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Asteroid 2022 AE1 doch nicht gefährlich – Nasa und Esa entfernen ihn von Risikolisten

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Von: Tanja Banner

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Der Asteroid 2022 AE1 wurde von Nasa und Esa von den Risikolisten entfernt. (Symbolbild)
Der Asteroid 2022 AE1 wurde von Nasa und Esa von den Risikolisten entfernt. (Symbolbild) © dpa/Esa/C. Carreau

Der Asteroid 2022 AE1 schoss mit seiner Entdeckung auf Platz eins der Risikolisten von Nasa und Esa. Nun ist klar: Der Asteroid stellt so bald keine Gefahr für die Erde dar.

Update vom Freitag, 21.01.2022: Etwa zwei Wochen lang hat sich der Asteroid 2022 AE1 auf der Risikoliste von Nasa und Esa auf Platz eins gehalten – nun wurde er komplett von den Listen gelöscht. Seit seiner Entdeckung wurde der Asteroid, der wegen zwei möglichen berechneten Einschlägen auf der Erde in den Jahren 2023 und 2028 auf Platz eins der Risikolisten geschossen war, genau beobachtet. Nun ist klar: Die beiden Termine, die als mögliche Einschläge auf der Erde galten, können ausgeschlossen werden.

Den neuen Berechnungen zufolge kommt der Asteroid der Erde erst am 29. Dezember 2146 nahe – und dann auch nur auf etwa 1,56 Millionen Kilometer. Damit stellt der Asteroid keine Gefahr mehr dar und wurde von den Risikolisten entfernt – genau wie es erwartet worden war.

Asteroid 2022 AE1 ist klein und kommt der Erde irgendwann nah

Erstmeldung vom Freitag, 14.01.2022: Frankfurt – Er hat einen Durchmesser von etwa 70 Metern, ist erst seit wenigen Tagen bekannt – und hat sich gleich auf Platz eins der „Risikolisten“ der US-Raumfahrtorganisation Nasa und ihrem europäischen Pendant Esa katapultiert: der Asteroid mit dem Namen 2022 AE1. Entdeckt wurde er am 6. Januar 2022 vom Mount Lemmon Survey, einem System, das automatisiert nach erdnahen Objekten und potenziell gefährlichen Asteroiden Ausschau hält.

Da der Asteroid erst seit kurzer Zeit bekannt ist, ist seine Umlaufbahn noch nicht ganz klar. Da der Asteroid jedoch derzeit auf Platz eins der Risikolisten steht und damit als gefährlicher gilt als der Asteroid Bennu, wird er nun genau beobachtet, um weitere Daten zu sammeln. Gibt es weitere Beobachtungen, könnte der Asteroid schnell seinen Spitzenplatz verlieren oder ganz aus den Risikolisten gestrichen werden. Derzeit ist es jedoch so, dass anhand der wenigen Daten, die über den Asteroiden bekannt sind, zwei Termine berechnet wurden, an denen der Asteroid der Erde so nah kommt, dass ein Einschlag nicht ganz ausgeschlossen werden kann.

Asteroid 2022 AE1 steht auf Platz 1 der Risikolisten von Nasa und Esa

Für einen Einschlag des Asteroiden am 4. Juli 2023 gibt die Nasa eine Wahrscheinlichkeit von 0,036 Prozent an, die Esa kommt auf 0,15 Prozent. Für einen Einschlag am 3. Juli 2028 sind die angegebenen Wahrscheinlichkeiten noch geringer. Der Asteroid ist mit einer Größe von etwa 70 Metern etwas größer als der Asteroid, der 1908 das sogenannte Tunguska-Ereignis ausgelöst haben soll – eine heftige Explosion in Sibirien.

Zwar gibt es auf den Risikolisten von Nasa und Esa andere Asteroiden, deren Einschlagswahrscheinlichkeit höher ist als die des neu entdeckten Asteroiden 2022 AE1 oder die größer sind als dieser Himmelskörper. Jedoch werden die Listen nach der sogenannten Palermo-Skala sortiert – und in diese Skala fließt auch mit ein, wann der mögliche Einschlag stattfindet und wie viel Zeit bis dahin noch verbleibt. Während das bei 2022 AE1 nur noch etwa eineinhalb Jahre sind, liegt das frühestmögliche Einschlagdatum für Asteroid Bennu – er ist etwa 490 Meter groß – im Jahr 2178.

Asteroid 2022 AE1: Einschlag im Jahr 2023 oder 2028 möglich – aber wenig wahrscheinlich

Eine zweite Skala, die das Risiko eines Asteroideneinschlags bewertet, ist die Turiner Skala. Diese Skala reicht von 0 („Die Wahrscheinlichkeit einer Kollision ist null“) bis 10 („Eine Kollision ist wahrscheinlich und in der Lage eine globale klimatische Katastrophe zu verursachen, die die Zukunft der Zivilisation gefährdet“), der Asteroid 2022 AE1 wird von der Nasa in Stufe 1 eingruppiert. Diese Kategorie wird von der Nasa folgendermaßen beschrieben:

Eine Routine-Entdeckung, bei der ein Vorbeiflug in der Nähe der Erde vorhergesagt wird, der keine ungewöhnliche Gefahr darstellt. Aktuelle Berechnungen zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Kollision extrem unwahrscheinlich ist, mit keinem Grund für öffentliche Aufmerksamkeit oder Bedenken. Neue Beobachtungen werden sehr wahrscheinlich dazu führen, dass der Asteroid in Stufe 0 eingruppiert wird.

Nasa-Beschreibung der Stufe 1 der Turiner Skala

Ähnlich ist es auch dem Asteroiden (99942) Apophis ergangen, der so berüchtigt war, dass er nach dem ägyptischen Gott des Chaos benannt wurde. Der Asteroid mit einem Durchmesser von etwa 350 Metern war lange Zeit weit oben auf den Risikolisten vertreten, es gab berechnete Einschlagswahrscheinlichkeiten unter anderem in den Jahren 2029, 2036 und 2068. Mittlerweile wurden Einschläge für die drei Jahre und eine lange Zeit danach ausgeschlossen und der Asteroid Apophis wurde nach beinahe 17 Jahren von den Risikolisten gestrichen. Für die Forschung bleibt er trotzdem interessant: Am 13. April 2029 nähert sich Asteroid Apophis der Erde bis auf etwa 31.000 Kilometer und wird zu einem lohnenden Forschungsobjekt.

Wie reagieren auf einen gefährlichen Asteroiden? Nasa will es im Weltall testen

Doch wie reagiert die Menschheit, wenn eines Tages ein gefährlicher Asteroid tatsächlich auf der Erde einschlagen soll? Im Jahr 2021 hat die Nasa eine Mission gestartet, die eine theoretische Reaktion in der Praxis testen soll: Die Raumsonde „DART“ ist zu einem Doppel-Asteroiden aufgebrochen, wo sie im Herbst 2022 einen kleinen Asteroiden aus seiner Umlaufbahn um einen größeren Asteroiden schubsen soll. Die Daten dieses Tests sollen dabei helfen, die sogenannte planetare Verteidigung auf der Erde aufzubauen.

Gefährlicher Asteroid Bennu wird von Nasa-Raumsonde untersucht

Außerdem ist die Raumsonde „Osiris-Rex“ auf dem Rückweg vom Asteroiden Bennu. Sie hat dort Gesteinsproben gesammelt, die im Herbst 2023 auf die Erde zurückkehren sollen und dann von Forschenden untersucht werden. Die Sonde hatte eine weitere wichtige Aufgabe: Sie sollte am Asteroiden den sogenannten „Jarkowski-Effekt“ messen, den Einfluss der uneinheitlichen Oberflächenerwärmung von Asteroiden auf ihren Bahnverlauf. Es handelt sich dabei um eine der größten Unbekannten, wenn es um die Berechnung der Flugbahn von Asteroid Bennu in der Zukunft geht.

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Genauer kennt man unterdessen die Flugbahn des Asteroiden 1994 PC1, der einen Durchmesser von etwa einem Kilometer hat und sich der Erde am 18. Januar 2022 bis auf etwa zwei Millionen Kilometer nähert. Er zählt damit zu den „potenziell gefährlichen“ Asteroiden – was jedoch nicht automatisch bedeutet, dass von ihm eine Gefahr ausgeht. In die Kategorie „potenziell gefährlicher Asteroid“ werden automatisch alle Asteroiden eingestuft, die sich der Erde aufgrund ihrer Umlaufbahn bis auf 7,5 Millionen Kilometer oder weniger nähern können und die einen Durchmesser von mindestens 150 Metern haben. Der Hintergrund: Asteroiden ab einer Größe von etwa 150 Metern können bei einem Einschlag signifikanten Schaden in der Region anrichten. Der neu entdeckte Asteroid 2022 AE1 fällt nicht in diese Kategorie – dazu ist er zu klein. (tab)

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