nun nach Meteoriten suchen.

Toronto – Trifft ein Asteroid die Erde, kann das im Zweifel ziemlich gefährlich werden – man denke nur an das Schicksal der Dinosaurier. Die meisten Himmelskörper, die die Erde treffen, sind jedoch so klein, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht. Das gilt auch für den aktuellen Fall.

Der Asteroid 2022 WJ1, um den es geht, wurde erst drei Stunden vor seinem Einschlag entdeckt – er gilt als einer von bisher erst sechs Asteroiden, die bereits vor ihrem Einschlag auf der Erde entdeckt und beobachtet werden konnten. Zuerst gesehen wurde er vom Astronomen David Rankin vom Mount Lemmon Observatory in Arizona. Nachfolgende Beobachtungen durch Astronominnen und Astronomen bestätigten schnell, dass der Himmelskörper, der aus der Richtung des Asteroidengürtels zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter kam, auf Kollisionskurs mit der Erde war.

Asteroid 2022 WJ1 auf Kollisionskurs mit der Erde – aber keine Gefahr

Da er jedoch nur einen Durchmesser von knapp einem Meter hatte, bestand für die Erde keine Gefahr – die Forschenden konnten sich zurücklehnen, Daten sammeln und den Asteroiden beobachten. Drei Stunden nach seiner Entdeckung drang der kleine Asteroid über Kanada in die Erdatmosphäre ein. Gegen 3.27 Uhr Ortszeit zeichneten mehrere Meteorkameras einen Feuerball am Himmel über dem Ontariosee auf.

Zahlreiche Augenzeuginnen und Augenzeugen, unter ihnen auch Forschende, die von einem Asteroiden-System alarmiert wurden, konnten die Feuerkugel sehen, die der Asteroid 2022 WJ1 beim Eindringen in die Erdatmosphäre auslöste. „Er flog direkt über uns hinweg und hatte eine deutlich grüne Farbe“, erklärte der Doktorand David Clark gegenüber gegenüber Spaceweather.com. Dem Astronomie-Professor Paul Wiegert zufolge war der Feuerball „zwischen den Wolken gut sichtbar und auffällig orange-rot“.

Eine besonders spektakuläre Aufnahme zeigt, wie der Feuerball hinter dem CN Tower in Toronto vorbeifliegt:

Asteroid zerbricht in zahlreiche Fragmente

Radarstationen der US-Raumfahrtorganisation Nasa konnten den Asteroiden bis in eine Höhe von knapp einem Kilometer verfolgen, wo er vermutlich in zahlreiche Fragmente zerbrochen ist. Die meisten dieser Fragmente sollen nach Angaben der Nasa in den Ontariosee gefallen sein, einige Teile könnten auch in den nahegelegenen Orten Grimsby und McNab zu finden sein.

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Forschende suchen bereits am Ufer des Sees nach Bruchstücken des Asteroiden. Für sie sind Meteoriten – Bruchstücke von Himmelskörpern, die auf der Erde gefunden werden – spannende Objekte: Je schneller sie nach dem Einschlag gefunden werden, desto mehr Rückschlüsse können sie auf ihre Herkunft und ihre Vergangenheit liefern.

Asteroid 2022 WJ1: Feuerkugel wurde von vielen Menschen beobachtet

„Diese Feuerkugel ist bedeutsam, weil der ursprüngliche Meteoroid teleskopisch beobachtet wurde, bevor er in die Atmosphäre einschlug“, erklärt Peter Brown von der University of Western Ontario gegenüber Spaceweather.com. „Wir haben die seltene Gelegenheit, teleskopische Daten eines Asteroiden mit seinem Aufbrechverhalten in der Atmosphäre zu verknüpfen, um Einblicke in seine innere Struktur zu gewinnen.“

Während kleine Asteroiden für die Erde keine Gefahr darstellen, können bereits etwas größere Brocken durchaus gefährlich sein: Asteroiden mit einem Durchmesser von mehr als 20 Metern können Schockwellen auslösen, wenn sie in der Erdatmosphäre explodieren. Dadurch können beispielsweise Glasscheiben zerbrechen – genau wie beim „Meteor von Tscheljabinsk“, der 2013 über dem russischen Ural niederging.

Asteroiden mit einem Durchmesser von einem Kilometer oder mehr gelten in der Astronomie als „Planetenkiller“ – sie können massiven Schaden anrichten. Allerdings geht die Forschung davon aus, dass die meisten dieser Himmelskörper derzeit bekannt sind und keine unmittelbare Gefahr darstellen. Trotzdem versucht die Raumfahrt, sich auf diesen Fall vorzubereiten: Erst kürzlich hat die Nasa-Raumsonde „Dart“ einen Asteroiden gerammt, um eine mögliche Verteidigungstechnologie zu testen. (tab)

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